Waiblingen Hallo Urlaub! Tschüss Haustier

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Waiblingen. Der beste Freund des Menschen, der schnurrende Bettnachbar, der Karotten nagende Hausgenosse. Haustiere gehören in vielen Haushalten zur Familie. Mehr als 31 Millionen Haustiere leben in Deutschland. In den Ferien werden die Wegbegleiter jedoch für manch einen zur Last.

Haustiere sind für viele Menschen ein festes Familienmitglied. Hierzu zählen nebst Hunden, Katzen und Kaninchen natürlich auch Ziervögel, Reptilien, Amphibien und Fische. Nicht jeder Deutsche hängt so sehr an seinem Tier, dass er die Urlaubsplanung nach seinem haarigen Gefährten ausrichtet oder sich um die Unterkunft für ihn bemüht. Auch in diesem Jahr bestätigen die Tierheime der Region die hohe Zahl an abgegebenen Tieren während der Ferienzeit. Haustiere werden entweder direkt bei den Tierheimen abgegeben oder im schlimmsten Fall ausgesetzt und landen über Umwege bei den Tierschützern.

Aussetzen des Haustiers ist kein Kavaliersdelikt

Das Aussetzen eines Haustieres ist kein Kavaliersdelikt, es gibt eine einschlägige Rechtsgrundlage, sagt Sandra Weiss vom Landratsamt Rems-Murr und zitiert den Paragrafen 3, Nummer 3, des Tierschutzgesetzes: „Es ist verboten, (…) ein im Haus, Betrieb oder sonst in Obhut des Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder es zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halter- oder Betreuerpflicht zu entziehen, (…) Verstöße gegen das oben genannte Verbot im Tierschutzgesetz erfüllen den Tatbestand einer Ordnungswidrigkeit und können mit einem Bußgeld geahndet werden.“

Betreust du meine Katze, betreue ich deine Katze!

„Es gibt viele Möglichkeiten, das Haustier während des Urlaubs wohlbehalten unterzubringen“, so der Rat der Gemeinschaftstierarztpraxis Remshalden. „Es gibt immer mehr Betreuungseinrichtungen wie Katzen- und Hundehotels, in denen die Tiere über die Urlaubszeit einquartiert werden können, oder mobile Service-Angebote, bei denen die Tiere dann vor Ort in gewohnter Umgebung betreut werden.“ Wem das zu teuer sei, für den gebe es häufig auch Angebote zur Hilfe auf Gegenseitigkeit nach dem Motto: Betreust du meine Katze, betreue ich deine Katze!

Hunde können auch bei Flugreisen mitgenommen werden

Auch bei einer Flugreise gibt es die Möglichkeit, den Hund mitzunehmen. Je nach Körpergewicht und Fluggesellschaft kann der treue Begleiter als Handgepäck mitfliegen. Größere Hunde müssen in einer Transportbox im Frachtraum des Fliegers mitfliegen. „Tierboxen werden nach den Vorgaben als Letztes ins Flugzeug verladen und nach der Landung als Erstes ausgeladen, damit die Tiere so wenig Zeit wie möglich im Frachtraum verbringen müssen“, so Beate Schleicher vom Flughafen Stuttgart.

Reiseziel muss zum Haustier passen

Die Flugreise kann aber je nach Größe des Tiers und Reiseziel hohe Kosten verursachen. Man sollte außerdem beachten, welchem Tier man welches Klima zumuten kann. Besonders für Hunde mit kurzen Schnauzen kann ein warmes Klima zur Tortur werden. Aber auch in diesen Fällen gibt es passende Alternativen. „Außer den Tierheimen gibt es professionell betriebene Tierpensionen. Diese müssen vor Aufnahme der Tätigkeit eine Erlaubnis beim Veterinäramt beantragen. Vor Erteilung der Erlaubnis wird geprüft, ob der Pensionsbetreiber sachkundig ist und geeignete Räumlichkeiten vorhanden sind“, so Sandra Weiss.

Manche Tierheime überprüfen den potenziellen Halter

Es gibt mehrere Möglichkeiten ein Haustier zu erwerben. Neben dem Kauf beim Züchter gibt es immer die Möglichkeit der Adoption im Tierheim. Das Tierheim Backnang verlangt von Interessenten eine Selbstauskunft und führt Vorkontrollen durch, bevor ein Tier an einen neuen Halter abgegeben wird. So wird vermieden, dass die Interessenten voreilig handeln und den Kauf später bereuen.

Viele machen sich nur wenig Gedanken, bevor sie ein Haustier erwerben

Astrid Treitler ist Hundezüchterin und betreibt die Tierpension „Engel auf vier Pfoten“ in Rudersberg. Sie achtet besonders auf ausgiebige Vorkontrollen der Halter ihrer Schützlinge. Sie berichtet von Fällen, in denen Interessenten kaum oder wenig Zeit mit dem Gedanken verbracht haben, was es heißt, ein Tier zu halten. „Es kommt schon ab und an vor, dass man am Telefon bemerkt, dass sich die Leute wenig bis gar keine Gedanken über die Anschaffung eines Hundes gemacht haben.“ Dies kann schon bei banalen Tätigkeiten wie die der Fütterung der Fall sein. „Erst kürzlich hatte ich solch eine Dame am Telefon, die ernsthaft dachte, ihren neuen Hund später mit Essensresten vom Tisch ernähren zu können“, erzählt Astrid Treitler. Sie überprüft Interessenten auf Herz und Nieren, um ihren Welpen ein gutes Zuhause bieten zu können. Den Haltern werden ausführliche Fragen gestellt, wie zum Beispiel, wie lange der Hund täglich allein sein wird, ob der Interessent bereits einen Hund hatte, wer auf das Tier aufpasst, wenn der Herrchen oder Frauchen erkrankt ist, und ob die ganze Familie der Anschaffung eines Hundes zustimmt. „Ich denke, im Lauf der Zeit bekommt man ein Gefühl für die Vermittlung“, sagt sie. „Bevor der Welpe auszieht, sehe ich die Leute auch bestimmt noch sechs- bis siebenmal und lerne sie und ihre ,Ansprüche’ an den Hund genauestens kennen.“ Allerdings sind nicht alle Hundezüchter so engagiert wie Astrid Treitler: „Leider kenne ich viele Züchter, die nicht genau an den Käufer hinschauen. Es geht vielen wirklich nur um ein schnelles Geld.“


„Euphorie über neues Haustier verfliegt“

Dörte Röhl ist Tierärztin und Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei der Tierschutzorganisation Peta. „Wir sehen definitiv einen Zusammenhang zwischen ausgesetzten Tieren und unüberlegten Spontankäufen. Bei solchen Blitzkäufen ist die Gefahr groß, dass die Euphorie über das neue Haustier schnell wieder verfliegt.“

Sie berichtet von insgesamt etwa 300 000 Tieren, die jedes Jahr in Deutschlands Tierheimen landen. Allein in den Sommermonaten sollen es rund 70 000 Tiere sein, die von Tierschützern betreut werden müssen. Es gibt allerdings auch erfreuliche Zahlen. „In Berlin beispielsweise soll die Anzahl an Fundtieren von etwa 9500 im Jahr 2012 auf ,nur’ noch circa 6000 Tiere 2015 gesunken sein“, berichtet Dörte Röhl. Bei exotischen Tierarten sieht die Statistik jedoch ganz anders aus: „Die Zahl aufgenommener Exoten erhöht sich vielerorts deutlich. So sollen einer Hochrechnung zufolge in den Jahren 2009 und 2013 rund 30 000 Reptilien in Tierheimen aufgenommen worden sein.“ Zahlen für ausgesetzte Tiere in den Tierheimen im Rems-Murr-Kreis gibt es keine.

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