Waiblingen-Hegnach Das erste Weihnachten nach dem verheerenden Brand

Ein verheerender Brand hat Familie Lausterer im Februar obdachlos gemacht. Das Gebäude war nicht zu retten. Foto: Benjamin Beytekin

Waiblingen.
Zehn Monate ist es her, dass die Hegnacher Familie Lausterer bei einem verheerenden Brand ihr Haus und ihren ganzen Besitz verloren hat. Nun naht das erste Weihnachten nach dem Schicksalsschlag. Keine einfache Zeit, diese Tage der Stille und Besinnlichkeit. „Wenn die Tage kürzer werden und es auf Weihnachten zugeht, macht man sich mehr Gedanken“, sagt Herbert Lausterer. „Alles geht einem durch den Kopf – auch der Brand.“ Doch die Hoffnung ist groß: Wenn alles gutgeht, feiert die Familie nächstes Jahr Weihnachten wieder daheim im eigenen Haus. Dieses Jahr werden sie das Fest mit der ganzen Großfamilie beim Sohn und der Schwiegertochter in Waiblingen verbringen. Einen eigenen Christbaum werden Lausterers in ihren Interimswohnungen nicht haben - schon deshalb nicht, weil mit dem ganzen anderen Hausrat auch die Weihnachtsbaumkugeln und Deko zerstört worden sind.

Die Brandursache war ein defekter Kühlschrank

Wie berichtet, wurden Lausterers in der Nacht auf den 6. Februar gegen Mitternacht aus dem Schlaf geschreckt, weil ihr Haus in Flammen stand. Alle Familienmitglieder – die Großeltern Herbert und Ingeburg und die Eltern Thorsten und Stefanie mit ihrem Baby Lukas – konnten sich vor dem Feuer ins Freie retten. Doch fassungslos standen sie auf der Straße und mussten mit ansehen, wie ihre Existenz verbrannte. Später wurde ein technischer Defekt im Kühlschrank als Ursache ermittelt. Das Haus war nicht zu retten: In ihrem Abschlussgutachten kam die Versicherung zu dem Schluss, dass ein Wiederaufbau des 100-jährigen Gebäudes unwirtschaftlich wäre.

Bis zur Entscheidung der Versicherung konnte am Brandhaus in der Hohenacker Straße nichts geschehen. Die Nachbarn mussten mit dem Feinstaub leben, der vom Gebäude ausging, die Lausterers konnten nicht richtig planen. Im Oktober wurde das Haus zur Erleichterung der Familie dann endlich abgebrochen. Das Ausräumen und die Entsorgung der verbrannten und verrußten Sachen übernahm eine Spezialfirma. Alle Räume, jeder Gegenstand war kontaminiert. „Der Rauch war in die letzte Ritze eingedrungen“, erzählt Stefanie Lausterer. Im Wohnzimmer sei noch ihr Sofa gestanden, aber alles war schwarz. Doch für die Familie bedeutete der Abbruch auch einen Aufbruch. Jeden Tag sei er dabei gewesen, erzählt Herbert Lausterer. „Das war gut. Ich habe mich Stück für Stück von unserem Haus getrennt.“ Auch für seinen Sohn Thorsten hatte der Abbruch eine große Bedeutung. Seit er das ausgebrannte Haus nicht mehr anschauen müsse, sei es leichter für ihn geworden: „Der Abbruch hat nochmals wehgetan. Aber jetzt kann ich nach vorne schauen.“

Welle der Unterstützung

Dazu gehört ganz maßgeblich die Planung des neuen Hauses. Ein Architekt wurde mit den Plänen für ein Zweifamilienhaus beauftragt. Nun liegt der Bauantrag bei der Stadt, zuversichtlich sind Lausterers aber, dass es schnell gehen wird mit der Baugenehmigung. Im Erdgeschoss entsteht eine Wohnung für Herbert Lausterer und seine Frau Ingeburg, im ersten Stock und im Dachgeschoss eine Wohnung für Sohn Thorsten und Schwiegertochter Stefanie. „Die Stadt hat uns bei den Plänen sehr unterstützt“, sagt Stefanie Lausterer. Wir hoffen auf einen Baubeginn Ende Februar, Anfang März.“

Nach dem Brand waren die fünf Lausterers vorübergehend bei ihrer Familie untergekommen und hatten dann zwei Mietwohnungen bezogen. „Wir haben hier eine super Hausgemeinschaft und fühlen uns wohl“, versichert Herbert Lausterer. Aber natürlich habe es eine Umstellung bedeutet, vom eigenen Haus in eine Mietwohnung zu ziehen. Gleichwohl haben sie ihr Leben wieder aufgenommen. Thorsten Lausterer hat trotz seiner eigenen dramatischen Erfahrungen sein Ehrenamt bei der Feuerwehr nicht an den Nagel gehängt. „Für mich hat sich nichts geändert“, erklärt er. Bei Einsätzen habe er ein Schema, das er abzuarbeiten habe. Verändert habe es ihn aber schon, einen Brand aus der Perspektive der Betroffenen und nicht nur des Feuerwehrmanns zu sehen. „Für mich stellt sich jetzt mehr als früher die Frage, wie ich die Leute unterstützen kann.“

Eine Welle der Unterstützung erlebten die Lausterers nach der Katastrophe auch selbst. Hilfsangebote, Sachspenden und Geld gingen ein: „Es war überwältigend“, sagt Stefanie. Hilfe kam von der Stadt, von Vereinen, den Feuerwehren und der Kirchengemeinde. Die Kirchengemeinde ließ ein Spendenkonto einrichten, wobei sich Kirchenpflegerin Margit Schmack besonders engagiert habe. Sogar von völlig fremden Leuten habe sie eine Karte und einen Amazon-Gutschein bekommen, erzählt Stefanie Lausterer. „Wir bekommen ja gar nicht mit, wer gespendet hat, weil die Spenden bei der Kirche eingehen.“ Aber für die Hilfe seien sie unendlich dankbar. Ein großes Anliegen ist es auch Herbert Lausterer, allen zu danken und schöne Weihnachten zu wünschen.

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