Waiblingen Hess-Areal: Eidechsen müssen umziehen

Zauneidechse. Foto: Pixabay (CC0 Creative Commons)

Waiblingen. Gegen die Stimmen der ALi-Fraktion hat der Gemeinderat dem Bebauungsplanentwurf auf dem Hess-Areal zugestimmt. Zuvor hatte ALi-Rätin Iris Förster nochmals die grundsätzlichen Bedenken ihrer Fraktion gegen die Planung auf den Punkt gebracht: Hier werde die letzte freie Fläche an einen Großkonzern vergeben, der wenig an zusätzlichen Steuereinnahmen nach Waiblingen bringen werde, sagte sie. Mit dem Projekt sind Eingriffe in Natur und Landschaft verbunden, Tiere sind betroffen.

In ihrer Stellungnahme verwies Iris Förster auf den derzeit rasanten Wandel in der Automobilindustrie. Daimler benötige im Moment dringend Platz, um seine Elektromotoren zu entwickeln. Wenn aber die Standorte im Hauptwerk nicht mehr mit dem Bau von Verbrennungsmotoren ausgelastet seien, werde es dort genügend freien Raum geben, so dass auch die Elektromotorenentwicklung an den Hauptsitz verlegt werden könne. Im Moment seien die Planungen auf dem Hess-Areal aber komplett auf die Erfordernisse von Daimler abgestimmt. Ein späterer Nutzer der Gebäude habe voraussichtlich völlig andere.

Weckt die Erschließung neue Begehrlichkeiten?

Mit Sorge sieht die ALi auch die zunehmende Versiegelung. Die Erschließung des Areals werde mit Sicherheit bei der einen oder anderen Fraktion Begehrlichkeiten hinsichtlich einer Erweiterung des Gewerbegebiets Richtung Norden wecken, mutmaßen die ALi-Räte. Mit dem Ziel, das ganze Gebiet südlich und östlich der Westumfahrung zu erschließen. „Hemmungsloses Wachstum der Gewerbegebiete hat Folgen für die Stadtentwicklung“, warnte Förster. „Mehr Arbeitsplätze ziehen mehr Verkehr an, mehr Arbeitnehmer brauchen mehr Wohnraum, mehr Menschen brauchen mehr Infrastruktur wie Kindergärten, Schulen, Freizeiteinrichtungen.“ Hier werde die letzte freie Fläche an einen Großkonzern vergeben, der wenig an zusätzlichen Steuereinnahmen bringen werde.

Mit ihren Bedenken blieb die ALi-Fraktion erwartungsgemäß allein. Die übrigen Fraktionen stimmten dem Bebauungsplanentwurf „Technologie- und Zukunftspark Hess“ unisono zu. Zuvor hatten Stadtplanungschef Patrik Henschel und Verkehrsplaner Jürgen Karajan nochmals die Grundzüge der Planung vorgestellt.

Goldammern finden keine Nistplätze

Mit dem Projekt sind Eingriffe in Natur und Landschaft verbunden. Davon betroffen sind unter anderem Goldammern, die auf dem Areal vorübergehend keine Nistplätze finden werden, bevor nach Abschluss der Bauarbeiten im Westen landwirtschaftlich genutzte Flächen in hochwertige Ausgleichsflächen umgewandelt werden sollen und Gehölze gepflanzt werden. Weil die Tiere in der Zwischenzeit beeinträchtigt werden, hat die Stadt eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung beantragt, ebenso für Zauneidechsen und Gelbbauchunken.

Tümpel der Gelbbauchunken, die durch die Bebauung zerstört werden, sollen nach den Bauarbeiten auf dem Areal durch neue Tümpel ersetzt werden. Im April sollen möglichst viele Unken und Molche nach ihrer Überwinterungszeit eingesammelt und an einen Tümpel im Norden des Areals gebracht werden.

Umziehen muss auch die Zauneidechse. Rund ein Hektar Lebensraum wird durch die Bebauung zerstört, wovon 60 bis 80 Zauneidechsen betroffen sein könnten. Bereits vor Beginn der Bauarbeiten wurden Eidechsen eingesammelt und innerhalb des Areals umgesiedelt. Ein Bauzaun soll verhindern, dass die Eidechsen zurückwandern. Die weiteren Tiere sollen im Frühjahr eingesammelt werden. Anders als ihre Artgenossen, die im Herbst umziehen mussten, werden sie auf dem Finkenberg ausgesetzt. Weil zwischen den Bauarbeiten und dem ökologischen Ausgleich eine zeitliche Lücke entsteht, ist auch hier ein Ausnahmeantrag erforderlich. Um den ökologischen Eingriff im Gebiet komplett auszugleichen, wird der Weinberg Haufler aufgewertet.

Verkehrslärm an der Max-Eyth-Straße steigt

Wie berichtet, soll das Gebiet über die Westtangente/Max-Eyth-Straße und im weiteren Verlauf über die Maybach- und Dieselstraße erschlossen werden.

Schon jetzt kommt es aufgrund der Fußgängerströme an der Kreuzung Max-Eyth-Straße/Westtangente zu Wartezeiten. Die Ausfahrt soll auf Vorschlag des Ingenieurbüros Karajan deshalb um eine Fahrspur erweitert werden. Eine Ampel soll den Verkehr regeln. Ein Kreisverkehr ist den Verkehrsplanern zufolge nicht zu empfehlen, weil er die Verkehrsströme kaum bewältigen könnte.

Durch den zusätzlichen Verkehr steigt der Lärmpegel an der Max-Eyth-Straße. An einzelnen Häusern werden die gesundheitsgefährlichen Werte leicht überschritten. Gegenmaßnahmen wie verkehrsregelnde Vorgaben werden geprüft.

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