Waiblingen Hess-Areal: Radweg sorgt für miese Stimmung

Auf der Zielgeraden im Bebauungsplanverfahren sorgt ein Radweg für Irritationen. Foto: Pixabay

Waiblingen. Am Ende wurde es eine Zitterpartie. Der Planungsausschuss hat dem Bebauungsplan für die Daimler-Ansiedlung auf dem Hess-Areal erst nach einer langen Debatte grünes Licht gegeben. Grund für die Irritation war der Radweg im Bebauungsplanentwurf. SPD- und ALi-Fraktion machten sich für die teurere, aber direktere Trasse stark, die auch im Verkehrsentwicklungsplan vorgesehen war und von Provelo gefordert wird. Das Grundstück hat die Stadt indes längst weiterverkauft.

Die Frage des Radwegs durch das Hess-Areal bewegte die Menschen auch in der Bürgerfragestunde. Von Sicherheitsbedenken angesichts des geplanten Radwegs über die Max-Eyth-Straße sprach eine Frau, den Umweg von einem Kilometer monierte ein Mann, der sich damit noch nicht abfinden wollte. Um eine direkte Verbindung entlang der Bahn doch noch bauen zu können, warb er dafür, mit Daimler Kontakt aufzunehmen und die Planung zu optimieren.

„Die Bürger wollen niemanden schikanieren“

Nochmals auf den Autobauer zugehen, neu verhandeln wegen des Grundstücksstreifens, der im Bebauungsplanentwurf längst zum Baufenster geworden ist: Das wünschten sich auch die SPD und die ALi. Er stehe hinter Daimler und dem Zukunftspark, versicherte Urs Abelein (SPD) – „aber da geht noch mehr.“ Der Weg sei seit langem im Verkehrsentwicklungsplan gewesen, das ganze Gebiet in Neuordnung begriffen, da müsse doch auch der Radweg rausspringen. Der SPD-Vorschlag: Platz für den Radweg schaffen, indem die Bebauung um vier Meter nach Norden verrückt oder der Werkseingang versetzt wird. Abelein: „Ich kann heute nicht zustimmen. Wir sollten den Beschluss nochmals verschieben.“

Während die Stadtverwaltung den Umweg für die Radler vertretbar fand – die Mehrkosten lägen bei geschätzten 800 000 Euro, die Baumaßnahmen am Damm wären aufwendig, die ökologischen Eingriffe erheblich –, warnte ALi-Rätin Iris Förster davor, eine „Riesenchance“ zu verbauen. Die Anbindung zum Bahnhof sei nicht berücksichtigt worden. „Ich habe den Eindruck, es wäre machbar, aber man will nicht“, mutmaßte auch Alfonso Fazio. Die Bürger hätten sich mit dem Weg beschäftigt, weil sie ihn nutzen, und nicht, weil sie jemanden schikanieren wollten. Es fehle nur am Umsetzungswillen, sagte Fazio. „Ich bitte darum, dass der Gemeinderat nochmals in sich geht.“

Stopp auf der Zielgeraden wäre massiver Glaubwürdigkeitsverlust

Mit einem spontanen Stopp auf der Zielgeraden wäre für Baubürgermeister Dieter Schienmann allerdings ein massiver Glaubwürdigkeitsverlust verbunden. Die Pläne stünden kurz vor der Genehmigung, die Baufirmen bei Fuß, erinnerte er. „Wenn jetzt Umplanungen erforderlich sind, bekommen wir frühestens Ende des Jahres einen Satzungsbeschluss.“

Das wollte auch CDU-Fraktionschef Siegfried Kasper nicht riskieren. Auch sein Fraktionskollege Peter Abele warb dafür, das Bebauungsplanverfahren abzuschließen – nicht nur wegen der hohen Kosten, sondern auch, weil die Besitzverhältnisse dagegen sprächen.

Das Grundstück gehört der Stadt schon lange nicht mehr

Tatsächlich gehört das Grundstück schon lange nicht mehr der Stadt. Weil der Radwegebau an dieser Stelle „wahnsinnig aufwendig“ gewesen sei, habe die Stadt den 3,50 Meter breiten Streifen abgegeben, erklärte Schienmann. Neue Grundstücksverhandlungen könnten jetzt unmöglich geführt werden. FDP-Mann Bernd Mergenthaler schlug trotzdem vor, erneute Gespräche anzugehen. Immerhin solle dort ein Zukunftspark entstehen. „Vielleicht stößt man gar nicht auf so großen Widerstand“, meinte er. Man solle den Beschlüssen doch realistische Annahmen zugrunde legen, empfahl Baubürgermeister Schienmann trocken. Und erinnerte daran, dass der Bebauungsplanentwurf am Damm statt eines Verkehrsweges ein Baufenster vorsieht - sprich: Es darf dort gebaut werden.

Am Ende einigte sich der Ausschuss dann doch genau darauf: Die Stadtverwaltung soll mit dem Investor und Daimler erneut Gespräche aufnehmen mit dem Ziel, einen direkten Radweg bauen zu können. „Ich setze auf das Wohlwollen von Daimler“, zeigte sich Bernd Mergenthaler optimistisch. Der Satzung hat der Ausschuss mehrheitlich grünes Licht gegeben. Das letzte Wort hat indes kommenden Donnerstag der Gemeinderat.


Nicht einfach nur ein Plänchen

  • Der Aufstellungsbeschluss ist gefasst worden. Die Firmen haben auf dieser Grundlage geplant. Wir können das Verkehrskonzept nicht auf den Kopf stellen. Dieter Schienmann, Baubürgermeister
  • Wir siedeln Arbeitsplätze an. Einige Arbeitnehmer werden in Fellbach wohnen. Wir würden ihnen einen Umweg von mehr als einem Kilometer aufzwingen. Das ist nicht wenig. Urs Abelein
  • Es ärgert mich, dass man einen Verkehrsentwicklungsplan aufstellt und diese Chance vergibt. Iris Förster
  • Wir sind der Gemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen beigetreten. Wäre es nicht sinnvoll, Geld in die Hand zu nehmen? Wir sind noch keine fahrradfreundliche Stadt! Sabine Wörner
  • Hier bestehen massive Bedenken. Ich will mich nicht unter Druck setzen lassen. Iris Förster zu Dieter Schienmann
  • Das ist nicht einfach ein Plänchen, das man auch in einem halben Jahr beschließen kann. Dieter Schienmann zu Iris Förster
  • Es ist natürlich unbefriedigend, wenn ich einen Stadtentwicklungsplan aufstelle und es nach Jahren heißt, wir können nicht mehr bauen, weil uns die Grundstücke nicht mehr gehören. Siegfried Kasper
  • Ich bitte, meinen Antrag auf getrennte Abstimmung zu protokollieren. Alfonso Fazio, der über die Stellungnahmen der Verwaltung zu den Einwänden im Bebauungsplanverfahren einzeln abstimmen wollte.
  • Wir spielen den Zukunftspark gegen die Zukunft des Fahrrads aus. Urs Abelein
  • Wir haben eine einmalige Chance auf eine Top-Ansiedlung. Wenn wir heute zustimmen, ist der Bebauungsplan so verabschiedet. Peter Abele
  • Alles Weitere wäre freiwillig. Dieter Schienmann zu den geforderten Gesprächen mit dem Investor und Daimler
  • Wir stimmen zu. Aber man soll Daimler sagen, es geht um euer Image. Sabine Wörner
  • Bewertung
    11

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!