Waiblingen Hilfsfristen: Der Notarzt muss schneller werden

Notärzte und Rettungswagen erreichen im Kreis nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfristen: Bei 95 von 100 Einsätzen müssen sie binnen einer Viertelstunde vor Ort sein. Foto: Habermann / ZVW

Waiblingen. Notärzte und Rettungswagen kommen vor allem im Norden und Nordosten des Rems-Murr-Kreises oftmals zu spät zum Unfallort. Im vergangenen Jahr haben sich die Hilfsfristen erneut verschlechtert. Der Bereichsausschuss für den Rettungsdienst hat ein Strukturgutachten in Auftrag gegeben.

Wie berichtet, hat das Landratsamt auf die erneute Verschlechterung im Rettungsdienst prompt reagiert und einen weiteren Notarzt für das Obere Murrtal gefordert. In einem gemeinsamen Schreiben an den Bereichsausschuss forderten der erste Landesbeamte Kretzschmar und Kreisbrandmeister Wauro ultimativ, „bis zum Ende des Jahres 2018 wirkungsvolle Maßnahmen zur Umsetzung der gesetzlichen Hilfsfrist im Oberen Murrtal einzuleiten beziehungsweise umzusetzen“. Aus Sicht des Landratsamtes könne dies nur durch die Stationierung eines weiteren Notarztes im Oberen Murrtal geschehen. „Wir, als Rechtsaufsicht, halten es für überaus wichtig, kurzfristig nachhaltige Maßnahmen einzuleiten, die der Verbesserung der notärztlichen Hilfsfristen dienen.“

Gesetzliche Regelungen sehen vor, dass der Rettungsdienst bei einem Notfall in 95 Prozent aller Fälle innerhalb von 15 Minuten nach Alarmierung am Einsatzort eintrifft. Der 2017 tatsächlich erreichte Wert lag im Rems-Murr-Kreis außerhalb der Frist. 2014 war die 95-Prozent-Marke noch erreicht worden. Inzwischen beträgt sie 92,5 Prozent, wofür der DRK-Kreisverband, der die Rettungs- und Notarztwagen betreibt, vor allem die stetig steigenden Einsatzzahlen verantwortlich macht. Zudem sei der Weg zum Klinikum Winnenden nach der Schließung des Backnanger Krankenhauses länger, so dass die Fahrzeuge entsprechend länger unterwegs sind.

Bereichsaussschuss gibt Strukturgutachten in Auftrag

Laut einer Pressemitteilung will der Bereichsausschuss der Entwicklung gezielt entgegenwirken. Aufgabe des Bereichsausschusses ist es, die rettungsdienstliche Versorgung im Landkreis sicherzustellen. In einer Sitzung Ende Januar sei unter anderem ein Strukturgutachten in Auftrag gegeben worden, das die bedarfsgerechte Vorhaltung an Rettungsfahrzeugen und die Standorte der Rettungswachen überprüft.

Ziel sei es, neue Erkenntnisse zu gewinnen, um die gesetzlichen Vorgaben im Rems-Murr-Kreis in Zukunft wieder zu erreichen. Mit ersten Ergebnissen sei bis spätestens Mitte 2018 zu rechnen. Darüber hinaus wurde eine Arbeitsgruppe des Bereichsausschusses mit der Erarbeitung von Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der Einhaltung der Hilfsfrist beauftragt. Der Bereichsausschuss hat eigenen Angaben zufolge klar das Ziel formuliert, „die Strukturen im Rems-Murr-Kreis so auszurichten, dass die rettungsdienstliche Versorgung der Bürgerinnen und Bürger auf hohem Niveau sichergestellt wird“, sagt der Vorsitzende des Bereichsausschusses, Eberhard Kraut. Dabei seien alle wesentlichen Einzelkriterien der gesamten Versorgungskette von der Alarmierung bis zur medizinischen Versorgung im Krankenhaus im Rettungsdienst nach Qualitätskennzahlen in den Blick zu nehmen.

Notärzte und Rettungswagen erreichen im Kreis nicht die gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfristen: Bei 95 von 100 Einsätzen müssen sie binnen einer Viertelstunde vor Ort sein. Archivbild: Habermann

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