Waiblingen-Hohenacker Bio-Landwirt klagt über Hundekot auf Feldern

Matthias Gnamm auf seinem Bauernhof. Er sagt: Mit Hundekot kontaminiertes Futter macht sich in der Milch bemerkbar. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen-Hohenacker. Hundekot sorgt für Ärger – in Parks, auf Gehwegen in der Stadt oder am Feldrand. Ärgerlich ist das nicht nur für diejenigen, die mit den Lieblingsschuhen aus Versehen reintreten – auch die Landwirte haben gravierende Probleme damit. Trotz Beutel und Mülleimer für Hundekot entdecken sie immer wieder die Hinterlassenschaften von Hunden in ihren Heuballen.

Gras über das Problem wachsen lassen ist keine Lösung. Just dort fängt es an. „Viele Hundehalter lassen ihre Hunde auf die Wiese koten“, beschwert sich der Bio-Bauer Matthias Gnamm. Er besitzt rund 80 Hektar Land und etwa 70 Kühe. Die Familie Gnamm macht Käse und Wurst. Unter anderem baut der Bio-Landwirt Getreide, Mais, Kleegras an. Seine Kühe füttert er mit dem Gras, das auf der Wiese wächst. Für die Wintermonate wird das Gras verarbeitet und in Heuballen verpackt. Kurz gesagt, maschinell bearbeitet. Bei diesem Vorgang verteilt sich der Kot in dem ganzen Heu. Das Problem: Matthias Gnamm bekommt es nicht mit – das Futter wird verunreinigt. Und nachweisen kann er es auch nicht.

Mit Kot kontaminiertes Futter macht sich in der Milch bemerkbar

Was Familie Gnamm allerdings für alle sichtbar im Futter häufig entdeckt, sind Glasscherben und Reste von Tennisbällen, mit denen in der Regel Hunde auf Feldern spielen. Dass etwas mit dem Futter nicht stimmt, macht sich dann in der Milch bemerkbar. „Die Keimflora ist anders“, sagt Gnamm. Im schlimmsten Fall wird ihm die Milch von der Käserei nicht abgenommen. Noch ist das nicht vorgekommen. Wie hoch dann der wirtschaftliche Schaden für ihn wäre, möchte sich der Landwirt nicht vorstellen.

Im Gegensatz zur Milch ist das verunreinigte Futter im Fleisch weniger bemerkbar. Allerdings können sich die Kühe mit Parasiten infizieren, wenn sie verschmutztes Heu fressen. Der Parasit kann laut Gnamm bei den Tieren Fehlgeburten auslösen oder sie so schwächen, dass eine Notschlachtung nötig wird.

Was sie anbauen, landet auf den Tellern der Menschen

Für den Landwirt wäre das eine Katastrophe, der deshalb auf mehr Verantwortung von Frauchen oder Herrchen setzt – ohne irgendjemanden pauschal verurteilen zu wollen. „Ich kann es nicht nachvollziehen, dass Hundehalter den Hundekot in Plastik packen und es dann auf dem Land entsorgen“, ärgert sich der Bio-Landwirt. Weshalb sie so verantwortungslos handeln, kann er sich nicht erklären.

„Für Gemüsebauer ist es noch ärgerlicher“, weiß der Bio-Bauer. Was sie anbauen, landet auf den Tellern der Menschen – und damit im schlimmsten Fall auch Gemüse, auf dem ein Hund sein Geschäft erledigt hat. Wenn das Gemüse von Hand geerntet wird, werden Kot oder Kottüten eher entdeckt als bei der maschinellen Verarbeitung. Der Bio-Bauer löst das Problem auf seinen Getreidefeldern auf seine Art: „Das Getreide ist nicht so tragisch, ich mähe es sehr hoch, dann können die Hunde nicht übers Feld laufen.“

Lieber liegen lassen als in Plastiktüte zu verpacken

Nicht nur Landwirte, sondern auch Pferdewirte wie Stefan Widmann aus Waiblingen ärgern sich über die Hinterlassenschaften der Hunde. „Die Leute sind so dreist, dass sie den Hundekot noch in Plastik verpacken und es dann auf den Acker schmeißen“, sagt er. Pro Heuballen finde der Pferdewirt etwa 30 Tüten. „Dann sollen sie lieber die Sch... liegen lassen.“

Stefan Widmann ist davon überzeugt, dass sich die Verantwortlichen keine Gedanken über ihr Verhalten machen. „Auch wenn es draußen wächst, ist es Lebensmittel – es kann jederzeit bei uns auf dem Teller landen.“


Teuer kann’s werden

Das Ordnungsamt Waiblingen unterscheidet bei der Bußgeldverordnung zwischen Hundekot in Parks, auf Gehwegen und Hundekot im Außenbereich, auf landwirtschaftlich genutzten Feldern.

Im Außenbereich gilt das Naturschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg. Eine Verunreinigung auf landwirtschaftlich genutzten Feldern kann mit bis zu 15 000 Euro Strafe geahndet werden. „Grundsätzlich darf nichts auf das Feld gelangen, weder Gegenstände, Abfälle oder Kot“, sagt Oliver Conradt vom Ordnungsamt.

Wenn Hundehalter ihre Vierbeiner im Park ihre Geschäfte erledigen lassen, müssen sie mit einem Bußgeld in Höhe von 75 Euro rechnen.

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