Waiblingen-Hohenacker Mysteriöser Riesenpilz wirft Fragen auf

Elfriede Landenberger hat den Pilz-Koloss auf einer Streuobstwiese vor ihrem Haus entdeckt. Insgesamt stehen dort vier dieser Pilze. Foto: Nina Sommer

Waiblingen-Hohenacker. Sie sind rund, weiß, fest und unglaublich groß: vier Mega-Pilze. Entdeckt hat sie Elfriede Landenberger auf den Streuobstwiesen bei Hohenacker. Der Nabu Waiblingen klärt das Rätsel um die sonderbaren Gewächse auf: Es handelt sich um Riesenboviste.

Als Elfriede Landenberger am Sonntagmorgen ihren Biomüll auf der Streuobstwiese, die an ihr Grundstück grenzt, entsorgen will, traut sie ihren Augen kaum. Zunächst hält sie das große, weiße Etwas zu ihren Füßen für eine Plastiktüte. Doch bei näherem Hinsehen wird deutlich, es handelt sich um einen riesengroßen Pilz. „Ich kenne mich mit Pflanzen gut aus und habe einen eigenen Garten, aber einen solchen Pilz habe ich noch zu zuvor gesehen“, erzählt die 86-Jährige.

Auch Nachbarn, Freunde und Familie, denen sie den mysteriösen Fund zeigt, sind ratlos. Das Sonderbare: Die Gewächse müssen innerhalb der vergangenen Woche gewachsen sein, denn laut Elfriede Landenberger wurde die Streuobstwiese da erst frisch gemäht. Mittlerweile sind es vier der runden Gewächse auf der Hohenacker Streuobstwiese, einer größer als der andere. Sie sind stillos und fest im Boden verankert.

"Das gibt tolle Pilzschnitzel“

Der Vorsitzende des Nabu Waiblingen, Bruno Lorinser, bringt, nach Anfrage dieser Zeitung, schließlich Licht ins Dunkel und klärt das Rätsel um den mysteriösen Fund auf: „Es handelt sich bei den Pilzen um sehr schöne Riesenboviste. Wunderbar zum Essen, wenn sie innen noch fest sind. Zwar haben sich bei diesen Exemplaren die Schnecken schon betätigt, aber das gibt tolle Pilzschnitzel“, so der Experte. Laut ihm ist der Riesenbovist ein leicht bestimmbarer Wiesenpilz mit außerordentlich großem Fruchtkörper. Er gehört zu der Familie der Champignonverwandten.

Bis zu 60 Zentimeter Durchmesser sind möglich

Im Internet sind Berichte über Exemplare mit 60 Zentimeter Durchmesser und einem Gewicht von 11,5 Kilogramm zu finden – echte Kolosse also. Da ist der Fund von Elfriede Landenberger mit etwa 30 Zentimetern zwar ein großer Riesenbovist, aber noch nicht rekordverdächtig. Durch seine gigantischen Ausmaße unterscheidet er sich jedoch von jedem anderen Pilz – es besteht also wenig Verwechslungsgefahr.

Dennoch ist hier Vorsicht geboten: Nur schneeweiße, junge, straffe Riesenboviste eignen sich zum Verzehr. Wenn der Bovist pilzig frisch riecht und im Inneren keine dunkle Verfärbung zeigt, kann man ihn bedenkenlos essen. Sobald er beginnt, sich gelb-bräunlich zu verfärben, und sein Geruch muffelig, harnartig ausfällt, sollte er besser einfach stehen gelassen werden, denn dann hat der Riesenbovist seine besten Zeiten hinter sich und ist ungenießbar – giftig allerdings nicht.

Auf Streuobstwiesen zu Hause und doch exotisch

Am besten soll der Mega-Pilz schmecken, wenn man ihn als Schnitzel zubereitet. Dazu wird der Pilz in etwa zwei Zentimeter dicke Scheiben geschnitten, mit Salz und Pfeffer gewürzt, in eine Eiermasse getunkt und in Semmelbröseln gewendet. Anschließend wird das Pilz-Schnitzel in Butterschmalz schwimmend ausgebacken. Ganz mutige Genießer essen ihn sogar roh, für einige Stunden mit etwas Zitronensaft mariniert, als Salat. Fest steht:

Ein Riesenbovist in der Pfanne ist ein absoluter Glücksfall. Zwar ist er auf deutschen Streuobstwiesen zu Hause und doch ist er irgendwie total exotisch.


Pilzsaison eröffnet

In der Regel gelten September und Oktober als Hauptsaison für Pilze. Doch auch ab Ende Juli zieht es die Speisepilzliebhaber in den Wald und auf Wiesen. Wenn das Wetter feucht-warm ist, kommt es auf vielen Waldböden zu einem regelrechten Wachstumsschub vieler Speisepilze.

Der Bovist ist auch schon im August zu finden. Viele verschiedene Champignonarten wie beispielsweise der Wiesenchampignon, der Waldchampignon und der Anischampignon haben ab dem Spätsommer Saison.

Doch Vorsicht: Oftmals werden Champignons mit den hochgiftigen und tödlichen Knollenblätterpilzen verwechselt.

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