Waiblingen Dackel jagt Fuchs: Beide bleiben in Rohr stecken

Symbolbild. Foto: pixabay.com / CC0 Creative Commons

Waiblingen. Wieder einmal hat die Feuerwehr einen jagenden Hund samt Fuchs gerettet. Diesmal war’s ein Rauhaardackel, der in der Röhre feststeckte. Das Ganze passierte am Mittwochabend gegen 18.15 Uhr im Hartwald bei Hegnach und hätte nicht sein müssen, wenn der Dackel an der Leine gewesen wäre.

Mitten drin im Hartwald bei Hegnach, direkt beim Wasserturm, ging mit dem Rauhaardackel der Jagdtrieb durch. Er hatte einen Fuchs aufgestöbert – da gab’s kein Halten mehr. Der Fuchs rannte um sein Leben und suchte sein Heil in einer in die Erde gegrabenen Betonröhre. Der Dackel hinterher und dann – steckten beide fest. Ineinander verbissen, keiner ließ los, keiner kam raus. Der Hundebesitzerin blieb nichts anderes übrig, als die Feuerwehr zu rufen.

Feuerwehr schob, Hundebesitzerin lockte

Die kam auch und packte die Schaufeln aus. Bernhard Stickel, Abteilungskommandant der Freiwilligen Feuerwehr Hegnach, erzählt, dass er und seine Leute dann von der einen Seite am Tierknäuel schoben, während die Hundebesitzerin am anderen Ende lockte. Schließlich lief der Dackel rückwärts und zog den Fuchs mit sich, bis die Feuerwehrleute ihn schnappen und vollends wieder ans Tageslicht ziehen konnten. Der Fuchs, sagt Stickel, suchte das Weite. So, wie er gerannt sei, meint Stickel, könnten die Verletzungen nicht allzu schwer gewesen sein. Der Dackel trug ein paar Schrammen davon und hatte eine Waschung nötig.

Und jetzt? Ende gut, alles gut? Im Paragraf 10 des Waiblinger Stadtrechts, auch Polizeiverordnung genannt, steht geschrieben: „Tiere sind so zu halten und zu beaufsichtigen, dass niemand mehr als nach den Umständen erforderlich belästigt oder gefährdet wird.“ Im Fellbacher Stadtrecht – der Wasserturm steht tatsächlich auf Fellbacher Gemarkung – steht wortwörtlich das Gleiche. Ob die beiden Verordnungen auch für Füchse gelten?

Kein Leinenzwang, aber nur dann, wenn man den Hund ohne Leine unter Kontrolle hat

In Waiblingen gilt im kompletten Innenbereich der Stadt Leinenzwang. Nach Ende der Bebauung, zum Beispiel ab dem Beginn von Feldwegen, dürfen Hunde frei laufen, erklärt Oliver Conradt, Leiter der Abteilung Ordnungswesen der Stadt Waiblingen. Allerdings dürfen landwirtschaftlich genutzte Flächen während der Nutzzeit, also von jetzt an bis in den Herbst hinein, nur auf den Wegen betreten werden. „Dann besteht de facto auch dort Anleinpflicht.“

Der Vorfall zwischen Dackel und Fuchs ereignete sich aber im Wald. Wie ist es dort? In den Wäldern Baden-Württembergs gibt es zwar keinen Leinenzwang für Hunde, heißt es auf der Internetseite von Forst BW vom Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz. Aber: „Entscheidend ist, dass Sie Ihren Hund nur dann frei laufen lassen dürfen, wenn Sie ihn auch ohne Leine sicher unter Kontrolle haben und unverzüglich zu sich rufen können“. Das war hier – und übrigens auch vor einem knappen Jahr im Mai 2017 in Bittenfeld - wohl nicht der Fall. Damals wie am Mittwoch ging der Hund seiner Besitzerin durch.

Wer den Einsatz bezahlt, muss noch geklärt werden

Hören Hunde nicht so gut, dass sie selbst bei größter Jagdlust zum Besitzer zurückkehren, wenn der ruft, müssen sie angeleint werden. Oder der Besitzer macht sich einer Ordnungswidrigkeit schuldig.

Ordnungswidrig handelt, so heißt es im Landesrecht Baden-Württemberg, „wer vorsätzlich oder fahrlässig als Verantwortlicher für die Beaufsichtigung eines solchen Tieres es unterlässt, die nötigen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um Schäden durch das Tier zu verhüten“. Die Ordnungswidrigkeit kann „mit einer Geldbuße geahndet werden“.

Aber gleichzeitig gilt: Feuerwehren sind laut Feuerwehrgesetz dazu verpflichtet, sowohl Mensch als auch Tier aus lebensgefährlichen Situationen zu retten. Volker Damm von der Abteilung Brand- und Bevölkerungsschutz der Stadtverwaltung Waiblingen erklärt: „Zum einen kann die Rettung durch die Feuerwehr notwendig sein, wenn sich das Tier in einer lebensbedrohlichen Lage befindet oder wenn von dem Tier eine lebensbedrohliche Lage für Menschen ausgehen kann.“ Die Stadtverwaltung sei derzeit damit befasst, die Kostenpflicht zu klären. In ähnlich gelagerten Fällen habe die Feuerwehr Waiblingen jedoch keine Kosten in Rechnung gestellt – Dackel und Besitzerin haben also vielleicht Glück.


Der Fall in Bittenfeld

Ein Mischlingshund jagte im Mai 2017 in Bittenfeld einem Fuchs hinterher und blieb in einem Kanal stecken.

Der Einsatz der Feuerwehr dauerte damals 3,5 Stunden. Am Ende konnte nur ein Bagger helfen. Der grub den Kanal an der Kreisstraße zwischen Bittenfeld und Hohenacker frei. Der Hund wäre aus eigenen Kräften nicht mehr herausgekommen. Die Stelle war längst zu eng, um umzudrehen. Und rückwärts wollte oder konnte der Hund nicht.

Die Kosten für den großen Feuerwehreinsatz musste die Hundebesitzerin damals nicht tragen.

  • Bewertung
    8
 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. (Anschrift und E-Mail sind keine Pflichtangabe, allerdings können Kommentare ohne Angabe der vollständigen Adressdaten in der gedruckten Ausgabe leider nicht berücksichtigt werden. E-Mail, Straße und Nummer werden nicht veröffentlicht.)
    Kommentare werden vor der Veröffentlichung auf der Seite geprüft. Es gelten unsere Kommentarregeln. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden nicht veröffentlicht.

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!