Waiblingen IG-Metall-Warnstreik bei Bosch

Waiblingen. Eigentlich hätte es ein kleiner Warnstreik werden sollen. Aber einer aus der Chefetage wollte das verhindern. Also haben sie eben einen großen gemacht: Im Metaller-Tarifstreit hat die Belegschaft des Waiblinger Bosch-Verpackungswerks gestern die Muskeln spielen lassen.

Das fordert die IG Metall im Tarifstreit:

- 6,5 Prozent mehr Lohn

- Übernahme von Azubis in unbefristete Arbeits- verhältnisse

-Mitspracherecht des Betriebsrats, wenn ein Unternehmen Leiharbeit einführen will.

Von null auf streikbereit in fünf Minuten – so wird’s gemacht: Susanne Thomas von der IG Metall Waiblingen fährt mit dem roten Golf vor dem Bosch-Gelände vor, lässt die Heckklappe hochschnappen und wuchtet Klappkiste, Marktkorb und Lautsprecher nebst kabellosem Mikro raus. Trillerpfeifen dabei? „In rauen Mengen.“ Traubenzucker? „Auch.“ Buttons, Fahnen, Transparente, rote Käppis, Radau-Fächer aus Knatterpappe? Sowieso. Es ist 10.05 Uhr. Im Grunde kann’s jetzt losgehen.

Ein Polizeiauto fährt vor. Thomas bleibt gelassen, sie hat die Kundgebung ja angemeldet. Kurzer Smalltalk, und am Ende dieser Dialog – Polizist: „Also, wenn noch was wär . . .“ Thomas: „ . . . ich hab Ihre Nummer.“ Polizist: „Viel Erfolg!“ Thomas: „Schönen Tag noch!“

Frau Thomas, das flutscht ja wie’s Bretzelbiegen. Ja, antwortet sie, das ist Routine, „normaler Arbeitskampf“. Sicher, ab und zu mache ein Arbeitgeber „Hysterie – aber das kriegt man auch geregelt.“ Sie grinst.

Eigentlich wollte die Belegschaft vom Bosch-Verpackungswerk ja den ganzen Freitagvormittag brav arbeiten und erst um 13.30 Uhr zusammenkommen. Im Werk. Nichtöffentlich. Erst mal bloß das kleine Streikbesteck auspacken.

Aber dann störte sich einer aus der Chefetage am Text eines IG-Metall-Flyers und drohte mit einer einstweiligen Verfügung.

Die Gewerkschafter im Betrieb sagten: Na gut – wir können auch anders. Und entstaubten das große Folterwerkzeug: Warnstreikbeginn schon um 10.30 Uhr. Vor der Werksschranke. Öffentlich.

Und jetzt ist es zehn nach zehn, Thomas blickt rüber aufs Gelände, zuversichtlich wirkt sie. Am Vortag war sie schon bei mehreren solcher Aktionen. Hier und da hatten Personalchefs Wetten laufen, an einem Standort hatte einer höhnisch getippt: Bei uns streiken bloß zehn Leute mit.

Es waren dann 96. Allerschönste Mobilisierungshilfe haben dabei die Arbeitgeber selbst geleistet – in der ersten Tarifverhandlungsrunde forderten sie: Statt 6,5 Prozent mehr Lohn bloß 2,75 – und im Gegenzug die Arbeitszeit verlängern; das hieße, dass Zuschläge wegfallen. Man brauche kein Mathematiker zu sein, sagt Thomas, um ausrechnen zu können: Das ist ein schlechter Witz. „Vorher war es relativ ruhig in den Betrieben“ – aber wenn man sie verarscht, werden die Metaller grantig.

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