Waiblingen Jugendfarm kommt an ihre Grenzen

Wohin steuert die Jugendfarm? Ein Verein allein wird den Betrieb der Jugendfarm nicht stemmen können, meint die SPD. Foto: Büttner/ZVW

Waiblingen. Schafe, Esel und Kaninchen, eine Farm, auf der Stadtkinder Tiere erleben und betreuen können: Mit diesem Traum wurde 2008 der Verein Jugendfarm gegründet. Sechs Jahre später startete auf dem Finkenberg die Jugendfarm mit einem alten Bauwagen, einem selbst gebauten Zaun ums Gelände – und vor allem mit sehr viel Enthusiasmus. Jetzt ist der Verein an seine Grenzen gekommen.

„Der Verein ist im Rahmen seiner Möglichkeiten aktiv“, erinnerte SPD-Chef Roland Wied kürzlich bei den Etat-Beratungen im Gemeinderat. Eine Konzeption sei erarbeitet worden, Pläne für ein Farmhaus stehen. Nun könnte mit dem Bau begonnen werden. Doch es geht um Personal - und es geht um Geld. „Die Jugendfarm muss professionell betrieben und gemanagt werden“, forderte Wied. Sein Antrag: Bau und Betrieb der Jugendfarm sollten nun von der Stadt übernommen, den aktuellen Bauantrag zufolge ein Farmhaus und Kleintierställe gebaut werden. Zudem sollten nach Ansicht Wieds ein oder zwei Pädagogen und eine weitere Kraft zur Versorgung der Tiere eingestellt werden. „Ein Verein kann kein Personal finanzieren“, betonte Wied. „Und das ist auch nicht einzusehen.“

„Die Stadt muss Farbe bekennen“

Völlig illusorisch ist für den SPD-Chef vor allem die Annahme, dass Baukosten von geschätzten 500 000 Euro auch nur zur Hälfte von einem ehrenamtlich arbeitenden Verein gestemmt werden könnten. Alle weiteren Schritte wie auch der Bau der Ställe machten aber nur Sinn, wenn das Projekt auf Dauer gesichert sei. „Es ist daher der Zeitpunkt gekommen, an dem die Stadt Farbe bekennen muss“, sagte er.

Hesky weist Idee einer städtischen Trägerschaft klar zurück

Dass das Konzept zum Betrieb und zur Finanzierung der Jugendfarm überdacht werden müssen, räumte auch die Stadtverwaltung ein. Der Grund: Das seitherige Modell, demzufolge der Verein die Hälfte aller Kosten aufbringen muss und die Stadt den Rest zuschießt, hatte sich als unrealistisch erwiesen, der Verein hatte seinen Anteil nicht aufbringen können. „Wir versuchen, die Jugendfarm zu unterstützen“, erklärte Oberbürgermeister Andreas Hesky, wies die Idee einer städtischen Trägerschaft aber klar zurück. Stattdessen schlug er aber vor, die Kinderpädagogik auf der Korber Höhe auf die Jugendfarm zu verlagern. Damit, so die Verwaltung, würde die Angebotsvielfalt der Kinder- und Jugendförderung erweitert und gleichzeitig die Jugendfarm personell unterstützt werden. Über diesen Vorschlag soll im Bildungs- und Sozialausschuss des Gemeinderats beraten werden. Klar machte der Stadtchef aber schon jetzt: „Eine Trägerschaft lehnen wir auch im Ausschuss ab.“ Mit der Aussicht auf eine weitere Diskussion zeigte sich die SPD trotzdem einverstanden. „Ich will, dass es funktioniert“, betonte Wied.

Fazio: Finanzielle Unterstützung für Jugendfarm lohnt sich

Das will auch die Alternative Liste. Die SPD habe im Gegensatz zu seiner Fraktion zehn Jahre gebraucht, um zu merken, dass die Jugendfarm zwingend bei der Stadt angesiedelt werden müsse, bemerkte Alfonso Fazio süffisant. „So kann es nicht weitergehen.“ Die Jugendfarm sei eine Bereicherung, bei der sich eine finanzielle Unterstützung lohne. Ablehnung kam vonseiten der CDU-Fraktion: „Der Antrag erscheint uns merkwürdig“, so Siegfried Kasper. Es sei immer klar gewesen, dass die Stadt einem Trägerverin zur Seite stehen solle. Eher nachrangig fand Julia Goll (FDP) die Frage der Trägerschaft. Viel wichtiger sei doch die Frage, wie und woher die Kinder und Jugendlichen auf die Jugendfarm kommen sollen. Weiterdiskutiert wird im Bildungs- und Sozialausschuss. Das letzte Wort hatte für diesmal die SPD: „Wir tragen alles mit, was der Jugendfarm zum Erfolg verhilft“, versprach Wied.


Baugesuch im Frühjahr 2017 eingereicht

Eine Jugendfarm mit Tieren, einer Werkstatt und einem Farmhaus, in dem Sechs- bis 14-Jährige spielen, basteln und werkeln können: Das braucht Platz und kostet Geld. Nach längerer Suche nach einem geeigneten Standort schien das Traumgrundstück eine Zeit lang auf dem Hess-Areal gefunden zu sein, eröffnet wurde die Jugendfarm dann aber auf der ehemaligen Deponie Finkenberg. Voraussetzung war die rechtliche Umwidmung des Geländes auf der Korber Höhe.

Im Frühjahr 2017 schien sich die Zeit der Jugendfarm ohne Tiere und Ställe dem Ende zuzuneigen. Der Verein reichte das Baugesuch ein mit dem Plan, auf dem Finkenberg in drei Abschnitten ein Farmgebäude für Tier und Mensch zu errichten. Derweil kam auch das pädagogische Angebot immer mehr ins Rollen.

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