Waiblingen Jugendpornografie: Geldstrafe für 58-Jährigen

Symbolbild. Foto: ZVW/Joachim Mogck

Waiblingen. Das Amtsgericht hat einen 58-Jährigen wegen der Verbreitung und des Besitzes jugendpornografischer Fotos am Montag zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Staatsanwaltschaft und der Verteidiger gaben jedoch an, dass es höchstwahrscheinlich zu einer weiteren Verhandlung kommt.

Zum einen wurde dem Mann vorgeworfen, ein jugendpornografisches Foto per Skype versendet zu haben. Hierfür soll er einen Account mit dem Namen „Jasmin“ verwendet haben. Beamte der Kripo in München kamen dem Beschuldigten dabei auf die Fährte. Im Zuge dieser Ermittlungen fand bei dem Mann eine Durchsuchung seiner Wohnung statt, wobei die Beamten der Polizei weitere Fotos auf dem Computer des Mannes, der alleine in Waiblingen wohnt, fanden.

Daraufhin nahmen die Ermittler Computer und Datenträger mit, um diese auszuwerten. So entdeckte die Polizei 5889 jugendpornografische Fotos, wovon rund 4000 schon gelöscht waren. Spezialisten der Polizei konnten diese aber wiederherstellen. Der Angeklagte wollte zu den einzelnen Taten keine Stellung nehmen und schwieg.

Kommissar schildert Durchsuchung

Daraufhin rief Richter Kärcher mit dem zuständigen Oberkommissar den ersten und einzigen Zeugen auf, der die Geschehnisse der Hausdurchsuchung schilderte. „Der Computer lief bereits. Nachdem wir dem Angeklagten die Situation erklärten, setzte ich mich an den Computer und öffnete die Windows-Galerie. Dabei entdeckte ich bereits ein jugendpornografisches Bild. Bei der weiteren Suche konnte ich noch mehr Bilder finden.“

Der Angeklagte soll der Polizei gegenüber gesagt haben, dass er keine jugendpornografischen Fotos besäße, sondern legale pornografische Fotos mit anderen Personen auf Skype austauschen würde. „Einige Fotos von einer Jugendlichen waren zigfach an verschiedenen Orten gespeichert“, erklärte der Kommissar. „Ich würde sie 16 Jahre alt einschätzen. Sie hat ein sehr jugendliches Gesicht, keine Schminke und keine lackierten Fingernägel“, fährt er fort. „Kam Ihnen bei den Ermittlungen einmal der Gedanke in den Sinn, dass es sich nicht um jugendpornografische, sondern um kinderpornografische Fotos handelt?“, hakte der Verteidiger des Angeklagten nach. Dies beantwortete der Kommissar mit einem klaren „Nein“.

Daraufhin regte der Verteidiger ein Rechtsgespräch zwischen der Staatsanwältin, seinem Mandanten und ihm selbst an. Dies verlief jedoch ergebnislos.

Verteidiger fordert Freispruch

Die Staatsanwältin argumentierte in ihrem Schlussplädoyer, dass sich der Sachverhalt bestätigte und vom Zeugen schlüssig geschildert wurde. Deshalb habe sich der Angeklagte des Besitzes und der Verbreitung jugendpornografischer Schriften schuldig gemacht. Sie forderte deshalb eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen und zusätzlich eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die auf Bewährung ausgesetzt werden kann. Zusätzlich sollen die Speichermedien der Bilder eingezogen werden.

Der Verteidiger hingegen forderte einen Freispruch für seinen Mandanten und argumentierte, dass es nicht strafbar sei, pornografische Fotos von Erwachsenen zu besitzen, die sehr jugendlich aussehen. „Kann man es mit Sicherheit sagen, dass die Betroffenen unter 18 sind? Die Schätzung des Alters ist sehr, sehr schwierig“, erklärte er.

Richter Kärcher verkündete nach kurzer Bedenkzeit sein Urteil. Der Angeklagte bekommt eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 50 Euro aufgebrummt. Zusätzlich sollen die Speichermedien eingezogen werden. Nach Meinung des Richters könne man nicht alle Fotos in das Urteil miteinbeziehen. „Es ist unmöglich, auf den Fotos zu entscheiden, ob jemand 17 oder 18 ist“, erklärte er. Eine Freiheitsstrafe sah Kärcher nicht als erforderlich an, denn der Angeklagte ließ sich bisher noch nichts zuschulden kommen. Da er vor Gericht allerdings auch keine Angaben zur Tat machte und es sich um ein erhebliches Bildermaterial handelt, gab es auch keinen Freispruch.

Sowohl die Staatsanwältin als auch der Verteidiger deuteten an, dass es zu weiteren Verhandlungen kommen könnte. Beide waren mit dem Urteil nicht zufrieden.

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