Waiblingen Kinder- und Jugendliteraturtage eröffnet

Waiblingen. Literatur für alle Sinne: Dieses Motto lässt Raum für ein volles Programm. 83 Veranstaltungen, die sich über ganz Waiblingen verteilen, zählt das Programm der Kinder- und Jugendliteraturtage. Bis zum 28. April können vor allem Kinder und Jugendliche neue Zugänge zur Literatur suchen und finden – sehend, hörend, riechend, schmeckend und tastend.

Lässig geben sich die sechs Jungs auf der Bühne. Ausgestattet mit Snapback-Baseballcaps und Hoodies performen sie ihre Songs. Wobei das Performative tatsächlich in den Vordergrund rückt. Die Botschaft ihrer Texte transportieren die kleinen Rapper und Beatboxer nämlich auch über die Gestik und ihre Moves, vor allem die Bewegung der Hände zum Takt. „Wer hat den Rhythmus geklaut?“, fragen die sechs Schüler der Staufer-Grundschule in die Runde. Ihre Antwort: „Wenn wir kommen, gibt’s gleich einen Beat!“

Bass Drum, Snare Drum und Hi-Hat sind die zentralen Bestandteile eines Schlagzeugs. Daran orientiert man sich auch als Beatboxer. Jedoch mit einem Unterschied: Die Beatboxer erzeugen ihre Klänge, Töne und Rhythmen mit dem Mund. Den auf diese Weise produzierten Beat begleitet Philip Scheibel mit eingängigen Melodien auf dem Piano. Scheibel kommt von der Musikschule, ist als Beatboxer auch unter dem Künstlernamen Pheel bekannt und unterrichtet die Schüler einmal wöchentlich in dieser speziellen Form der Musikgestaltung. Mit ihrem Auftritt leiteten die sechs jungen Beatboxer in die Eröffnung der 24. Baden-Württembergischen Kinder- und Jugendliteraturtage in der Waiblinger Stadtbücherei ein. „Jeder von uns hat doch jetzt den Beat“, zeigt sich auch Oberbürgermeister Andreas Hesky begeistert von der „coolen“ Darbietung.

Literatur kann auch zum Querdenken anregen

Zusammen mit Andreas Schüle vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, eröffnete Andreas Hesky die Kinder- und Jugendliteraturtage am Samstagmorgen dann ganz offiziell. Die Stadtbücherei, der Tempel der Bücher in Waiblingen, sei der perfekte Ort, um Kinder und Jugendliche an das Medium Buch heranzuführen, und zwar mit allen Sinnen. Mit Sonderausstellungen, etwa Zeichnungen von Cornelia Funke zu „Drachen und anderen Zauberwesen“ ist die Stadtbücherei in diesen Tagen gänzlich auf die Großveranstaltung hin ausgerichtet. Deutlich ersichtlich ist das auch am omnipräsenten Maskottchen der Literaturtage auf Postern und Plakaten. Ein lila Drache mit Glubschaugen und fletschenden Zähnen streckt dort seine dünnen Ärmchen furchteinflößend in den Himmel. Er spuckt aber letztlich keine vernichtenden Feuergewalten, sondern Literatur. Vielleicht ein Hinweis auf das kritische Potenzial von Literatur, die mit ihrer Vielseitigkeit zum Nach- und Querdenken anregen kann?

Einzigartiger Geruch von Büchern

Doch aller Vielseitigkeit zum Trotz, wie lässt sich Literatur denn riechen? „Das geht schon“, erklärt Hesky. „So manches Buch, das einen lange begleitet, hat einen ganz einzigartigen Geruch.“ Hesky verweist hier explizit auf die Materialität von Büchern. Bücher altern, sie zeigen aber auch Spuren des Lesens – Anstreichungen, Notizen oder Kommentare – und sind deshalb auch Erinnerungsbausteine. Hesky und Schüle kennen sich seit dem gemeinsamen Studium in Ludwigsburg. „Wir haben in dieser Zeit viel gelesen. Aber vor allem Bücher, die zwar beruflich interessant, doch literarisch schrecklich waren“, meint Schüle, der beherzt für die Literatur wirbt: „Heute bekommt man Geschichten an jeder Ecke. Früher war das anders!“ In seiner Jugendzeit, als der Fernseher noch nicht flächendeckend verbreitet war und an Computer und Internet noch gar nicht zu denken war, habe man neue Geschichten entweder von der Oma erzählt bekommen oder aber in Büchern nachlesen müssen.

Der Leser kann sich in die Geschichte integrieren

Schüle weiß, dass das Lesen von Literatur anstrengend und mühsam sein kann, er ist sich aber sicher, dass diese Mühen vielfach Belohnung finden. „Lesen ist nicht bequem. Es braucht Zeit. Ein Buch gibt aber viel mehr Freiheiten für die Fantasie und die Vorstellungskraft als ein Film.“ Der Leser könne sich selber in das Narrativ integrieren: „Bin ich Gustav, bin ich Emil, wie sehen die Figuren aus?“, fragt Schüle mit Bezug auf Erich Kästners Jugendbuch „Emil und die Detektive“, das Schüle selbst stark geprägt habe. Bei Kästner werden Kinder zu Protagonisten. Bei den Kinder- und Jugendliteraturtagen sind sie es ebenfalls.

Bis zum 28. April

Zum zweiten Mal nach 16 Jahren finden bis zum 28. April die Baden-Württembergischen Kinder- und Jugendliteraturtage in Waiblingen statt. Zentrale Anlaufstelle ist die Stadtbücherei.

„Literatur... für alle Sinne!“ Das Motto der Literaturtage spiegelt sich in einem umfangreichen Programm mit vielen Veranstaltungen, unter anderem 14 Autorenlesungen, wieder. Weitere Infos und eine Programmübersicht unter www.kinderliteraturtage-waiblingen.de

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