Waiblingen Knappes Ja für Trinkbrunnen in der Altstadt

Ein Brunnen soll in der Altstadt für Trinkwasser sorgen. Foto: Pixabay.com / CC0 Creative Commons

Waiblingen. Das Stadtbild beleben, die Menschen zum Wassertrinken animieren und die Zahl der Plastikflaschen reduzieren: All das ist Sinn und Zweck eines Trinkwasserbrunnens. Ein Brunnen in der Altstadt wurde im Zuge der Haushaltsberatungen gleich zweimal beantragt - und am Ende mit knapper Mehrheit auch beschlossen. Gegen den Willen der Stadtverwaltung, die vor Vandalismus und Wasservergeudung gewarnt hatte und die Anträge eines Bürgers und der FDP ablehnen wollte.

Menschen, die in der Stadt aus ihrer Plastikflasche Wasser trinken, sieht man nicht erst, seit die Sommer immer heißer werden. Doch während in der Waiblinger Altstadt eine ganze Anzahl von Brunnen plätschern, gibt es keinen einzigen mit Trinkwasser. Jetzt hat der Planungsausschuss des Gemeinderats gleich über zwei Brunnen-Anträge entschieden. Über den eines Bürgers, der sich in der Altstadt einen Trinkbrunnen wünscht, und einen von Seiten der FDP-Fraktion.

In anderen Städten läuft die Sache

Eine Attraktivierung des Einkaufsstandorts erhoffte sich der antragstellende Bürger. Ein Brunnen, so der Waiblinger, würde die Menschen auch ermuntern, mehr Wasser zu trinken, und Passanten die Möglichkeit bieten, sich zwischendurch die Hände zu waschen. Zudem ließe sich die Zahl der Einwegflaschen reduzieren.

Gleich zwei Trinkwasserbrunnen beantragte die FDP-Fraktion als „einen erschwinglichen Service“ für die Passanten. Je nach Design könnten die Brunnen auch bei der Gartenschau Blickpunkte setzen, wobei die FDP großen Wert darauf legte, dass ohne Becher oder Flasche getrunken werden kann. In vielen Städten, von Berlin über Salzburg bis Kehl seien Trinkbrunnen installiert worden und würden von der Bevölkerung sehr geschätzt.

Was anderswo leicht möglich ist, scheint in Waiblingen ein Problem zu sein. Auf drohenden Vandalismus, fehlerhafte Nutzung und hohe Folgekosten verwies die Stadtverwaltung in ihrer Stellungnahme. Und auf die schlechten Erfahrungen, die man beim Trinkbrunnen in der Sonnenuhr-Skulptur in der Talaue gemacht habe. Außerdem mahnte sie einen sorgsamen Umgang mit dem Lebensmittel Trinkwasser an. „Eine soziale Kontrolle oder ständige Überwachung der Anlagen kann nicht sichergestellt werden“, warnte die Verwaltung in ihrer Stellungnahme. Und: „Die öffentliche Verfügbarkeit von Trinkwasser würde suggerieren, dass Trinkwasser nicht kostbar sei und unbegrenzt verfügbar ist.“

„Man hätte auch schreiben können, die Verwaltung will es nicht“

Reichlich konsterniert nahm Sabine Wörner (SPD) diese Argumentation zur Kenntnis: „Man hätte auch schreiben können, die Verwaltung will es nicht“, bemerkte sie trocken. Von vorneherein zu unterstellen, dass Wasser vergeudet werde, fand sie bemerkenswert. Der Vergleich mit der Sonnenuhr hinke, da diese in der Talaue und nicht mitten in der Altstadt stehe. „Auch in Wien funktioniert ein Trunkbrunnen gut“, sagte sie. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Verwaltung Ja sagt.“ So ging es auch der ALi-Fraktion. Besonders beklagte Alfonso Fazio die, wie er sagte, „lapidare Ablehnung mit Hinweis auf Zerstörung“. Anders als der Brunnen auf der Erleninsel wäre ein Brunnen in der Stadt eine Bereicherung.

Oberbürgermeister Andreas Hesky pochte dagegen auf die schlechten Erfahrungen in der Talaue, zudem müssten Unmengen von Wasser durchgespült werden, um die Brunnen sauber zu halten: „Dieser Weg sollte nicht beschritten werden.“ Rückendeckung bekam er von Ingo von Pollern, der die Idee nicht „zielführend“ fand: „Wenn wir Mineralwasser anbieten könnten, wäre es was anderes“, meinte der CDU-Rat. Ein Brunnen für 56 000 Einwohner sei auch viel zu wenig. Matthias Kuhnle (DFB) schloss sich an. Das Schlusswort hatte Bernd Mergenthaler (FDP): Er appellierte an den Mut des Gremiums und dessen Vertrauen in die Bürger. Mit Erfolg: Der Antrag wurde mit sechs zu fünf Stimmen angenommen.


"Vandalismus darf kein Argument sein"

Ein Kommentar von Jutta Pöschko-Kopp

Vandalismus ist ein Schreckgespenst, das sich an vielen Ecken zeigt. Verwüstungen auf Spielplätzen, Schmierereien im Mauergang, Zündeleien in öffentlichen Toiletten: Die dumme Zerstörungswut kostet die Stadt viel Geld. Doch wie kann und soll sich eine Gesellschaft davor sinnvoll schützen? Ganz sicher nicht, indem sie aus Furcht davor Ideen zurückweist, weil diese – vielleicht - Randalierer auf den Plan rufen. Mit demselben Argument könnten Spielplätze geschlossen, Blumenbeete zubetoniert und die Gartenschau begraben werden. Gut, dass der Planungsausschuss entgegen dem Vorschlag der Verwaltung für den Brunnen stimmte. Gut möglich auch, dass die Verwaltung die Brunnenidee tatsächlich nicht besonders charmant fand. Fest steht jedenfalls: Vandalismus darf kein Argument sein. Wer das bekämpfen will, muss hinsehen, muss vielleicht auch hinstehen – aber gewiss nicht den Kopf einziehen.

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