Waiblingen Kommentar: Unser Einfluss ist größer, als viele denken

An einer vermüllten Bucht im Urlaub am Mittelmeer. Foto: Kopp

Die Bilder der Müllteppiche an Stränden und auf dem Meeresboden, von verstreuten Plastikteilen in den Städten, im Wald und an den entlegensten Orten der Welt sind mittlerweile auch in der Politik angekommen – in der großen wie in der kleinen.

(Alle Artikel der Serie zum Thema Plastikmüll)

Wenn 2019 in Deutschland das neue Verpackungsgesetz in Kraft tritt, muss die Quote beim Kunststoffrecycling auf 58,5 Prozent gesteigert werden. 2022 soll sie bei 63 Prozent liegen. Ab 2019 muss sich die Lizenzgebühr, die Hersteller für die Rücknahme ihrer Verpackungen zahlen müssen, auch danach richten, wie leicht oder schwer diese recycelt werden können. Es wird teurer für umweltschädliche Verpackungen, und das ist gut so. Schließlich haben gerade die Deutschen, die sich auf ihr Umweltbewusstsein so viel zugutehalten, beim Thema Verpackungsmüll die schlechteste Bilanz in Europa: 2016 fielen laut Umweltbundesamt 18,16 Millionen Tonnen an – 220,5 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Damit lag der Verpackungsverbrauch deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Knapp die Hälfte des Abfallaufkommens ging übrigens auf das Konto von privaten Verbrauchern.

EU-Gesetze gegen Plastik

Doch nun tut sich was, sogar in der eher behäbigen EU-Politik. Mit einem Verbot vieler Einwegprodukte aus Plastik und einer Recycling-Quote für Plastikflaschen will die EU gegen den Müll in den Meeren vorgehen. Einweggeschirr, Strohhalme, Wattestäbchen und Ballonhalter aus Plastik sollen endlich verboten werden.

Auch in den Städten und Gemeinden ist das Problem angekommen. In Korb etwa sollen auf Wunsch der Gemeinde Feste künftig ohne Plastikgeschirr gefeiert werden, auch der dortige Handel wurde zum Mitmachen gegen den Plastikmüll aufgefordert. Immer mehr Einzelhändler, wie die Metzgerei Weißschuh in Waiblingen oder neuerdings auch Mack in Endersbach, sind offen für mitgebrachte Tupperdosen statt Tüten. Sogar die Discounter und großen Supermarktketten haben das Problem erkannt. Bei Aldi und Lidl gibt es Obst und Gemüse inzwischen auch offen zu kaufen. In den Drogerien und Supermärkten gab es bisher nur vereinzelt Nachfüllpackungen für Reinigungsmittel (wie zum Beispiel von Frosch), nun wird das Angebot für Bad- und Glasreiniger ausgebaut. Die Herstellung eines Nachfüllbeutels benötige 90 Prozent weniger Material als eine Flasche, wirbt die Firma Henkel in Zeitschriftenwerbung. Gut, dass sie das endlich gemerkt hat.

Vorbildfunktion

All das macht Mut und Hoffnung, dass das weltweite Problem des Plastikmülls doch noch eingedämmt werden kann. Auch wenn der größte Teil des Mülls in den Weltmeeren aus Asien stammt – wir sind für die Schwellenländer nicht nur beim Luxuskonsum Vorbild, sondern auch bei der Müllvermeidung. Vor allem aber sind wir für unseren eigenen Lebensstil verantwortlich. Jeder von uns entscheidet jeden Tag aufs Neue, wie viel Plastikmüll er produziert: Abfälle, die eben nicht zu 100 Prozent recycelt werden, nur weil wir sie mit Schwung in die gelbe Tonne werfen. Machen wir uns nichts vor: Unsere Recycelquoten sind traurig, und die beste Plastikverpackung ist die, die gar nicht erst produziert wird.

Was wir wollen, bekommen wir

Dabei ist unser Einfluss größer, als viele denken. Mit unseren Einkäufen geben wir Tag für Tag Richtlinien für Handel und Wirtschaft vor. Wir entscheiden selbst, ob wir doppelt- und dreifach verpackte Bonbonpackungen und Cremetiegel, eingeschweißte Bananen oder versiegelten Käse kaufen. Fangen wir im Kleinen an, lassen wir in den Supermärkten unsinnig verpackte Waren in den Regalen, setzen wir auf Mehrwegbehälter, kaufen wir offene Produkte. Die großen Ketten und Discounter reagieren auf die Kunden, sie wollen ein sauberes Image.

Das, was wir wollen, bekommen wir – so einfach ist es.

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