Waiblingen/Korb/Winnenden Wildschweinjagd auf der Buocher Höhe am Freitag

Symbolbild. Foto: ZVW/Gabriel Habermann (Archiv)

Waiblingen/Korb/Winnenden. Die Saison der Wildschwein-Drückjagden beginnt. Am kommenden Freitag organisiert die Kreisjägervereinigung eine revierübergreifende im Waldgebiet vom Hanweiler Sattel und Kleinheppacher Kopf bis hinüber Richtung Breuningsweiler und Lehenberg. Waldzugänge und zwei Straßen sind deshalb bis 12.30 Uhr gesperrt. Hauptgrund: Die Schweinepest dräut, so heißt es.

Wildschwein-Drückjagden haben Saison von November bis Januar/Februar und finden jedes Jahr statt. Allein das Forstamt Rems-Murr plant diesen Winter wieder zwanzig große Drückjagden mit jeweils 40 bis 80 Jägern in den Staatsforstgebieten des Kreises, bestätigt Amtsleiter Martin Röhrs.

Circa 100 Jäger mit rund 35 Jagdhunden

Die Drückjagd am kommenden Freitag, 16. November, in den kommunalen Waldgebieten auf der Buocher Höhe organisiert die Kreisjägervereinigung Waiblingen (KJVW). „Es werden circa 100 Jäger mit rund 35 Jagdhunden teilnehmen“, erläutert der Schwaikheimer Uli Messmer, KJVW-Veranstaltungswart.

Unterschied zur Treibjagd: Den Tieren wird nicht nachgehetzt

„Bei einer Drückjagd geht es nicht etwa wie bei einer Treibjagd darum, dem Wild nachzuhetzen, sondern es in seinen Verstecken, zum Beispiel in Mulden unter Brombeer-Hecken, mit den Hunden aufzuspüren und aufzuscheuchen, die Rotten zu trennen und die Tiere dann einzeln abzuschießen“, erläutert Kreisjägermeister Volker Schmidt.

Die Jagdhunde seien entsprechend ausgebildet, den Tieren nicht hinterherzuhetzen. Auch die an Drückjagden teilnehmenden Jäger müssten extra „Schießnachweise“ vorlegen, und dies regelmäßig, dass sie fähig sind, auf sich bewegende Ziele sicher und genau zu schießen, so Messmer. So seien bei der Drückjagd im Vorjahr 2017 in diesem Waldgebiet auf der Buocher Höhe rund 50 Wildschweine erlegt worden.

Infektionspotenzial der Schweinepest verringern

„Wir rechnen dieses Jahr mit weniger, weil die Population aufgrund eines eingeschränkten Futterangebots letztes Jahr geringer gewachsen ist“, sagt Messmer. Die Drückjagd müsse aber dennoch sein, weil man von Amts wegen angehalten wurde, das Infektionspotenzial der immer näher kommenden Schweinepest zu verringern. Und: Je kleiner die Wildschwein-Population desto kleiner die Schweinepest-Verbreitungsmöglichkeiten, heißt es auch seitens Kreisforstamtsleiter Martin Röhrs.

Sperrungen: Korb – Hanweiler und Breuningsweiler – Lehnenberg

Aus Sicherheitsgründen wird am Freitag zwischen 8.30 und 12.30 Uhr von der Gemeindeverwaltung Korb die Verbindungsstraße nach Winnenden-Hanweiler vollgesperrt. „Die Sperrung wird wohl ab der Einmündung der Hanweiler Straße in die Matreier Straße am Korber Ortsausgang erfolgen“, so Christoph Schulz, stellvertretender Haupt- und Ordnungsamtsleiter in Korb. „So machen wir das gewöhnlich immer, solche Drückjagden finden ja jedes Jahr statt.“ Die Winnender Verwaltung kümmert sich um die Sperrung der Straße zwischen Breuningsweiler und Lehnenberg. „Nur dem Schulbus wird zweimal die Durchfahrt mit 30km/h ermöglicht“, sagt Messmer. Dass Jogger, Gassigeher oder Spaziergänger über die Weinbergwege von Kleinheppach oder Großheppach aus und über den Hanweiler Sattel oder Kleinheppacher Kopf in den Wald gelangen, könne man nicht verhindern. „Wir informieren die Bevölkerung aber vorher über das Mitteilungsblatt, die Homepage, Facebook und die Bürger-App“, sagt Christoph Schulz für Korb. Allerdings würden teilweise auch Weinbergwege, etwa „in Hanweiler oben“ abgesperrt, ergänzt Messmer.

Nicht alle halten sich an Absperrungen

„Leider halten sich nicht alle an die Absperrungen und Warnschilder. Wir können nur an die Leute appellieren, den Wald während der Drückjagd nicht zu betreten. Unsere Jäger sind aber freilich ausgebildet und diszipliniert. Sie bekommen vorher auch eine strikte Sicherheitsbelehrung, wirklich nur bei eindeutigem Ziel zu schießen.“ Ausreißendes Schwarzwild und einhergehende Sicherheitsprobleme gebe es bei solchen Drückjagden nur sehr sehr selten, sagt Kreisjägermeister Schmidt. Durch die Straßensperrungen wolle man verhindern, dass Menschen und Tiere, auch die Jagdhunde, bei Unfällen zu Schaden kämen

Ein ausreißender Eber verschreckte einst das ganze untere Remstal

Ein durch eine Drückjagd aufgescheuchter Eber hielt am Sonntag, 3. Februar 2013, das untere Remstal in Trab. Die Jagd nach diesem endete auf der B 14 an der Stoßstange eines Mercedes. Schadensbilanz: zwei erheblich beschädigte Autos mit etwa 12 000 Euro Schaden und drei Leichtverletzte. Insgesamt sieben Streifen der Bundes- und Landespolizei waren an der Jagd beteiligt.

Der Eber war an Leutenbach vorbei über die Bahnlinie nach Schwaikheim geflüchtet und dort bei der Überquerung der Ludwigsburger Straße gegen einen Ford geprallt. In der Birkenstraße rannte er eine 52 Jahre alte Fußgängerin um. Die Frau wurde leicht verletzt. Es ging weiter Richtung Beinstein. In der Straße „Hausweinberg“ griff er einen 39 Jahre alten Radfahrer an und in der Waiblinger Straße wurde ein 94 Jahre alter Radfahrer Opfer des Keilers. Beide Radler wurden nur leicht verletzt.

Auf der B 14 war schließlich Schluss

Der Keiler durchschwamm die Rems und ging am Rande des Waiblinger Gewerbegebietes Eisental auf zwei Fußgänger los, ließ sich aber durch das Hupen eines Autofahrers vertreiben. Weitere Anrufe wegen der Wildsau erreichten die Polizei aus Rommelshausen. Auf der B 14 war schließlich Schluss. Das Tier rannte zwischen dem Teiler und dem Kappelbergtunnel gegen einen Mercedes. Der Fahrer blieb unverletzt. Der Blechschaden war jedoch erheblich.


So lässt sich das Schweinepest-Risiko eindämmen

Bei der Afrikanischen Schweinepest handelt es sich um eine ansteckende verlustreiche Tierseuche, die bei Haus- und Wildschweinen auftreten kann. Der Mensch kann jedoch nicht daran erkranken, so das Landratsamt. Die Krankheit ist in Europa weiter auf dem Vormarsch: „Im Baltikum und in Polen tritt sie seit 2014 auf. In Rumänien gibt es nach wie vor ein großes Seuchengeschehen bei Hausschweinen. Seit September 2018 wurden bei Wildschweinen in Südbelgien, etwa 60 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, zahlreiche Ausbrüche festgestellt“, teilt das Landwirtschaftsministerium mit.

Jeder kann helfen, eine Verbreitung zu verhindern. „Wildschweine sind nicht die alleinigen Überträger und auch nicht die gefährlichsten“, sagt Kreisjägermeister Volker Schmidt. „Befallene Tiere bewegen sich nicht mehr über weite Strecken und sterben schnell.“ Die Gefahr bestehe darin, dass der Erreger sehr lange im Boden bleiben kann. Andere Tiere, wie Hunde und Füchse, die mit verendeten Wildschweinen Kontakt haben, könnten den Erreger im Fell und an den Pfoten weit tragen und verteilen.

Ein weiterer Verbreitungsweg ist der Mensch. Durch Kontakt mit verendeten Wildschweinen kann auch er den Erreger an Schuhen und Kleidung weit verbreiten, so Schmidt. Absehen sollte man unbedingt davon, Lebensmittel mit Fleischinhalten in der Natur oder neben Abfallkörbe zu entsorgen. „Auch hier können andere Tiere das eventuelle kontaminierte Fleisch aufnehmen und den Erreger weitertragen.“

Eine verlässliche Angabe zur Höhe der Schwarzwildbestände im Rems-Murr-Kreis gibt es nicht. Erlegt wurden: 2014/2015 1435 Wildschweine; 2015/2016 2032 Wildschweine und 2016/2017: 1479 Wildschweine. Zahlen für das Jagdjahr 2018/2019 werden erst im März 2019 erhoben.

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