Waiblingen/Korb Wirt wegen Hygienemängeln vor Gericht

Symbolbild. Foto: pixabay.com, Lizenz: Public Domain CC0

Waiblingen. Klebriger Fußboden, die Düsen der Spülmaschine schleimig verdreckt, am Grill fettige Tropfnasen – so schildert der Staatsanwalt den Zustand eines Korber Gastronomiebetriebs. Dessen Pächter musste sich nun vor dem Amtsgericht verantworten. Weil die Sache zwei Jahre zurückliegt und die Mängel inzwischen behoben sind, darf der Gastwirt seine Konzession behalten. Er muss nun eine Geldstrafe zahlen.

Ekelerregend. So fasst der Staatsanwalt zusammen, was der Wirtschaftskontrolldienst (WKD) bei drei Kontrollen im Jahr 2016 in einem Korber Gastronomiebetrieb vorgefunden hat. Die Räumlichkeiten seien in einem derart verschmutzten und unhygienischen Zustand gewesen, dass sie nicht zur Zubereitung und zum Verzehr von Lebensmitteln geeignet gewesen seien. Was er dann aus der Anklageschrift vorliest, kann einem tatsächlich jeglichen Appetit vergehen lassen: Der Fußboden im Ausschank klebrig und voller Flaschenverschlüsse, an der Handspülbrause klebten Lebensmittelreste, in der Spülmaschine lagen Glassplitter und die Düsen waren schleimig verschmutzt. In den Besteckkästen lagen Brotkrümel, am Grill hatten sich Tropfnasen aus altem Fett gebildet, die Dunstabzugshaube war braun-klebrig. Im Lagerraum im Keller fanden sich Lebensmittelreste und tote Insekten auf dem Fußboden. So hatte der WKD das Restaurant bei der ersten Kontrolle im Juni 2016 vorgefunden.

Dreimal Kontrolle, dreimal Mängel

Zwei Monate später, bei der zweiten Kontrolle, gab es wieder Beanstandungen – zum Teil waren die bereits registrierten Mängel schlicht noch nicht behoben worden. Und auch bei einer dritten Kontrolle im September 2016 war der hygienische Zustand mangelhaft. Dem Pächter der Wirtschaft, der im Großraum Stuttgart weitere Gastronomiebetriebe unterhält, wird deshalb ein Verstoß gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz in drei Fällen vorgeworfen.

Der Unternehmer zeigt sich vor Gericht mäßig einsichtig. Zwar sei es klar, dass solche Zustände nicht herrschen dürften – und dies sei in seiner 27-jährigen Gastro-Karriere auch noch nie vorgekommen –, doch verantwortlich in den vorliegenden Fällen seien seine Angestellten gewesen. Er sei nach der ersten Kontrolle von seinem Betriebsleiter informiert worden, habe sich aber darauf verlassen, dass jener alles regeln werde.

Als Pächter verantwortlich

Auch nach der zweiten Kontrolle habe er noch keinen Anlass gesehen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Als dann bei der dritten Kontrolle wieder derartige Mängel festgestellt worden seien, habe ihn das erschüttert: „Da hat’s mich gesetzt“, so der Gastronom. Insbesondere, weil er nach der Übernahme des Betriebs einige Monate vor der ersten Kontrolle etwa 300 000 Euro in die Sanierung gesteckt habe, habe er nicht mit solch gravierenden Zuständen gerechnet. Die Geräte seien alle neu angeschafft gewesen. Vielleicht, sagt er rückblickend, hätte er aber damals doch früher reagieren müssen.

Aus Sicht des Gerichts hätte er das müssen. „Spätestens nach der zweiten Kontrolle hätten Sie sich selbst ein Bild machen und handeln müssen“, weist ihn die Vorsitzende Richterin Christel Dotzauer zurecht. „Sie als Pächter sind verantwortlich.“ Auch wenn er seine Angestellten sicherlich in gutem Glauben eingestellt habe, sehe sie hier doch ein Überwachungsverschulden. Da hälfen auch die Bilder der frisch renovierten Anlagen nicht, die der Gastronom zwischenzeitlich an das Gericht geschickt hatte. Entscheidend sei der Zustand, in dem sich die Räumlichkeiten vor zwei Jahren befunden hätten.

Angestellte bereits verurteilt

Am Ende geht es für den Gastronomen zwar teuer, aber recht glimpflich aus: Er muss nur die Verantwortung für die letzte Kontrolle tragen, das Verfahren gegen ihn in den ersten beiden Fällen wird eingestellt. Seine Angestellten sind bereits separat angeklagt und zu Strafen verurteilt worden. Somit darf er seine Konzession behalten und wird lediglich zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 100 Euro verurteilt. Gemessen am Einkommen des Wirts sei dies ein geringer Betrag, betont der Staatsanwalt. Auch Richterin Dotzauer mahnt erneut: Es habe ein klares Versäumnis des Mannes vorgelegen. Er müsse nun aufpassen: Noch sei er nicht vorbestraft, aber lasse er sich in der kommenden Zeit etwas zuschulden kommen, könne sich das rasch ändern.

  • Bewertung
    25
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!