Waiblingen Kunstrasenplätze: Kork statt Plastik

Wie hier im Dezember schwören Fußballer auf Kunstrasen: Der FSV Waiblingen im Spiel gegen den SV Kaisersbach. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Waiblingen. Kunstrasenplätze sind in die Kritik geraten, weil sie in der Regel mit Kunststoffgranulat verfüllt werden. Stichwort: Mikroplastik. Um mögliche Zuschüsse nicht aufs Spiel zu setzen, steigt die Stadt Waiblingen mit sofortiger Wirkung auf Kork um. Betroffen sind zunächst zwei Plätze in Hegnach und am Oberen Ring.

Diese Woche hat die Stadt Waiblingen den Auftrag zur Sanierung des Kunstrasenplatzes III am Oberen Ring für 295 000 Euro an die Firma Bonasch Sportstättenbau aus Berglen-Hößlinswart vergeben. Verfüllt wird der Kunstrasen nicht wie üblich mit Granulat, sondern mit Kork. Die Sanierungsarbeiten sollen im August beginnen und Ende Oktober 2019 beendet sein. Wie berichtet, beabsichtigt die Landesregierung, in Zukunft Kunstrasenplätze mit Gummigranulat aus Altreifen nicht mehr zu bezuschussen, da sie „zu den größten Verursachern von Mikroplastikausträgen in die Umwelt“ zählten. Auf die Fördermittel will die Stadt Waiblingen keinesfalls verzichten. Um kein Risiko einzugehen, hat sie bereits jetzt auf Kork umgeschwenkt.



"Kork schafft sich schneller ab"

Aus Sicht der Stadt fällt dieser Schritt nicht schwer, denn die Umstellung funktioniere „preisneutral“. Sprich: Die Kork-Füllung kostet nicht mehr als die mit Granulat. Nach den Informationen, die er von einem professionellen Hersteller habe, ändere sich am Spielverhalten nichts, sagt Michael Seeger, Leiter des Fachbereichs städtische Infrastruktur. Allerdings gebe es einen Nachteil: „Kork schafft sich schneller ab.“ Die Plätze müssen also öfter wieder aufgefüllt werden. Ein weiteres Problem sprach DFB/FW-Stadtrat Michael Fessmann im Ausschuss für Planung, Technik und Umwelt an: Feinstaub. Tatsächlich müssen mit Kork verfüllte Kunstrasenplätze regelmäßig abgesaugt werden, bestätigt Michael Seeger.

„Kork steht auch in der Kritik – wegen Monokulturen“, mahnte SPD-Rätin Sabine Wörner. Nach den Eindrücken des Fachbereichsleiters städtische Infrastruktur von Reisen nach Portugal und Spanien verhält es sich aber so, dass mit der Abnahme von Kork ein altes, traditionelles und meist von ärmeren Bevölkerungsschichten ausgeübtes Handwerk gestärkt werde. Was ALi-Chef Alfonso Fazio für Sardinien bestätigte. Und, zum Thema Nachhaltigkeit: „Korkeiche ist ein nachwachsender Rohstoff.“ Sein eher humoristisch gemeinter Beitrag dazu: Hoffentlich führe die Verwendung von Kork auf Fußballplätzen nicht dazu, dass Weinflaschen stattdessen Schraubverschlüsse bekommen.

Hersteller: Für Sportler ist Granulat die erste Wahl

Aus Sicht des Herstellers Polytan hat Kork den Vorteil, ein natürlicher, nachwachsender Rohstoff zu sein. Aufgrund der Struktur des Materials biete er einen guten Dämpfungskomfort, der nicht hinter dem von Gummigranulat zurückstehe. „Allerdings ist Kork sehr leicht und kann deshalb bei Starkregen schneller aufschwimmen als das schwerere Gummigranulat und so vom Platz abgetragen werden“, sagt Unternehmenssprecher Tobias Müller. Kork sei anfälliger bei Windverwehungen, der Verschleiß bei starker Belastung höher.

Weitere Alternative: Sand. Dieser bietet jedoch bei weitem nicht den Spielkomfort wie das elastische Gummigranulat oder Kork. Bei längerer Nutzung werde der Platz stumpfer, die Verletzungsgefahr erhöhe sich. Bei Frost werde ein nur mit Sand verfüllter Platz sehr hart. „Wenn es um die Gesundheit des Sportlers, die Haltbarkeit des Platzes und die ökonomischen Gründe in Kombination geht, ist das Granulat die erste Wahl.“ Moderne Gummigranulate bestünden nicht aus Altreifen, sondern aus bis zu 70 Prozent Naturstoffen und nur noch zu 30 Prozent aus synthetischen Materialien.


Granulat-Verbot

Die Sportvereine müssen sich vorläufig keine Sorgen machen, dass alle Kunstrasenplätze stillgelegt werden. Die Entscheidung des Landtags bezieht sich nur auf die Vergabe von Landesfördermitteln.

Mittelfristig wird aber wohl ein europaweites Verbot kommen. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA), eine Behörde der Europäischen Union, hat dies beantragt. Demnach soll bis 2022 verboten werden, Mikroplastik bewusst in den Umlauf zu bringen.

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