Waiblingen Kunterbunt und fröhlich: Der Waiblinger Umzug

, aktualisiert am 04.03.2019 - 07:25 Uhr

Waiblingen. Die Waiblinger Innenstadt gehörte am Samstagnachmittag den Narren - allen voran Oberbürgermeister Andreas Hesky, der als Waldschrat mit angeklebtem Bart und einen „Wunderbaum“ auf dem Leiterwagen den großen Faschingsumzug eröffnete.

Der „närrische Gaudiwurm“ startete um 14.30 Uhr am Waldmühlenweg. Über den Stadtgraben, Fronacker- und Untere Lindenstraße ging es die Bahnhofstraße herunter zum Alten Postplatz, durch Stadtgraben, Lange und Kurze Straße zum Rathaus, wo nach dieser Strapaze auf dem Vor- und Marktplatz sowie im Schlosskeller ordentlich feiern angesagt war. Über 2000 Teilnehmer aus 80 Vereinen, Gruppen und Narrenzünften sorgten dafür, dass den Zuschauern entlang der Wegstrecke ein Spektakel geboten wurde, das sich wahrlich sehen lassen konnte. Von Essingen auf der Ostalb bis Breisgau, von Donaueschingen bis hinauf nach Crailsheim waren sie angereist, die fröhlich lachenden Oberelchinger „Bobbele“ sogar von jenseits der Landesgrenze, um sich in der Stauferstadt ein närrisches Stelldichein zu geben.

Eine Faschingshochburg im pietistischen Remstal

Es sei gewiss nicht einfach gewesen, erinnerte sich Peter Utri, der Ehrenpräsident der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft, aus dem durch und durch pietistisch geprägten Waiblingen eine Faschingshochburg zu machen. Die Anfänge vor 40 Jahren seien auch überaus bescheiden gewesen, und es bedurfte sehr viel Durchhaltevermögen, Überzeugungskraft und Engagement. Doch im Laufe der Zeit habe sich die Mentalität ganz offensichtlich verändert, es herrsche zwar kein rheinischer Überschwang, aber immerhin Begeisterung. Ganz offensichtlich gefalle der Umzug den Zuschauern am Wegrand, und die Gastronomie habe sicherlich auch keinen Grund, sich darüber zu beklagen. Der Faschingsumzug sei mittlerweile ein Selbstläufer; 80 Prozent der teilnehmenden Gruppen seien treue Stammgäste; einige von ihnen hätten sich bereits wieder für das kommende Jahr angemeldet. Als großes Plus erweise sich, dass der Waiblinger Umzug am Samstagnachmittag stattfinde, also genau in der Nische zwischen den vielen Veranstaltungen landauf, landab.

Zwei Stunden lang folgt Gruppe auf Gruppe

Überwiegend der alemannischen Fasnachtstradition entstammten die einzelnen Gruppen, die Utri wie jedes Jahr an der Einmündung der Heinrich-Küderli-Straße in die Bahnhofstraße begrüßte und einzeln vorstellte. Angeführt wurden sie von der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft mit ihren Tanzgarden, dem Elferrat, Prinzessin Emily und den „Ohrawuslern“, die tapfer gegen das „Bella ciao“ anspielten, das ihnen aus den Lautsprecherboxen entgegenhämmerte. Im Dauerlauf folgten die Waldhexen der Narrenzunft Hohenacker in ihrem tarnfarbenen Häs. Und dann ging es Schlag auf Schlag, zwei Stunden lang, Gruppe auf Gruppe. Da trieben Teufel, Hexen, Sukkuben, Trolle, Wald- und Kellergeister, Bärenjäger, Dämonen, ja sogar Vampire und Orks ihr grausiges Unwesen, jagten junge Frauen durch die Stadt und erschreckten mit ihrem furchteinflößenden Häs.

Kinder freuen sich über Süßigkeiten

Was für ein Glück, dass sich so manches Kind in den Armen der Mutter oder auf den Schultern des Vaters sicher geborgen wusste! Versüßt wurde der Schreck durch Bonbons und Lutscher, die von den Festwagen, die Teil des Umzugs waren, in die Zuschauer geworfen wurden, und durch die mitfühlenden Schlossgeister aus Stuttgart-Mühlhausen, die mit lieben Worten diejenigen trösteten, die an diesem Tag arbeiten und sich einen kühlen Kopf bewahren mussten - wie Polizisten, Sanitäter, Ordner, Mitarbeiter der Stadt und Journalisten. Für rheinisches Kontrastprogramm sorgten die Karnevalisten, wie Prinzele, Clown und die venezianische Gruppe der Karnevalsgesellschaft Blau-Weiss Stuttgart, Blue Brass und „Brunnensäue“ aus Sindelfingen sowie der Fellbacher Carnevals-Club, den ein Büttel mit Schelle und Pickelhaube anführte. Mit stürmischem Applaus wurde auch die Waiblinger Karnevalsgesellschaft begrüßt, die Mitorganisatorin der Waiblinger Karnevalskampagne. Ihre Regentin, Sarah II., hatte nicht nur ihren Elferrat im Gefolge, sondern auch ihre Tanzgarde und die peitschenschwingenden Salathengste.


So geht’s weiter

Närrisch geht es in Waiblingen weiter am Dienstag um 14.30 Uhr im Bürgerzentrum beim Kinderfasching, um 17.30 Uhr mit einem kleinen Umzug der Remshexen und der Ohrawusler vom Bürgerzentrum auf den Marktplatz, wo um 18 Uhr das große Hexenabtauchen beginnt, der Rückzug der Remshexen in die nassen Gefilde der Rems. Daran schließt sich der Faschingsausklang im Schlosskeller an. Um 17.30 Uhr ist im Musikheim in Bittenfeld Kehraus.

Dort gibt es auch am Aschermittwoch ab 11 Uhr für die Unentwegten ein Katerfrühstück.

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