Waiblingen Massiver und höher bauen?

Das größte aktuelle Baugebiet in Waiblingen: Berg-Bürg in Bittenfeld. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen.
Unter der Wohnungsnot in Waiblingen und der Region Stuttgart leiden am meisten die Einkommensschwachen – aber nicht nur. Längst ist der Mangel in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Mehr Wohnungsbau tut also Not – aber wo ist überhaupt noch Platz im Ballungsraum? Also fordern die einen neue Baugebiete, die anderen warnen vor Flächenversiegelung. Im Interview mit unserer Zeitung hat jüngst Christoph Gröner, Käufer des Fellbacher Towers und mit seiner CG-Gruppe größter Wohnungsbauer Deutschlands, den Städten und Gemeinden Versagen bei der Wohnbaupolitik vorgeworfen, weil zu wenig Bauflächen zur Verfügung stünden. In Waiblingen werden derweil Forderungen lauter, mehr in die Höhe zu bauen.

Kommt das Grüne Hochhaus doch noch?

Das Areal auf der Korber Höhe, ehemals für das „Grüne Hochhaus“ vorgesehen, soll wieder in die Planung kommen und die Ideen dann schnellstmöglich umgesetzt werden, fordert Siegfried Bubeck für die FW/DFB-Fraktion des Gemeinderats. Bekanntlich steht auch Oberbürgermeister Andreas Hesky weiter für eine markante, hochwertige Bebauung des Areals. Unabhängig davon dürfe die Schaffung bezahlbarem Wohnraums nicht nur der freien Marktwirtschaft überlassen werden, die soziale Verpflichtung der Stadt gebiete es, sowohl Belegungsrechte bei freien Bauträgern einzufordern als auch selbst im sozialen Wohnungsbau tätig zu werden. Dafür müssten schnellstmöglich die im Flächensuchlauf gefundenen Gebiete entwickelt werden.

Mehr und höher bauen

„Wir erleben bereits seit Jahren eine Wanderungsbewegung, in der viele junge Waiblingen Paare und Familien an die Peripherie der Region Stuttgart ziehen, wo die Grundstückspreise noch bezahlbar sind“, klagt Michael Stumpp namens der CDU-Fraktion. Die hatte 2017 von der Verwaltung ein schlüssiges Konzept verlangt, welche neuen Wohn- und Gewerbegebiete wann und wo konkret kurz- als auch mittelfristig realisiert werden können. Die Ergebnisse liegen jetzt vor und werden in den nächsten Sitzungen vorgestellt. Wenn es nach der CDU geht, sollen bald Aufstellungsbeschlüsse für neue Bebauungspläne daraus werden. „Wenn wir die akuten Probleme am Wohnungsmarkt angehen wollen, dürfen wir uns nicht in monate- oder gar jahrelange Diskussionen über das Für und Wider von Planungsdetails oder Grundsatzstreitigkeiten ergehen“, lautet Stumpps Mahnung an die Ratskollegen. Das Beispiel Hess/Daimler zeigte, wie schnell die Stadt einen Bebauungsplan auf den Weg bringen könnten, wenn der entsprechende politische Wille da sei. Über die Bauplatzvergabe wie im Bittenfelder Berg-Bürg könne die Stadt mit moderaten Baulandpreisen wirkungsvolle Familienförderung betreiben und die „allseits grassierende“ Spekulation auf dem Grundstücksmarkt mäßigen. Mit Belegungsrechten für zehn bis 20 Prozent könne die Stadt Wohnraum für Einkommensschwache sichern. Weil Bauland knapp sei, spiele Innenentwicklung eine wichtige Rolle. Urbanes Wohnen liege zudem im Trend. „Dabei werden wir nicht umhinkommen, eine deutlich massivere, höhere Bebauung zuzulassen“, sagt der CDU-Fraktionschef Michael Stumpp und mahnte seine Ratskollegen, ihren Diskussionsdrang zu bremsen. „Die Zeiten, in denen man beim Neubau am Alten Postplatz aus politischen Gründen ein drittes Obergeschoss einfach wegstreichen konnte und über Dachausbauten, zu große Dachgauben oder Aufstockungen endlos diskutierte, müssen vorbei sein.“

Hausgemachte Probleme

„Grundstücke sind nicht vermehrbar“ stellt Alfonso Fazio für die „Agtif“-Fraktion (ehemalige Ali plus Tierschutzpartei) fest. Um Handlungsspielräume für künftige Generationen zu erhalten, schlägt er vor, nur noch Grundstücke in Erbpacht zu vergeben. Die Wohnungsbaugesellschaft soll sich mehr engagieren, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Es habe sich gezeigt, dass nur Gemeinden mit hohem eigenem kommunalen oder genossenschaftlichen Wohnungsbestand die Möglichkeit haben, ihren Bürgern bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Die heutige Probleme auf dem Wohnungsmarkt seien insofern hausgemacht, als der soziale Wohnungsbau in den letzten Jahrzehnten in unverantwortlicher Weise vernachlässigt worden sei. Fazio appelliert an alle Eigentümer, leerstehenden Wohnraum einer Nutzung zuzuführen – und zielt damit auch auf untergenutzte Gewerbegebiete. „Hier finden wir zum Beispiel Lagerhaltungen und Abstellmöglichkeiten für Gerätschaften, die bei Volksfesten eingesetzt werden.“

Ob die Ausgaben was bringen?

Im Zusammenhang mit dem Stellenzuwachs im Rathaus kritisiert die FDP, dass die städtische Wohnverwaltung neues Personal beansprucht. Dabei sei erst die Wohnungsgesellschaft - „ohne unser Votum“ - aufgerüstet worden. Eine Million Euro seien dafür eingestellt: „Mittel, von denen keine einzige Wohnung neu geschaffen wird“. Die SPD sieht Investitionen in den Wohnungsbau als rentierliche Ausgaben. „Hier werden Werte im Interesse des Gemeinwohls geschaffen, die im Notfall auch wieder zu Geld gemacht werden könnten“, betont SPD-Fraktionschef Roland Wied. Für die Bürgerliste Bittenfeld habe das Thema Bauen und Wohnen höchste Priorität, sagt David Krammer in seiner Haushaltsrede. Nachverdichtung und Bebauung von Baulücken im Innenbereich der Ortschaften müssten zügig vorangetrieben werden - und zwar vor der Entwicklung neuer Baugebiete.

Der Vollständigkeit halber. Die Gruppe „Grünt“ und die AFD äußerten sich in ihren Haushaltsreden nicht zur Wohnbaupolitik. Die Stadtverwaltung gibt ihre Stellungnahme zu den Anträgen der Fraktionen noch vor Weihnachten ab.

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