Waiblingen Mit gestohlenem Kennzeichen 47-mal geblitzt

Symbolbild. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen.
Ein 19-Jähriger setzt sich mehrmals ohne Führerschein hinters Steuer eines Autos, dessen Kennzeichen er gestohlen hat. Dabei wird er 47-mal geblitzt, tankt an verschiedenen Tankstellen und fährt weiter, ohne zu bezahlen. Das geschah zwischen Mai und Juni dieses Jahres in und um Waiblingen.

Der Gesamtschaden der Tankstellen beträgt rund 560 Euro. Nun musste sich der 19-Jährige wegen eines Diebstahls in einem besonders schweren Fall, Urkundenfälschung und Fahrens ohne Fahrerlaubnis vor dem Waiblinger Amtsgericht verantworten.

Getankt, ohne zu bezahlen

Den Sachverhalt lässt der Angeklagte über seinen Verteidiger einräumen. Im März dieses Jahres wurde der 19-Jährige bereits wegen ähnlichen Delikten auf Bewährung verurteilt. Richter Martin Luippold möchte wissen, weshalb er in so kurzer Zeit wieder straffällig geworden ist. „Ich hab’ Scheiße gebaut“, sagt der 19-Jährige. Nach dem ersten Urteil im März hätte er vorübergehend bei seinem Vater, danach bei seiner Freundin und bei unterschiedlichen Freunden gewohnt, bis er seine eigene Wohnung mietete. Der Versuch, ein Lokal zu leiten, das sein Vater gründete, sei gescheitert. Schließlich arbeitete er in seiner Bewährungszeit bei einem Telefonanbieter als Außendienstmitarbeiter. In dieser Zeit stahl der Angeklagte ein Kennzeichen und brachte es an seinem Auto an. Mit diesem fuhr er, obwohl er keinen Führerschein besaß. Und tankte ohne Bezahlung unter anderem in Waiblingen, Fellbach, Aspach, Spraitbach, Schorndorf und Welzheim.

Bei einer Tankstelle in Waiblingen hätte er behauptet, dass er sein Portemonnaie zu Hause vergessen habe, sagt eine Mitarbeiterin im Zeugenstand. „Als Pfand hat er zwei Armbandketten zurückgelegt.“ An einem anderen Tag hätte er dort wieder getankt, sei aber in sein Auto gestiegen und weggefahren, berichtet die Stationsleiterin derselben Tankstelle. Als er schließlich noch einmal dort war, um sein Auto sauber zu saugen, erkannte die Stationsleiterin das Kennzeichen. Sie konfrontierte ihn damit und sagte ihm, dass sie mit dem gesichteten Videomaterial zur Polizei gehen würde, wenn er die Rechnung nicht zahle. „Er hat gesagt, dass er in einer Viertelstunde kommen würde – er kam nicht“, sagt die Zeugin aus.

Blitzerfoto mit Stinkefinger

Das Kennzeichen, das sowohl in den Videoaufnahmen der Tankstelle als auch auf den Blitzerfotos zu sehen war, gehörte einem Rentner aus Aspach. „Erst am nächsten Tag habe ich’s gemerkt“, sagt er. In kurzer Zeit hätten ihn viele Strafzettel erreicht. „Es war schon ganz gewaltig.“

Gewaltig sind auch die Anzeigen und Ordnungswidrigkeiten, die beim Polizeihauptkommissar in Winnenden eingegangen sind. „Eine beachtliche Anzahl von Geschwindigkeitsüberschreitungen“, sagt der Beamte als Zeuge. Der Angeklagte sei an manchen Tagen fünfmal geblitzt worden. „Teilweise mit Stinkefinger“, betont Richter Luippold.

Der Angeklagte fuhr insgesamt mindestens 25-mal ohne Fahrerlaubnis, davon 23-mal mit dem gestohlenen Kennzeichen. Neunmal habe er den Tankbetrag nicht gezahlt, fasst der Staatsanwalt zusammen. „Er hat ganz bewusst davon Gebrauch gemacht“, sagt er. Der Erziehungsbedarf sei bei dem Angeklagten sehr groß. „Hier ist noch ganz Erhebliches zu tun.“ Er fordert, die Jugendstrafe auf zwei Jahre aufzustocken.

Der Richter verurteilt den 19-Jährigen schließlich zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung. Neun Monate hat er bereits in U-Haft verbracht, er muss also noch 13 Monate absitzen. „Dümmer kann man sich fast nicht mehr verhalten“, bilanziert der Richter. Wäre bei den illegalen Fahrten ein Unfall passiert und wären Menschen zu Schaden gekommen, wäre dafür keine Versicherung aufgekommen. „Eine Bewährung kam nicht infrage. Ganz begriffen hat er es noch nicht, dass er sich ändern muss.“

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