Waiblingen Mit Sensoren gegen Falschparker

Hightech gegen zu langes Parken auf dem Lidl-Parkplatz: Ein Schild weist auf die runden Sensoren in der Mitte der Stellplätze hin. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

WaiblingenSchnell mal eben zum Supermarkt düsen: Während in Innenstädten oft keine Parklücke mehr zu ergattern ist, haben Autofahrer es bei vielen Filialen großer Ketten ziemlich bequem. Meistens gibt es großzügige Parkplätze, die selten voll belegt sind. Dauerparker haben hier trotzdem nichts zu suchen – die Handelshäuser üben auf ihren Parkplätzen das Hausrecht aus und können daher festlegen, wie lange man sein Fahrzeug dort abstellen darf. Üblich sind 60 oder 90 Minuten. Wer zum Einkaufen kommt, muss also eigentlich seine Parkscheibe mit der Ankunftszeit hinter die Windschutzscheibe legen (woran aber längst nicht alle Kunden denken).

Die Parkscheibe hat ausgedient

Nicht so beim Lidl in Waiblingen. Hier hat die Parkscheibe ausgedient – die Filiale in der Devizesstraße, direkt am Bahnhof, setzt auf High-Tech: Seit Mai erfassen dort Sensoren im Boden, wie lange ein Auto über ihnen steht. Schilder weisen darauf hin. Dauert es länger als eine Stunde, bekommt ein Parkplatzkontrolleur automatisch ein Signal. Und kann dann das Kennzeichen notieren. Für den Falschparker kostet das 30 Euro „Bearbeitungspauschale“, wie Lidl es nennt. „Die Gebühr kann jedoch storniert werden, sollte durch den Lidl-Kassenzettel eine längere Einkaufsdauer nachgewiesen werden können“ teilt die Pressestelle des Discounters auf Anfrage unserer Zeitung mit. Und: „Erfahrungsgemäß benötigen unsere Kunden deutlich weniger als eine Stunde.“

Zudem muss man nicht schon ab Minute 61 mit einer Zahlungsaufforderung rechnen, wie die Lidl-Pressestelle beruhigt: „Über die freie Parkzeit von einer Stunde hinaus gelten zusätzlich Karenzzeiten. Ergänzungskäufe in nahegelegenen Einzelhandelseinrichtungen sind dadurch problemlos mit der Parkdauer vereinbar.“

Lidl ist mit der noch relativ neuen Bodensensor-Technologie Vorreiter im Rems-Murr-Kreis. Außer in Waiblingen sind solche elektronischen Kontrollsysteme auch in den Filialen in Fellbach, Schorndorf und in einer Filiale in Backnang installiert, so das Unternehmen gegenüber unserer Zeitung. Die Konkurrenz setzt noch überwiegend auf ganz normale Kontrollen.

Auch Aldi hat Erfahrung mit Falschparkern

Beim Discounter Aldi Süd heißt es auf Anfrage: „Auf den Parkplätzen ihrer Filialen setzt die Regionalgesellschaft Murr gegenwärtig keine Bodensensoren zur Parkraumüberwachung ein.“ Auch Aldi hat aber Erfahrung mit Falschparkern: So komme es gerade in Innenstädten, „in der Nähe von Bürogebäuden, Arztpraxen, an Bahnhöfen oder in der Nähe von Verkehrsknotenpunkten jedoch zu Engpässen durch Fremdparker. Häufen sich die Beschwerden von Kunden, die keinen freien Parkplatz mehr finden, können unsere Filialen mit unterschiedlichen Maßnahmen reagieren – zum Beispiel mit der Installation einer Schranke, der Einführung einer Parkscheibenpflicht oder eben der Installation von Bodensensoren.“

Sensoren sind auch für andere Lebensmitteleinzelhändler noch kein Thema. „Wir setzen auf keinem unserer Parkplätze Bodensensoren ein“, schreibt Real. „Deren Einführung ist aktuell auch nicht geplant.“ Unisono heißt es bei Rewe, „aktuell“ sei in ganz Baden-Württemberg kein Parkplatz mit Sensoren ausgestattet. „Und es sind solche auch nicht konkret geplant“, so Susanne Amann, Pressesprecherin Region Südwest. Zwar entziehe es sich wegen der genossenschaftlichen Struktur ihrer Kenntnis, ob einzelne Rewe-Kaufleute solche Sensoren nutzen. „Für den Rems-Murr-Kreis können wir das nach aktuellem Kenntnisstand jedoch ausschließen.“

Überwachung durch Firma aus Stuttgart

Auch Tegut hat in Baden-Württemberg keine solchen Sensoren eingeführt, dies sei auch nicht geplant, sagt Bettina Heinrichs aus der Unternehmenskommunikation. Außerhalb der Landesgrenzen hat sie bislang nur eine Filiale. Edeka Südwest antwortete: „Ein Großteil der Edeka-Märkte wird von selbständigen Kaufleuten geführt. Diese entscheiden individuell, wie das Parken auf ihren Kundenplätzen geregelt ist und daher können wir hier keine pauschale Aussage tätigen. Bei den von uns in Eigenregie betriebenen Märkten gibt es keine Parkraumbewirtschaftung mittels Bodensensoren.“ In Berlin etwa hat die dort zuständige Regionalgesellschaft Minden-Hannover laut Medienberichten auf manchen Parkplätzen Sensoren installiert.

In Waiblingen und im Rems-Murr-Kreis findet die Sensorüberwachung vorerst also nur bei Lidl statt. Allerdings stammt die Technik nicht vom Discounter selbst, auch die Kontrollen und das ganze Abrechnungsprozedere lässt das Unternehmen andere machen: nämlich die Firma Park & Control aus Stuttgart. Der nach eigenen Angaben führende Anbieter „für zukunftsweisende Parkraumlösungen“ installiert solche Sensoren seit 2018. Das Unternehmen gehört zur Apcoa Parking Group aus Leinfelden-Echterdingen.

Die „Vertragsstrafen“, die ertappte Falschparker entrichten müssen, behält Park & Control. Dafür zahlen die Supermärkte für die Dienstleistung nichts.

Auch ein Konzept für die Stadt?

Deutschlandweit betreibt Park & Control 18 000 Stellplätze, schreibt die Kommunikationsagentur der Firma auf Anfrage. Auch hier heißt es aber: „Derzeit sind keine weiteren Parkraumbewirtschaftungen im Rems-Murr-Kreis in Planung.“

Die Kunden fänden die Sensoren jedenfalls gut, so die Agentur: „Durch die Sensortechnologie wird die Parkraumbewirtschaftung objektiviert und Falschparker können direkt nachvollziehen, warum sie einen entsprechenden Vermerk erhalten. Das steigert auch die Akzeptanz der Kunden und Besucher.“

Und was ist abgesehen von Supermärkten mit anderen Parkplatzeigentümern? Etwa der Stadt Waiblingen? „Die Stadt hat keine Absicht und sieht auch keinen Nutzen darin, solche Sensoren im öffentlichen Straßenraum einzusetzen“, sagt Werner Nußbaum, Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste. „Wir kontrollieren durch den städtischen Vollzugsdienst die Einhaltung der zulässigen Parkzeiten auf unseren bewirtschafteten öffentlichen Parkplätzen mittels Parkscheibe und Parkschein.“

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