Waiblingen Mobile Blitzer: Abzocke oder Erziehungsmaßnahme?

Symbolbild. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen. Bürger, die an gerfährlichen Straßen oder an Schulwegen leben, wünschen sich oft vergeblich mehr Tempokontrollen in ihren Straßen. Eine gefährliche Stelle vermag indes kaum einer zu erkennen, der am Samstagnachmittag An der Talaue beim Hallenbad geblitzt wird. Sollen die Bürger, wie manche mutmaßen, abkassiert werden? Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr weist das zurück: In den vergangenen drei Jahren sei die Summe der Bußgelder zurückgegangen: „Wir blitzen nicht zur Abzocke“, betont Dürr.

In der Rommelshauser Straße gibt es einen fast rechtsfreien Raum: Im vorderen Teil der Straße entlang des Remswerks müssen sich die Auto- und Busfahrer Tag für Tag an den auf dem Gehweg parkenden Autos vorbeischlängeln. Gefährliche Situationen sind an der Tagesordnung. Das weiß man auch bei der Stadt. Geblitzt wird aber weit dahinter Richtung Rommelshausen, wo kurz vor dem Ortsschild kaum noch Fußgänger unterwegs sind und die nächsten Häuser nicht zu sehen sind. Das leuchtet spontan nicht jedem ein. Auf Anfrage verweist Werner Nussbaum, Fachbereichsleiter Bürgerdienste bei der Stadt Waiblingen, indes auf Anwohnerbeschwerden vor mehr als zwanzig Jahren. Seitdem werde dort immer wieder kontrolliert. Zuletzt sei dort ein Fahrzeug mit 86 km/h geblitzt worden. Vorrangiges Ziel der Kontrollen sei aber die Verkehrsunfallprävention, sagt Nussbaum. Gefahrenträchtige Stellen sollen überwacht werden. Aus diesem Grund werde in schutzwürdigen Straßenabschnitten wie an Schulen, Kindergärten, Altenheimen, Wohngebieten und Spielplätzen verstärkt kontrolliert, so Nussbaum. Zudem werde das Tempo zum Schutz der Anwohner vor Verkehrslärm und –abgasen gemessen.

Bürger fordern immer wieder vergeblich Messungen in ihren Straßen

Auch vor dem Hintergrund dieser Erklärung leuchtet es nicht jedem Autofahrer unmittelbar ein, wenn der mobile Blitzer dann an Bereichen wie beim Hallenbad auftaucht. Gut getarnt an einer Stelle, wo niemand wohnt und keine Fußgänger unterwegs sind. Andererseits fordern Bürger immer wieder vergeblich, die Stadt möge in ihren Straßen messen – etwa an der Neustädter Straße, wo die Anwohner seit Jahren unter dem Verkehrlärm leiden. Dort ist die stationäre Blitzanlage nur noch Attrappe. Wer dort zu schnell fährt, wird schon lange nicht mehr geblitzt.

Nach welchen Kriterien werden die mobilen Blitzer also aufgestellt?

Als Antwort verweist Nussbaum zunächst einmal generell auf überhöhte Geschwindigkeiten im Straßenverkehr, die die Hauptursache von Unfällen seien. Überall und ständig müsse der Bürger deshalb mit Kontrollen rechnen. Um langfristig das Geschwindigkeitsniveau zu senken, solle mit einem flächendeckend hohen Kontrolldruck im gesamten Straßennetz entschieden gegen diese Unfallursache vorgegangen werden. Bereits geringe Geschwindigkeitsdifferenzen entscheiden laut Nussbaum über Leben oder Tod. „Daher ist bei rund 800 Messstunden im Jahr grundsätzlich zu jeder Tages- und Nachtzeit auf dem gesamten Straßennetz mit Geschwindigkeitskontrollen zu rechnen“, sagt er. Gemessen wird deshalb auch an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen.

Sechs Mitarbeiter des Vollzugsdienstes sind mit verschiedenen Messfahrzeugen und Messsystemen jährlich in den Straßen des gesamten Stadtgebietes im Einsatz. Waiblingen mietet die Verkehrsüberwachungstechnik der Firma Vidicon aus Weinstadt, die nicht nur die passenden beweissicheren Messgeräte, sondern auch das nötige personelle und technische Know-how zur Verfügung stellt. Geblitzt wird nach Angaben von Ordnungsamtsleiter Oliver Conradt in allen Ortschaften und im Stadtgebiet, wobei die Stadt durchaus auch die Beschwerden von Anwohnern berücksichtige – und die Frage, wo längere Zeit nicht gemessen worden sei.

Ordnungsamtsleiter: „Der Bürger soll sich nicht sicher sein, dass nicht gemessen wird“

Mehr als 100 Messstellen gibt es laut Werner Nussbaum in Waiblingen. Diese müssten für die Messungen von der Lage her geeignet sein, seien immer an derselben Stelle und dürften nicht erkennbar sein. „Die Entscheidung, wo gemessen wird, kann man nicht dem Aufsteller überlassen“, betont Nussbaum. Wobei er aber einräumt, dass es auch die Stadt niemandem recht machen könne. „Der Bürger soll sich nicht sicher sein, dass nicht gemessen wird“, betont Ordnungsamtsleiter Oliver Conradt. Auch an weniger unfallträchtigen Stellen müsse er stets mit Kontrollen rechnen.

Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr sieht in den Kontrollen erzieherische Maßnahmen. Keinesfalls wolle die Stadt die Autofahrer einfach abzocken.


 

Feste Blitzersäulen

Nach Einführung des Poliscan-Systems der Firma Vitronic am Teiler B 14/B 29 wurden Zug um Zug folgende Standorte mit entsprechenden Säulenblitzern neu eingerichtet bzw. umgerüstet:

An der B 14 Waiblingen Nord beim Wohngebiet Korber Höhe

An der L 1193 (alte B 14) auf Höhe Fußgängerampel Wohngebiet Rötepark

An der Ampelkreuzung L 1193 (alte B 14)/Westumfahrung

An der Klinglestalstraße in Neustadt beim Trollinger Weg

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