Waiblingen Nach Großbrand: Alba baut eine neue Halle

Alba-Geschäftsführer Michael Stutz ist froh, dass das Kapitel nach dem Brand bald abgeschlossen ist. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen.
Knapp zwei Jahre nach dem verheerenden Brand beim Müll-Entsorger Alba wird die abgebrannte Halle im Eisental wieder aufgebaut. Kommende Woche rollt der Baukran an. Die Fundamente, die durch die immense Hitze zerstört wurden, müssen neu gelegt und die Halle von Grund auf neu gebaut werden. Im September will Alba die Halle in Betrieb nehmen – und damit das Kapitel nach dem Großbrand beenden. Mit einem Strafbefehl gegen einen Mitarbeiter ist das Verfahren auch beim Amtsgericht beendet.

Großeinsatz im Mai 2018

Den 9. Mai 2018 wird Alba-Geschäftsführer Michael Stutz nie vergessen. In den Morgenstunden war in einer Halle, in der Papier, Kunststoffabfälle, Altbatterien und ausgediente Spraydosen gelagert und gepresst wurden, ein Feuer ausgebrochen. Eine dunkelschwarze Rauchwolke war kilometerweit zu sehen. Noch in Schorndorf und Göppingen, in Remseck-Pattonville und Schwieberdingen, in Kornwestheim und beim Flughafen auf den Fildern wurden die Menschen vom bedrohlich aussehenden Rauch aufgeschreckt: Feuerwehr, Rettungsdienst sowie Polizei waren im Großeinsatz, das Eisental großräumig gesperrt. Aufgrund der starken Rauchentwicklung bat die Polizei, Türen und Fenster im erweiterten Umkreis geschlossen zu halten. Am Nachmittag kam dann die Entwarnung: Wasser-, Wisch- und Bodenproben waren untersucht worden, relevante Schadstoffe nach Angaben der Feuerwehr nicht gefunden worden. Noch sehr viel länger dauerte es allerdings, die Ursache des Brandes und die Höhe des Schadens zu ermitteln.

"Wir werden die Halle genau so wieder aufbauen, wie sie war"

Knapp zwei Jahre später geht Geschäftsführer Michael Stutz von einem Gesamtschaden zwischen sechs und sieben Millionen Euro aus. „Wir werden die Halle genau so wieder aufbauen, wie sie war“, kündigt er an. Dazu gehören auch die Brandmeldeanlagen und Rauch-Wärme-Abzugsklappen, die sich beim Brand bewährt hätten. Stabiler wird die Dachkonstruktion: Nach dem Einsturz der Eislaufhalle in Bad Reichenhall seien die Anforderungen an die Statik verschärft worden.

Für viele hat es überraschend lang gedauert, bis der Müll-Entsorger mit dem Wiederaufbau beginnen konnte. Die Pläne, erklärt der Geschäftsführer, mussten neu erstellt werden, bei der Stadt eine neue Baugenehmigung eingeholt und die Ausschreibungen auf den Weg gebracht werden. Angebote aus ganz Deutschland seien eingegangen, berichtet Stutz, durchsetzen konnte sich am Ende der Fellbacher Bauunternehmer Heid. Sehr aufwendig hätten sich aber auch die Aufräumarbeiten auf dem verwüsteten Areal gestaltet. „Die Räumung wurde die ganze Zeit von den Kriminaltechnikern begleitet“, erklärt der Geschäftsführer.

Strafbefehl gegen langjährigen Alba-Mitarbeiter

Mittlerweile geht man davon, dass sich ein ölverschmutzter Lappen oder eine Lithiumbatterie in einem Abfallsonderbehälter selbst entzündet hatte. Das Waiblinger Amtsgericht erließ gegen einen langjährigen Alba-Mitarbeiter einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Brandstiftung. Der Mann sei unsachgemäß mit den Abfällen umgegangen und habe so den Brand fahrlässig verursacht. Für Alba-Geschäftsführer Michael Stutz war der Auslöser letztlich ein Versehen des Mannes – und eine Verkettung unglücklicher Umstände. „Wir stehen voll hinter dem Mann“, betont er. „Er leistet sehr gute Arbeit. Ich kann auf ihn nichts kommen lassen.“ Mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen muss der Mitarbeiter, der weiter bei Alba arbeitet, also nicht rechnen. Die Versicherung übernimmt die Kosten des Schadens.

Volles Verständnis hat Michael Stutz für seine Nachbarn, die nach dem Brand eine Kontaminierung der Böden in der Umgebung befürchtet hatten. „Die Rauchsäule war schwarz und hoch“, erinnert Stutz: „Den Befürchtungen musste man sich stellen.“ Noch am selben Tag gab die Feuerwehr bei einer Pressekonferenz Entwarnung. Dass sich ein Risiko nie zu hundert Prozent ausschließen lässt, weiß Stutz durchaus. Um es in Waiblingen zu minimieren, hat Alba begonnen, Teile des Sondermülls nicht mehr im Eisental, sondern an anderen Standorten wie dem Hafen zwischenzulagern oder direkt in die Verwertung zu geben. „Wir wollen den Umschlag in Waiblingen deutlich reduzieren“, sagt der Geschäftsführer. So könnten im Fall eines Brandes die Auswirkungen auf die Umwelt eingeschränkt werden. Kein Mittel sei dies allerdings, wenn die Abfallerzeuger ihren Müll nicht sauber trennen. Gegen Fehlwürfe von Problemmüll in die Tonne seien die Entsorger machtlos.


Unsere Berichterstattung zum Thema

09.05.2018: Live-Blog: Großbrand im Eisental

09.05.2018: Feuer in der Lagerhalle von Alba

12.05.2018: Großbrand bei Alba: Besteht eine Gefahr für die Gesundheit?

14.05.2018: Großbrand bei Alba: Kripo ermittelt weiter

08.06.2018: Brandursache bei Alba weiter unklar

02.08.2018: Großbrand bei Alba: Ermittlungen dauern an

10.08.2018: Abfallentsorgung anfällig für Brände

23.10.2018: Alba-Brand: Akte liegt beim Staatsanwalt

27.03.2019: Großbrand bei Alba: Verdacht gegen Mitarbeiter wegen fahrlässiger Brandstiftung

28.03.2019: Erneuter Brand bei Alba: Mehrere Personen leicht verletzt

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