Waiblingen Faschingsumzug in Waiblingen

Waiblingen. Es ist grau und kalt am Samstagnachmittag, aber die Stadt ist in heiterer, bunter, ausgelassener Stimmung. Fasching macht’s möglich. Tausende sind in die Waiblinger City geströmt, um den Winterblues zu vertreiben. Die Narrenschar gibt zum Ende der fünften Jahreszeit nochmal richtig Gas. Häs in allen Farben, Guggenmusik in allen Gassen – beim großen Faschingsumzug herrscht gute Laune, es wird gelacht, getanzt, gelärmt. Trommeln bringen die Luft zum Vibrieren.

Was für ein wildes Treiben! Schon beim Aufmarsch gleich neben der Stihl-Galerie geht es munter zu, die rund 1800 Teilnehmer versammeln sich dort an der Rems, bunt kostümiert oder auch ganz in Schwarz, viele mit Masken, teils teuflisch, teils kuschelig-süß, auf jeden Fall kreativ gestaltet. Nasen, Augen, Kinn – einfach verrückt, wie sich die Gesichtspartien formen lassen. Zuvor hat es für die Gäste den Zunftmeister- und Präsidentenempfang im Rathaus gegeben – mit Wein, dem süffigen Ratströpfle und Salzgebäck.

Umzug seit über 30 Jahren

Die Narren kommen aus Ingersheim, Bad Cannstatt, Remseck, Rechberghausen, Nagold, Reichenbach, Esslingen und vielen anderen Kommunen. Waiblingen ist schon lange eine ihrer Hochburgen – seit mehr als 30 Jahren gibt es den Umzug. Und auch das gibt es zu bestaunen: einen alten Trabi, an dem eine Rauchmaschine montiert ist, auf dem Dach fläzt eine Hexe. Dichter Qualm steigt auf – so was ist nur während der verrückten Tage erlaubt. Bei der städtischen Touristik-Info hat man sich zwei Tage zuvor noch unwissend gezeigt, konnte zum Startpunkt des Umzugs keine Angaben machen. Der echte Narr, und nur auf den kommt es an, verzeiht’s. Er tanzt munter dem Frühling entgegen, und nichts kann ihn dabei beirren.

Und los geht’s pünktlich um 14.30 Uhr: An die Spitze des Zugs setzt sich Oberbürgermeister Andreas Hesky, als Neptun verkleidet, vom Neckar kommend. Sein fantasievoll konstruiertes Gefährt symbolisiert Fischtreppen entlang der sogenannten Remsschlingen. „Jedes Jahr gibt es etwas, was man darstellen kann, und es macht Spaß. Vor allem gehören die Leute unterstützt, die diese Veranstaltung durchführen“, sagt Hesky.

85 Gruppen und Vereine

Dem Stadtoberhaupt folgt eine nicht enden wollende Parade von 85 Gruppen und Vereinen – Spielmannszüge mit Flöten, Trompeten und Trommeln, Narren- und Hexenverbände, Dämonen, rot-weiß kostümierte Tänzerinnen mit kurzen Rücken, zottelige Werwölfe, Kinder als Schafe verkleidet. Weiter vorne marschieren die beiden heimischen Vereine mit, die Waiblinger Karnevalsgesellschaft und die 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft, die den Umzug organisiert haben. Die Woiblinger Ohrawusler machen sich mit ihrem markanten Sound bemerkbar. Die ganze Schar zieht vom Waldmühlenweg zur Fronackerstraße, von der Unteren Lindenstraße zur Bahnhofstraße, zum Alten Postplatz und dann wieder zurück zum Stadtgraben. An der Querspange biegt sie in die Lange Straße ein, um über die Kurze Straße zum Rathausvorplatz zu gelangen.

Nichts machen die Hexen lieber, als Kinder zu erschrecken

Immer wieder gerät der Zug ins Stocken - macht nichts, dann wird halt im Kreis weitergetanzt. Die Schaulustigen am Straßenrand haben jede Menge zu gucken, und eifrig sammeln sie die Bonbons auf, die ihnen zugeworfen werden. Immer wieder gibt es Konfetti-Attacken. Und die Hexen sind gut drauf. Nichts machen sie lieber, als kleine Kinder zu erschrecken, bis sie quietschen. Ein ewiges Ritual. Nur an der Fronackerstraße geht es enger zu, dort erfährt das Publikum aus dröhnenden Lautsprechern, wer gerade die Straße herunterkommt. Dazu intonieren die Darsteller ihre Narrenrufe. Auf jeden Fall beweisen sie Kondition: Erst nach mehr als zwei Stunden treffen die letzten Narren auf dem Rathausvorplatz ein. Die Polizei spricht von einer entspannten Atmosphäre, sie gibt die Zahl der Besucher mit 4000 an. Und kaum ist der Umzug zu Ende, sind die Kehrmaschinen unterwegs.

Unterwegs mit Kindern und Enkeln

Wen man auch fragt, alle sind begeistert: „Also mir gefällt das sehr gut. Ich bin jedes Jahr dabei, an der gleichen Stelle – mit meinen Kindern und Enkeln“, sagt Ewald Fried aus Neustadt. Ein älteres Ehepaar aus Weinstadt bekennt, ganz und gar nicht faschingsbegeistert zu sein. „Aber wir gucken gerne zu, wir haben unseren Spaß daran.“ Eine Frau aus dem Schwarzwald, die ebenfalls nicht mit Namen genannt werden will, findet, es sei ein schöner Umzug. „Ich bin jedes Jahr dabei. Das ist für mich schon eine Pflichtveranstaltung.“ Dieter Streitenberger, Präsident der 1. Waiblinger Faschingsgesellschaft, zeigt sich am Ende begeistert: „Das Wetter war trocken, die Stimmung gut. Und unser Oberbürgermeister macht immer super mit.“ Jörg Knöllinger von der Waiblinger Karneval-Gesellschaft ist voller Stolz: „Da sehen Sie, was die Faschingsvereine in den letzten Jahren geleistet haben.“

Fasching

Neben dem christlichen Ursprung hat der Fasching (oder Fasnet) vermutlich Wurzeln in germanischen Frühlingsfesten.

In vorchristlicher Zeit verkleideten sich die Menschen zum Winterende als Geister und Dämonen. In einem großen Spektakel wurden sie dann symbolisch aus den Städten und Dörfern vertrieben. Schellen und Trommeln sollten dabei die Frühlingsgeister wecken. Bevor die Menschen vor Ostern fasteten, wurde noch mal ordentlich gegessen und getrunken.

Als Beginn der Fastnachtszeit gilt in vielen deutschsprachigen Ländern der Dreikönigstag, der 6. Januar. In der Nacht zu Aschermittwoch um Punkt Mitternacht endet die närrische Zeit.

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