Waiblingen Natur-Kindergarten öffnet im April

Joy Fehm mit den Walliser Schwarznasenschafen Maja (vorne) und Anne. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen.
Viele dicke Bretter musste Joy Fehm bohren, doch nun hat die 32-jährige Sozialpädagogin ihr Ziel ganz nah vor Augen: Im April soll an der Waldmühle ein neuer Kindergarten mit 40 Plätzen öffnen. Die Besonderheit ist nicht nur, dass er von einem privaten Träger betrieben wird, sondern die Schwerpunkte: Naturpädagogik und tiergestützte Arbeit.

Bereits seit 2011 betreibt die Waiblingerin auf dem im Familienbesitz befindlichen weitläufigen Gelände der Waldmühle eine Einrichtung für Naturpädagogik. Schon damals zu Anfangszeiten regte sich in ihr der Wunsch, einen „eigenen“ Kindergarten aufzubauen. „Eigentlich hatte ich gedacht, dass meine große Tochter ihn besuchen könnte - aber die kommt im Sommer in die Schule.“ Die zweite Tochter allerdings hat ihren Platz in der Waldmühle sicher.

Der Stadt Waiblingen kamen die Pläne grundsätzlich gelegen. Denn wegen eines unerwarteten Kindersegens werden in der Kernstadt dringend Kindergarten-Plätze gebraucht. Die in der Waldmühle vorgesehenen 40 Ganztagesplätze für Kinder ab drei Jahren tragen dazu bei, die Lage etwas zu entspannen.

Empathie lernen beim Umgang mit Tieren

Bedenken gab es dennoch: Sie betrafen die bauliche Situation und eine befürchtete Konkurrenz zur Jugendfarm auf der Korber Höhe. Außerdem stand die bange Frage im Raum: Kann es gutgehen, wenn eine Privatperson einen Kindergarten betreibt? Inzwischen haben sich die Dinge allerdings so entwickelt, dass die erfahrene private Betreiberfirma Konzept-e die Kita führt.

Ihr bewährtes Konzept wird auf die vielfältigen Möglichkeiten der Waldmühle zugeschnitten, trotzdem bleiben die Kita und die bestehende Einrichtung der Waldmühle, die weiter Erlebnistage, Alpaka-Wanderungen und neuerdings immer öfter auch ökologisch-alternative Junggesellinnen-Abschiede anbietet, organisatorisch getrennt.

Jedoch macht Joy Fehm selbst als Partnerin tägliche Programm-Angebote, bei denen die Kinder das grüne Gelände nutzen und mit Kaninchen, Hühnern, Schafen, Haushund Ben und eben den Alpakas in Kontakt kommen. Beim Umgang mit Tieren, weiß die Sozialpädagogin, lernen Kinder, sich in andere Lebewesen einzufühlen und sie zu respektieren. Und sie erleben ein beglückendes Gefühl von Selbstwirksamkeit, wenn es gelingt, mit den tierischen Waldmühle-Bewohnern zu interagieren.

Derzeit werden im Neubau die Böden verlegt

Der Neubau auf dem Gelände der Waldmühle ist mittlerweile weit fortgeschritten und verlief seit März 2019 nahezu problemlos. Die alte Redensart „Bauen schafft Grauen“ fand die junge Bauherrin zu ihrer Erleichterung nicht bestätigt. Lediglich Tiefergründungen mussten unerwartet getätigt werden. Und über die Jahre waren wie überall Kostensteigerungen zu verdauen.

Derzeit werden im Neubau, für den zunächst ein umfangreicher Erdaushub notwendig war, die Böden verlegt. Im Erdgeschoss befindet sich der Eingangsbereich mit Garderoben, Foyer und Funktionsräumen, im ersten Obergeschoss der eigentliche Kindergarten, der nach einem offenen Konzept mit offener Küche, „Marktplatz“ und Themenräumen arbeitet, so dass sich die Kinder ihre Beschäftigung selbst wählen können.

Im zweiten Obergeschoss zieht Joy Fehm mit ihrer bestehenden, offenen Einrichtung der Waldmühle ein. Ihre neue Räumlichkeit umfasst eine kleine Küche, Toiletten und einen schönen Veranstaltungsraum mit Nebenraum und grünem Außengelände, das den Besuchern zur Verfügung steht, und welche im Rahmen von Firmenevents, Familienfeiern, Geburtstagen und Coachings mit den oder auch ohne die bestehenden tiergestützten Angebote gebucht werden können.

Eltern können sich informieren

Vorübergehend hatte in der Waldmühle die Situation im Element-i-Kinderhaus Finkenburg auf der Korber Höhe Sorgenfalten ausgelöst. Dort mussten wegen einer Serie von Personalausfällen die Öffnungszeiten über Monate eingeschränkt werden. Inzwischen verläuft aber alles seit längerer Zeit wieder in geregelten Bahnen, berichtet Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr.

Auch Gebühren- beziehungsweise Zuschuss-Rückzahlungen an Eltern und Stadt wurden vollständig geleistet. Der Personalgewinnung für die Waldmühle könnte zugutekommen, dass die naturnahe Pädagogik unter Erzieherinnen als besonders attraktiv gilt.

Planmäßig kann nun zum 1. April der Kindergartenbetrieb gestartet werden – und mit ihm die tägliche Kooperation zwischen „Kinderhaus Waldmühle“ und der „Waldmühle Waiblingen“. Eltern können sich informieren: Da der Kindergarten ja noch nicht fertiggestellt ist, wird an diesem Mittwoch, 22. Januar, um 18.30 Uhr ein Infoabend im Element-i-Kinderhaus Finkenburg, Salierstraße 107 in Waiblingen, stattfinden. Interessierte können sich bei Juliane Seeger von Konzept-e per Mail (juliane.seeger@konzept-e.de) anmelden.

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