Waiblingen-Neustadt Fahrkartenautomat gesprengt: Banden am Werk?

Der aufgesprengte Automat am Neustädter Bahnhof. Foto: www.7aktuell.de/Kevin Lermer

Waiblingen.
Ein lauter Knall muss am frühen Donnerstagmorgen gegen 5.30 Uhr vom Bahnhof Neustadt-Hohenacker her zu vernehmen gewesen sein. Eine Sprengung riss die gesamte Vorderseite eines DB-Fahrkartenautomaten auf. 10 000 Euro Schaden sind am Automaten entstanden.

Eine reichlich sinnlose Sachbeschädigung und kriminelle Unternehmung, sagt Polizeisprecher Robert Kreidler, denn einen Großteil der Scheine der innen befindlichen Geldbox wurde bei dem gewaltsamen Aufbruch entwertet. Eine Kartusche voller Sicherheitsfarbe ist aufgeplatzt und hat das Geld eingefärbt. „Die Geldscheine wurden trotzdem mitgenommen. Die Täter werden aber nicht viel damit anfangen können“, so Kreidler.

Welches Explosivmittel verwendet worden ist, will die Polizei nicht verraten, um keine Nachahmer auf den Plan zu rufen. Denn leider nehmen trotz des flächendeckenden Einsatzes von Sicherheitsfarbe gewaltsame Aufbrüche und Sprengungen von Automaten stetig zu.

BKA verzeichnet deutlichen Anstieg solcher Fälle

Das Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlicht seit 2015 ein jährliches Dossier eigens über „Angriffe auf Geldautomaten“. Allein 2018 wurden dem BKA 369 versuchte und vollendete Automaten-Sprengungen bekannt. Gegenüber dem Vorjahr 2017 (268 Fälle) war damit ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen. Solche Sprengungen werden laut BKA in der Regel durch Gasgemische herbeigeführt, seltener „mit Explosivstoffen (zum Beispiel pyrotechnische Sätze, Selbstlaborate, gewerbliche Sprengstoffe)“.

Der Schwerpunkt solcher Automatensprengungen liegt in Nordrhein-Westfalen (2018: 108 Fälle). Baden-Württemberg liegt etwa im Bundesdurchschnitt (2018: 21 Fälle). Im Rems-Murr-Kreis wurden im Zeitraum 2014 bis 2018 laut Polizeipräsidium Aalen 14 Automaten gesprengt. Jüngst wurden zwei Fälle bekannt:
 

  • In einer Nacht Mitte August 2018 ist ein Zigarettenautomat in der Otto-Hahn-Straße in Winnenden gesprengt worden. Münzen, Metall- und Kunststoffteile lagen im Umkreis von mehreren Metern verstreut auf dem Boden. Der Geldscheinbehälter des Automaten wurde leer aufgefunden.
     
  • Im April 2018 traf es den erst kurz zuvor installierten Geldautomaten im Kaisersbacher Schwaben Park. An das Geld kamen die Täter jedoch nicht. Selbst wenn ihnen dies gelungen wäre, hätte eine Farbpatrone in der Tresor-Kassette die Scheine sowieso unbrauchbar gemacht. Der laute Knall in der Nacht auf jenen Samstag hatte im Schwaben Park nicht nur die Geschäftsführer-Familie Hudelmaier aus den Betten geworfen, sondern auch die Schimpansen, Ziegen und Papageien in den anliegenden Gehegen verschreckt. Die Zerstörungskraft des per Zünder entflammten, vorher in den Automaten geleiteten Gases war enorm. Nicht nur der Geldautomat, sondern auch der daneben aufgestellte Getränkeautomat wurden zerstört. Und auch der Pavillon, in dem sich die Automaten befanden, wurde in Mitleidenschaft gezogen. Trümmerteile schleuderten durch die Luft und wurden später in einem 20-Meter-Umkreis des Pavillons gefunden. Vereinzelt fielen Dachziegel von den umliegenden Gebäuden. Der Schaden damals wurde auf mindestens 20 000 Euro geschätzt.

Tatverdächtige aus Holland

„Von den im Jahr 2018 festgestellten 128 Tatverdächtigen sind 92 Personen als reisende Täter einzustufen. Der größte Anteil stammte mit 65 Personen aus den Niederlanden, gefolgt von Tatverdächtigen aus Polen (22 Personen)“, teilt das BKA in puncto Automaten-Sprengungen im Jahr 2018 mit.

Im Oktober 2018 konnten Spezialeinsatzkräfte der bayerischen Polizei in Germering einen Automatensprenger auf frischer Tat festnehmen. „Dieser hatte versucht, sich mit einem hochmotorisierten Pkw rücksichtslos dem Zugriff zu entziehen und verletzte dabei drei Polizeibeamte, einen davon schwer. Ein zweiter Tatbeteiligter konnte sich der Festnahme entziehen“, steht im Polizeibericht.

In einer nahegelegenen Wohnung wurden dann drei mutmaßliche Logistikhelfer festgenommen, welche innerhalb der Tätergruppe für das Auskundschaften geeigneter Tatobjekte verantwortlich gewesen sein dürften, so das BKA. „Die Festgenommenen gehören einem kriminellen Netzwerk an, dessen Mitglieder zur Tatbegehung aus den Niederlanden nach Deutschland einreisen.“

Nach Erkenntnissen der niederländischen Polizei handelt es sich um mehrere Hundert Personen, vornehmlich niederländische Staatsangehörige mit marokkanischer Herkunft, so das BKA. „Bei der Tatausübung gehen die Personen hochprofessionell vor. Sie sind in der Lage, Geldautomaten innerhalb weniger Minuten zu öffnen und verwenden zur Flucht hauptsächlich hochmotorisierte Kraftfahrzeuge.“

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