Waiblingen Polizeichef Ralf Michelfelder geht

Ralf Michelfelder. Foto: Bernhardt / ZVW

Waiblingen/Stuttgart. Polizeichef Ralf Michelfelder verlässt das Präsidium Aalen und geht nach Stuttgart – er wird Präsident des Landeskriminalamts. Überraschend ist das nicht: Michelfelder, 55, gilt seit Jahren als Mann für höhere Aufgaben.

Der Mann, der die Polizeifachhochschule Villingen-Schwenningen als Jahrgangsbester absolvierte, arbeitete zwischen 1995 und 2005 zunächst im LKA, dann im Innenministerium und profilierte sich breit: bekämpfte organisierte Kriminalität, Geldwäsche, Cyber-Crime, Korruption; betreute den Einsatz verdeckter Ermittler; konzipierte neue Organisationseinheiten; begleitete Auslandsprojekte, bereiste internationale Kongresse. 2005 wurde er als damals jüngster Leiter einer baden-württembergischen Polizeidirektion Chef in Waiblingen und baute die Behörde zur Vorzeige-Einrichtung aus, mit hochmotiviertem Personal und modernster Technik-Ausstattung, dank Geld aus dem Innenministerium.

Für den Aufstieg womöglich ebenso wichtig wie die Fachkompetenz: Auf all seinen Stationen entpuppte Michelfelder sich als unermüdlicher Netzwerker. Er pflegt enge Kontakte nicht nur ins Innenministerium und in die Polizei von der Praktiker-Basis bis in hohe Führungsränge; zu seinen Connections gehören auch Verwaltungsleute wie der jetzt scheidende Landrat Johannes Fuchs, Wirtschaftsköpfe wie Kärcher-Chef Hartmut Jenner und jede Menge Politiker quer durch das Parteienspektrum.

Dieses politische Näschen ist im neuen Job wichtig. Das LKA mit rund 1100 Beschäftigten ist nicht nur ein hochspezialisiertes Kompetenzzentrum beim Kampf gegen schwere Kriminalität, sondern auch ein verlängerter Arm des Innenministeriums, eine politische Schlüsselbehörde: wertet zentral Daten aus, die für Verbrechens-Verfolgung und -Vorbeugung wichtig sind, entwickelt Strategien und Standards, die dann draußen in der Fläche umgesetzt werden. Das LKA ist das Zahnrad zwischen Innenminister und Landespolizei.

Der Sozialdemokat Reinhold Gall ist seit seinem Amtsantritt in einer heiklen Position: Er hat einen Polizeiapparat unter sich, der bis heute massiv unter Unions-Einfluss steht, viele Führungskräfte sind eng vernetzt über den „CDU-Arbeitskreis Polizei Baden-Württemberg“. Sogar der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lautensack, ist Unionist. Das mag auch die Proteste gegen die Polizeireform befeuert haben – Schwarz-Gelb hatte das notwendige, aber unbequeme Projekt immer wieder auf die lange Bank geschoben, Innenminister Gall packte es an. Als es danach Kritik an Anlaufschwierigkeiten und Zuschnitt setzte, war oft schwer auseinanderzuhalten: Was ist berechtigte Sorge, nachvollziehbares Murren? Und was verdeckter Wahlkampf, Sabotageversuch gegen einen SPD-Wurf? Vor diesem Hintergrund ist der LKA-Chef Michelfelder, wenngleich FDP-nahe, eine stimmige Wahl: Er hat er die Reform loyal umzusetzen geholfen. Und weil er viele Kollegen kennt, kann er im Land glaubwürdig werben für Vorgaben aus dem Ministerium.

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