Waiblingen Real im Remspark: 180 Arbeitsplätze in Gefahr?

Im Waiblinger Einkaufszentrum Remspark ist der Real wohl der wichtigste Mieter. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen.
Im Real im Remspark gibt es fast alles: Im Markt kann man nicht nur Lebensmittel, sondern auch günstige Kleidung, Bücher, Schreibwaren und Küchenutensilien kaufen. Doch jetzt ist die Zukunft des Marktes ungewiss und damit auch, wie es für die rund 180 Mitarbeiter weitergeht. Denn die Metro AG wird voraussichtlich Ende Januar alle 277 Real-Märkte in Deutschland an ein Konsortium, bestehend aus den Firmen SCP Group und X+Bricks, verkaufen, wie die Unternehmen vor einigen Wochen mitteilten. Dazu haben die Metro und das Konsortium ein in solchen Fällen übliches „Memorandum of Understanding“ unterzeichnet, das zum einen dem Käufer Exklusivität zusichert, zum anderen als Absichtserklärung für den Verkauf dient.

Nachdem im vergangenen Jahr die Gespräche über eine mögliche Übernahme durch die Redos Real Estate GmbH gescheitert waren, die deutschlandweit in großflächige Einzelhandelsimmobilien investiert, hat sich der zweite Interessent X+Bricks durchgesetzt. Das in Frankfurt beheimatete Unternehmen investiert ebenfalls in Einzelhandelsimmobilien, vor allem im Bereich Lebensmittelhandel.

Komplexe Beteiligungsstrukturen beim neuen Eigentümer

Das deutsche Unternehmen X+Bricks ist in der frühen Phase seiner Gründung maßgeblich durch Gelder der russischen SCP Group finanziert worden, wie aus der Internetseite von SCP hervorgeht. X+Bricks befindet sich nach wie vor im Portfolio der SCP Group. Diese ist daher höchstwahrscheinlich auch an den strategischen Entscheidungen im Unternehmen beteiligt. Die SCP Group, die sich als Investmentfirma auf gewerbliche Immobilien in Europa spezialisiert hat, gehört wiederum zum Portfolio von Sistema Finance, einer großen Investmentfirma, die selbst zur größten Investmentholding Russlands, Sistema, gehört, die in 15 Sektoren aktiv ist.

Sistema hat unter anderem Beteiligungen am größten Telekommunikationskonzern in Russland, an einem der größten russischen Hotel-Management-Unternehmen, an Agrarunternehmen und der RTI-Gruppe, die aus Unternehmen im Bereich Verteidigung, Überwachung, Sicherheit und Informationssysteme besteht. Dabei gehört die Mehrheit der Anteile von Sistema nach eigenen Angaben dem russischen Milliardär Wladimir Jewtuschenkow, der einer der reichsten Männer Russland ist. Der Oligarch hat laut der Analysefirma Netstudien in Moskau großen politischen Einfluss.

Das operative Geschäft von Real, der Onlinehandel sowie die 80 Real-Immobilien sollen laut Metro zu 100 Prozent an das Konsortium verkauft werden. Dabei rechnet Metro im Rahmen des Verkaufs des angeschlagenen Tochterunternehmens mit einem Zufluss von 500 Millionen Euro.

Durch den geplanten Verkauf der Warenhauskette ist nach Einschätzung des Betriebsrates fast jeder dritte der noch vorhandenen 34 000 Arbeitsplätze bei der Metro-Tochter gefährdet. „Der Gesamtbetriebsrat rechnet mit etwa 10 000 Arbeitslosen“, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende des Unternehmens, Werner Klockhaus, im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“.

Laut dem Geschäftsleiter von Real im Remspark, Norbert Heinlein, arbeiten zurzeit etwa 180 Menschen im Markt in Waiblingen in Voll- oder Teilzeit. Zu dem Verkauf der Metro wollte er gegenüber dieser Zeitung keine Stellung nehmen und verwies auf die Metro-Pressestelle. Eine Pressesprecherin der Metro antwortete auf eine Anfrage per E-Mail, man könne sich „während des laufenden Verkaufsprozesses nicht zu einzelnen Standorten äußern“.

Der Fachbereichsleiter Handel der Gewerkschaft Verdi Baden-Württemberg, Bernhard Franke, sagte unserer Zeitung, es gebe für ein Drittel aller Real-Märkte Interesse von Seiten der größten Einzelhandelsunternehmen, darunter Edeka, Kaufland und Rewe.

„Was mit den restlichen Filialen geschieht, ist unklar“

„Diese werden alle für dieselben Objekte bieten und für die anderen nicht“, sagte Franke: „Was mit den restlichen Filialen geschieht, ist unklar.“ Man gehe davon aus, dass ein Drittel der Filialen geschlossen wird. Zwar will X+Bricks zusammen mit Metro ein Drittel der Märkte weiterführen, doch der Gewerkschafter Franke hat Zweifel an dem Vorhaben: Die verbleibenden Filialen bekämen nicht mehr dieselben Konditionen mit Lieferanten und auch die Logistik falle weg. „Ich halte das für eine ziemliche Luftnummer“, erklärte er. Folgt man Bernhard Frankes Aussagen, könnten deutschlandweit mittelfristig noch weit mehr als 10 000 Arbeitsplätze bedroht sein. Vor allem, wenn man zusätzlich die Auswirkungen auf Logistik und Zulieferer berücksichtigt.

In einer Gesamtbetriebsratsvereinbarung ist laut Franke ein sogenannter Vorratssozialplan festgehalten, der im Falle der Schließung Abfindungen für die Mitarbeiter vorsieht. Bei Märkten, die von einem anderen Handelsunternehmen übernommen werden, besteht laut Franke jedoch die Gefahr, dass die Angestellten bei einem mehrmonatigen Umbau nicht automatisch übernommen würden, sondern erst mal auf der Straße stünden.

Das Management des Remsparks war für einen Kommentar nicht zu erreichen. Mit einer Schließung des Marktes wäre auch die Zukunft des Einkaufscenters ungewiss. Die Verwaltung der Immobilie liegt in der Hand von einem Joint Venture von Metro und dem Einkaufszentrenbetreiber ECE. Ob die Immobilie auch zu Real gehört und somit im Falle eines Verkaufs auch an X+Bricks ginge, wollte die Pressesprecherin der Metro nicht kommentieren. Ein Real-Angestellter äußerte, dass man sich keine Sorgen um den Fortbestand des Marktes mache: Das Einkaufszentrum lebe schließlich von Real.

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