Waiblingen RTL sucht in Waiblingen nach Ninjas

, aktualisiert am 17.02.2020 - 16:17 Uhr
Der Heilbronner Francois Lagalante an einem der Hindernisse in der Waiblinger Kletterhalle. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen.
Sie müssen beweglich, ausdauernd und vor allem in den Armen und Schultern kräftig sein: die Teilnehmer der RTL-Show „Ninja Warriors Germany“. Eine der Auswahlrunden für die Fernsehausstrahlung findet an diesem Donnerstag und Freitag in der Kletterhalle „Active Garden“ am Remspark statt. Schon im Eingangsbereich zur Kletterhalle schlägt dem Besucher der Geruch von Turnmatten und Schweiß entgegen. Dann hört man Anfeuerungsrufe. Ein junger Mann hangelt sich an Ringen und Griffen, die wie Bananen aussehen, über den Hallenboden.

Fünf Stationen müssen die Teilnehmer absolvieren: Jede besteht aus einer Übung, die Sprünge, Liegestütze, Balancieren oder Hangeln beinhaltet. Je nach Übung haben die Teilnehmer zwischen 30 Sekunden und drei Minuten Zeit. Mehr Wiederholungen ergeben mehr Punkte. Am Ende wird zusammengezählt. Wer in Waiblingen weiterkommt, darf Mitte Mai an der Fernsehshow teilnehmen – wer es hier nicht schafft, ist draußen. Eine neue Chance gibt es dann erst wieder im nächsten Jahr.

„Der Anreiz, bei der Show mitzumachen, ist echt cool. Das ist ein richtig geiler Hindernisparcours, den ich mir so niemals zusammenstellen könnte“, erklärt der Casting-Teilnehmer Karim El Azzay seine Begeisterung für die Veranstaltung. Karim und Yasin El Azzay nehmen am Donnerstagvormittag am Casting in der Kletterhalle teil. Die Brüder haben es schon zweimal ins Finale der RTL-Show geschafft. Beide waren jahrelang im Turnverein aktiv. Karim arbeitet heute als Sporttherapeut im Sportverein Fellbach.

In fünf Städten castet RTL für die Fernsehshow

Dort gibt der 28-Jährige auch Ninja-Warrior-Kurse für Kinder. „Es ist erschreckend, dass sich 80 Prozent der Kinder nicht einmal fünf Sekunden an den Ringen in der Luft halten können. Aber deshalb ist es gut, dass sie in den Kurs kommen.“ Insgesamt werden in Waiblingen am Donnerstag und Freitag 400 Teilnehmer die fünf Stationen durchlaufen. Eine der Stationen gibt es so auch eins-zu-eins in dem Originalparcours in der Fernsehshow: die Himmelsleiter. Hier müssen die Athleten an einer Stange hängend mit dieser Stange eine Stufe nach der anderen hochspringen. Dann geht es wieder mühsam nach unten.

In fünf Städten castet RTL für die Fernsehshow: in Köln, wo der Sender seinen Hauptsitz hat, in München, Hamburg, Erfurt und Waiblingen. Waiblingen ist in diesem Jahr zum ersten mal Casting-Ort. Erst im vergangenen November hatten Timo und Ingrid Marschner die Kletterhalle hinter dem Remspark eröffnet, in dem das Casting stattfindet. Die Marschners, die seit Mitte der 1990er Jahre in Korb in einer ehemaligen Squashhalle Kletterbegeisterten ein Zuhause bieten, haben jahrelang nach einem geeigneten Objekt gesucht. Im vergangenen Jahr stießen sie auf die Halle an der B 14. Ihr Ninja-Parcours in Waiblingen gehört nach RTL-Angaben zu den fünf größten Deutschlands.

Kim Marschner, der Sohn der Marschners, hat es in der RTL-Show schon weit gebracht. Er holte sich in der Ninja-Warrior-Staffel von 2018 den zweiten Platz. Die Übungen beim Casting bereiten ihm keine Sorgen: „Das ist mehr ein Krafttest, aber mit dem Ninja-Parcours hat das recht wenig zu tun“, sagt der Profi-Boulderer, der auch im deutschen Nationalteam Klettern ist und im Jahr 2024 an den Olympischen Spielen in Paris teilnehmen will.

Sobald Lichter und Kameras auf einen gerichtet sind, ist es vorbei mit der inneren Ruhe

Wie hart der Fernsehparcours ist, weiß Kim Marschner aus eigener Erfahrung: „2018 ist mir am Ende in der letzten Minute einfach die Kraft ausgegangen.“ Auch im Jahr 2019 nahm er teil, verletzte sich aber vor laufender Kamera am Fuß. Doch nicht nur der Fernsehparcours selber verlangt den Teilnehmern viel ab. Sobald Lichter und Kameras auf einen gerichtet sind und man vor den großen Aufbauten steht, ist es vorbei mit der inneren Ruhe, erklärt Yasin El Azzay aus Murr: „Ich war nach der Runde so fertig, ich wusste gar nichts mehr.“

Bei der letzten Übung in Waiblingen haben die Athleten die Wahl zwischen Liegestützen und Box Jumps, sprich Sprüngen auf eine Holzkiste. Liegestütze zählen doppelt, aber die Teilnehmer können in den drei Minuten, die ihnen zur Verfügung stehen, die Disziplin wechseln. Karim schaffte hier trotz Erkältung 103 Liegestütze. Bei der letzten Übung würden sich Teilnehmer auch immer wieder mal übergeben, berichtet der Produzent der TV-Sendung, Thomas Goseberg. „Ninja Warriors“ gibt es in Deutschland seit 2016. In diesem Jahr wird die Show zum fünften Mal ausgestrahlt. Ursprünglich kommt sie aus Japan, richtig bekannt wurde sie aber in den USA, erklärt Goseberg. Die Fernsehshow selber findet in der „dm-arena“ in Karlsruhe statt, einer 12 500 Quadratmeter großen Halle. Der Aufbau des über hundert Meter langen Parcours dauert rund eine Woche. Dabei werden die Wassergräben mit 500 000 Litern Wasser befüllt, wie Goseberg erklärt.

Von 1500 Athleten werden es rund 300 in die TV-Show schaffen. Gesiegt hat in den letzten vier Jahren übrigens niemand – denn keiner bewältigte den Parcours in der vorgeschriebenen Zeit . Doch auch in den USA dauerte es sieben Staffeln, bis ein Teilnehmer zum Gewinner erklärt wurde. In Deutschland winken dafür 300 000 Euro Preisgeld.

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