Waiblingen S-Bahn: Fehlalarm mit Fragen

Waiblingen. Die Kurznachricht auf dem Handy verhieß wieder nichts Gutes. Gestern, 10.37 Uhr, meldete sich der VVS-Benachrichtigungsservice per SMS. Feueralarm! Betroffen sei der Abschnitt zwischen Hauptbahnhof tief und Schwabstraße. Sechs S-Bahn-Linien sind blockiert. Die Entwarnung kam um 11.05 Uhr. Fehlalarm. Aber es bleiben Fragen.

Kleine Ursache, große Wirkung. Arbeiter machten sich an den Verkabelungen der Haltestelle Feuersee zu schaffen. Staub wurde aufgewirbelt, erklärt der Sprecher der Bahn hernach. Der Feuermelder schlug um 10.13 Uhr Alarm. Die Bahn handelte und ließ Plan A 1 greifen. Umleitung der S-Bahnen, damit auch der S 2 von Schorndorf in den Hauptbahnhof nach oben und dann die Gäubahn außen rum Richtung Flughafen. Die S 3 von Backnang durfte nur bis Cannstatt gelangen, dann mussten die Gäste umsteigen in die S 1, S 2 oder weiter mit der Straßenbahn. Ein ganzer Rattenschwanz, der dazu führte, dass von 10.13 Uhr bis 10.31 Uhr elf S-Bahnen vorzeitig endeten und drei ganz ausgefallen sind. So weit alles nach Notfallplan. Und bis die Bahn realisierte, dass es nicht brennt.

Derweil aber, und zwar noch bis 12 Uhr, lief die Infoanzeige an den Tafeln über den Bahnsteigen weiter. Text: „Aufgrund einer vorangegangenen Streckensperrung im Hauptbahnhof tief kommt es noch zu Verspätungen und Zugausfällen.“ Der Verkehr lief längst wieder, zur Verunsicherung gab es keinen Anlass mehr.

Wir haben uns kurz vor elf Uhr in die S 3 in Waiblingen nach Stuttgart gesetzt. Pünktlich steht der Triebwagen da. Die Leute steigen ein. Von Verunsicherung nichts zu spüren. Ganz offenbar werden die Laufbänder mittlerweile als übliche Begleiterscheinung wahrgenommen. Es ist ja immer irgendetwas. Und öfters kann man sich auf die Angabe auch nicht verlassen. Also ignorieren und auf Sicht fahren. Wenn sie kommt, die S-Bahn, ist’s gut, wenn nicht, darf man nicht überrascht sein. Macht sich schon Fatalismus breit?

In Fellbach steigt ein Paar ein mit schweren Koffern. Sieht aus wie reisefertig für den Abflug in Echterdingen. Es geht auf Cannstatt zu. Geht’s jetzt weiter oder nicht? Die Reisefertigen wissen es auch nicht. Die Laufbänder laufen weiter. Es gibt keine Entwarnung aus dem Mund des Lokführers. Es geht weiter, Glück gehabt.

Der Warnservice des Verkehrsverbundes Stuttgart ist ja immerhin was. Aber noch entfernt davon, ein vollständiges Bild zu geben. Der VVS tut so, als ob es nur die S-Bahn gebe. Wie’s mit den Regionalzügen ausschaut? Keinen Schimmer. Die Sprecherin des VVS will der Zeitung dazu noch eine Erklärung geben, lautet der Zwischenbescheid. Der Bahn-Sprecher sagt, Aussagen über den Regionalzug hätten in dieser Ansage nichts zu tun. Weil den VVS-Benachrichtigungsservice nur Hiesige und Ortskundige benutzten. Und die seien in der Lage, die Aussage zu interpretierten. Sie wüssten, dass die Strecke Hauptbahnhof tief bis Schwabstraße nur etwas mit der S-Bahn zu tun haben kann.

Nicht nur S-21-Gegner fragen sich seit längerer Zeit, was denn im Fall einer Störung eben auf dieser Strecke geschieht – dann, wenn die S 2 nicht mehr oben in der Stuttgarter Zentralstation einfahren kann und die Gäubahn als Bypass abgeschaltet ist. Nachfrage bei der Bahn. Aussage: Die innerstädtische Umleitung via Gäubahn gebe es dann in der Tat nicht mehr. Dafür eine Anbindung an die Flughafenstrecke über den Fildertunnel.

Verspätet

Mittwochvormittag sind die Verspätungen der S 2 und S 3 in die Höhe geschnellt. Um 12 Uhr hatte sich der Fahrplan wieder eingependelt. Wie sich die Verspätungen entwickeln, zeigen aktuelle Schaubilder unter www.s-bahn-chaos.de im Menüpunkt Service.
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