Waiblingen Salathengste stauben ihre Masken ab

Gerubbelt und geschrubbelt wird bei der Häsputzete – auf dass die Masken wieder strahlen. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Waiblingen. Fasching, bei dem das Unterste zuoberst gekehrt wird? Von wegen! Auch hier muss alles seine Ordnung haben. Die Regeln für die Narren sind streng. Dazu gehört das Maskenabstauben am Dreikönigstag. Und das penible Anlegen des Häs. Dass das mit viel Spaß verbunden sein kann, bewiesen die „Salathengste“, die sich zum eigentlichen Beginn der Karneval-Kampagne an der Hahnschen Mühle vorbereiteten.

Am 6. Januar endet die Weihnachtszeit. Gleichzeitig ist das der Auftakt zur eigentlichen Faschingszeit. „Heute gehen die Heiligen Drei Könige und direkt im Anschluss kehren die Narren ein“, erklärt Roland Neumann, der Pressereferent der Waiblinger Karnevalsgesellschaft.

Und so dürfen erst an diesem Tag die Masken, die Larven aus dem Schrank geholt werden. Denn außerhalb der Faschingszeit dürfen sie nicht getragen werden. „Es gibt da einen strengen Ehrenkodex“, sagt Neumann. Und dazu gehört auch das Ritual des Maskenabstaubens. Und das sollte man schon mal erlebt haben. Nachdem also die Narren ihr Häs angelegt haben – grüne Latzhose, eine braune Felljacke mit 65 grünen Stoff-Salatblättern, in deren Mitte Glöckchen angebracht sind, dazu ein Gürtel mit Hufeisen, und schließlich ein schwarz-weiß gestreiftes Mützchen – stellen sie sich erwartungsvoll vor dem Zunftmeister Heiko Liedle auf. Der steht vor einem Waschzuber und braut genüsslich das „Reinigungsmittel“ zum Abstauben der Masken, also den Pferdeköpfen der Salathengste, zusammen.

Ein hochprozentiger Zaubersud zum zünftigen Maskenabstauben

Und die Zutaten für diesen Zaubersud haben es allemal in sich: Eine Flasche Sekt als Grundlage, darauf ein halber Sack Gras, darüber dann nacheinander einen Bourbon, städtischen Weißwein, Cola, ein Pils, etwas Obstbrand, und nach und nach dann noch übrig gebliebene Schnäpse und Liköre äußerst zweifelhafter Herkunft. Alle Kater der kommenden Kampagne, hier sind sie schon mal zusammengerührt!

Dann treten nacheinander die Hästräger vor und halten mit ekelverzogenen Gesichtern ihre Hengstmasken dem Zunftmeister entgegen. Und der wischt mit einem triefenden, in die Tunke getauchten Schweif die Larven ab. Absolut keimfrei. Da traut sich die kommenden Wochen kein Staub mehr, sich abzusetzen. Diesmal wurden nur die Masken abgerieben. Denn wenn, wie vergangenes Jahr, Neulinge ihre Aufnahmeprüfung bestehen müssen, wird auch denen das Gesicht mit dem hochprozentigen Mittelchen „abgestaubt“.

Sind dann alle durch heißt es „dreimal kräftig SA-HE!!!“ Und so kann er kommen, der Brauchtumsabend am gleichen Abend. Ab jetzt wird’s ernst mit lustig. Der Aschermittwoch kommt schnell genug. Und ab dann beginnt wieder die Fastenzeit mit ihren eigenen Gesetzen.


Wieso Salathengste?

Woher der Name „Salathengste“ kommt, das erklärt der Ehrenpräsident Wolfgang Schüle wie folgt: So um 1800 hätten die Remstäler mehr Salat angebaut, als sie selber essen oder verkaufen konnten. „Da hat man’s denn den Pferden zum Futter gegeben.“ Und über die Remstäler hieß es dann: „Die fressad da Salad wia die Hengscht da Hafer.“ So gab man sich dann bei Gründung des Vereins 1989 den Namen „Salathengste“, auch „in Abgrenzung zur Waiblinger Faschingsgesellschaft“.

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