Waiblingen Schließt die Kreissparkasse einige Filialen?

Das digitale Zeitalter verändert die Bankenbranche: Kleine Filialen werden seltener frequentiert – und unrentabel. Foto: Schneider / ZVW

Waiblingen. Die Kreissparkasse plant offenbar, einige ihrer 81 Filialen zu schließen, in Selbstbedienungs-Terminals umzuwandeln oder mit eingeschränkten Öffnungszeiten weiterzubetreiben. Insgesamt sollen zehn bis 20 Zweigstellen von Veränderungen betroffen sein. Am Montag gibt die KSK in einer Pressekonferenz Näheres bekannt.

Wirklich überraschend kommt der Vorstoß nicht, die Zeichen mehrten sich in jüngerer Vergangenheit. Im Februar, als die KSK-Spitze bei einer Bilanzpressekonferenz die 2017er-Zahlen vorlegte, ließ die Vorstandsvorsitzende Ines Dietze en passant einfließen: Von den 81 Filialen gelten 20 als „Kleinstfilialen“, sprich, sie haben nur zwei oder einen Mitarbeiter. Noch sei „nichts spruchreif“ sagte Dietze – aber man behalte das Thema im Auge. Wer zwischen den Zeilen las, konnte ahnen: Es dürfte bis zur Spruchreife nur eine Frage der Zeit sein.

Gerüchte hinter den Kulissen

Offiziell will noch niemand etwas bestätigen. Die Kreissparkasse hat bislang nur die Einladung zu einer Pressekonferenz am kommenden Montag verschickt. Das Thema ist vage formuliert: „Neuausrichtung des Filialnetzes“. Pressesprecher Axel Kröninger lässt sich auf Nachfrage am Telefon nur eines entlocken: „Alle Zahlen, alle Daten, alle Fakten“ werde es am Montag geben, „wir werden Sie umfassend informieren.“

Hinter den Kulissen gerüchtelt es indes: Ursprünglich habe die Chefetage erwogen, bis zu 20 Filialen zu schließen, dann aber bei Gesprächen mit Bürgermeistern potenziell betroffener Kommunen Gegenwind verspürt. Das nun beschlossene Kompromiss-Ergebnis zeichne einen sanfteren Weg vor – Chirurgen würden wohl von „minimalinvasiv“ sprechen.

  • Eine Handvoll Filialen solle geschlossen werden; darunter seien aber auch sogenannte SB-Filialen: Zweigstellen, die schon bislang ohne Personal auskommen, ausgestattet nur mit Servicegerät zur Selbstbedienung: Geldautomat, Kontoauszugsdrucker, Überweisungsterminal.
  • Einige bislang mit Personal betriebene Filialen würden, so heißt es, zwar nicht ganz dicht gemacht, aber in SB-Zweigstellen umgewandelt.
  • Diverse Kleinstfilialen sollen weiter mit Menschen besetzt sein – allerdings bei eingeschränkten Öffnungszeiten, an ein, zwei Schaltertagen die Woche.
  • Es munkelt, dass hier und da Kooperationen mit den Genossenschaftsbanken erwogen werden: SB-Terminals ließen sich theoretisch gemeinsam betreiben.

Die Neuausrichtung soll offenbar in zwei Schüben abgewickelt werden: der erste vor, der zweite nach den Sommerferien. In der einen oder anderen Form betroffen sein sollen unter anderem Filialen in Nellmersbach, Spiegelberg, Kaisersbach, Großerlach, Beinstein, Miedelsbach, Weinstadt und Schorndorf – aber Achtung: Es handelt sich um mehr oder weniger belastbare Spekulationen, nicht um gesicherte Tatsachen.

Ein bundesweiter Trend

Dass nicht auf ewig alles bleiben würde, wie es ist, war klar. Man braucht sich dazu nur den bundesweiten Trend anzuschauen. Erst jüngst berichtete das Magazin Focus: „Viele Sparkassen im ländlichen Raum sind nicht mehr rentabel – und schließen.“ Im Jahr 2016 gab es 10 555 deutsche Sparkassen-Zweigstellen, in denen Kunden von Mitarbeitern bedient wurden – 2017 waren es nur noch 9868. Das ergibt einen Rückgang von 687. Inklusive Selbstbedienungsstellen betrieben die Sparkassen im Jahr 2017 noch 13 305 Standorte – 474 weniger als 2016.

Jenseits der Sparkässler-Welt vollzieht sich der Abbau noch viel drastischer. Laut der bundeseigenen Förderbank KfW wurden allein in den vergangenen beiden Jahren deutschlandweit 2200 Filialen der verschiedensten Geldhäuser geschlossen. Seit dem Jahr 2000 hat der deutsche Markt mehr als 10 000 von damals noch 38 000 Bankfilialen verloren. Gründe:

  • In Niedrigzins-Zeiten stellen sich Rentabilitätsfragen grundsätzlich schärfer.
  • Die regulatorischen Auflagen für Bankgeschäfte sind immer strenger geworden. Um all den komplexen Dokumentationsanforderungen noch gerecht zu werden, ist großer Aufwand nötig. Kleinstfilialen stoßen da an Grenzen.
  • Die Digitalisierung hat die Branche umgekrempelt: Fast 50 Prozent der KSK-Kunden machen mittlerweile Online-Banking; Video-Chats, vor nicht allzu langer Zeit noch recht exotisch, „nutzt der Kunde immer stärker“, sagte Ines Dietze im Februar; die Funktion „Kwitt“ ermöglicht schnelles Senden und Empfangen von kleineren Beträgen mittlerweile von Handy zu Handy, man muss nicht einmal eine IBAN eingeben.
  • Geld abheben, das geht heute auch beim Rewe. Wer an der Supermarktkasse mit EC-Karte bezahlt, kann einfach sagen: „Geben Sie mir dazu noch 100 Euro.“
  • Es ist mittlerweile gar nicht mehr so leicht, überhaupt Mitarbeiter zu finden, die Lust haben, in Kleinstfilialen zu arbeiten. Denn dort, so heißt es in der Szene, „kannst du höchstens alt werden – aber sonst nichts.“ Der Job im Minibänkle eröffnet keine Karriereperspektiven.

Zum Beispiel Großerlach

  • Ja, bestätigt der Großerlacher Bürgermeister Christoph Jäger, seine Gemeinde sei auch betroffen. Zunächst habe es ganz schlecht ausgesehen, aber „auf mein Zureden hin“ habe er mittlerweile zumindest das mündliche Signal der Kreissparkasse, dass die Filiale in Großerlach „nicht komplett geschlossen“, sondern „mit eingeschränkten Öffnungszeiten“ weiterbetrieben werde. „Und der Geldautomat bleibt.“
  • Er habe im Gespräch mit der KSK geworben: „Ob es die Sparkasse oder die Volksbank ist – ihr müsst aufpassen, ihr habt nur ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber all den Internet- und Großbanken: Man sieht euch noch, ihr seid vor Ort. Das ist ein Plus in der Wahrnehmung der Bevölkerung.“ Das habe offenbar verfangen.
  • Allerdings, „das muss man ganz ehrlich sagen: Ich kann schon nachvollziehen“ dass die KSK das Filial-Thema anpackt. Es gebe gute Argumente (siehe Haupt-Artikel) für eine moderate Reduzierung der Zweigstellen.
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