Waiblingen/Schorndorf Mit Deutsch-Prüfung ins Abitur gestartet

Schorndorf/Waiblingen. Mit der Deutsch-Prüfung ist am Dienstag der Startschuss für die diesjährigen Abitur-Prüfungen in Baden-Württemberg gefallen. Spannnend war der Tag der Wahrheit nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Lehrer: Erstmals wurden den Schulen die Aufgaben auf USB-Sticks zugesandt. Wir waren am Burg-Gymnasium in Schorndorf und am Salier-Gymnasium in Waiblingen, um zu schauen, wie es für Lehrer und Schüler lief.

Von einer Mail mit dem Hinweis auf kleine Fehler in der Aufgabenstellung ließ man sich am Salier-Gymnasium in Waiblingen nicht aus der Fassung bringen. Weder ein im Formsatz verrutschter Bindestrich noch ein falscher Buchstabe in einem Fachbegriff versetzte sie in Aufruhr. Und eine Karikatur, die andernorts den Druckern Schwierigkeiten bereitete, kam am Salier-Gymnasium lesbar aufs Papier. Soweit alles entspannt. „Aufregend ist halt immer die Frage, ob es aus irgendwelchen Gründen doch zum Technikstreik kommt“, sagt Rektor Peter Schey. Doch schon bei der Generalprobe mit einem Versuchsstick lief alles glatt – so wie jetzt bei der Premiere. Am Freitag wartet mit der vierteiligen Mathematik-Prüfung die nächste Herausforderung.

14 Seiten zum Thema "Sommer"

Ganz anderem Stress sahen sich die Schüler ausgesetzt. Erwartungsgemäß begann die Prüfung mit der Qual der Wahl: Welches Thema sollt’s denn sein? „Eine komische Kurzgeschichte, und recht lang“ fand zum Beispiel Mirjam Rößler den Text von Brigitte Kronauer. Also entschied sie sich für den Vergleich zweier Gedichte des Expressionisten Georg Trakl und Joachim Ringelnatz mit dem ermutigenden Thema „Sommer“, zu dem sie 14 Seiten verfasste. Etwas Bauschschmerzen hatte auch Lilli Mayer mit der Kurzgeschichte: „Es war nicht die erwartete Kommunikationsanalyse.“ Eine nette Geste sei’s aber gewesen, dass die Deutschlehrerin zur moralischen Unterstützung Süßigkeiten auftischte. Auch Tim Paule hat sich für Kronauer entschieden, nachdem die Noten im Schuljahr für den Werkvergleich von Goethes „Fausts“ und Hesses „Steppenwolf“ nichts allzu Gutes versprachen.

Hinterher machten die den glücklicheren Eindruck, die sich für den Vergleich der Klassiker entschieden hatten. Wie Lena Hasert, der die Fragestellung nach der Rolle der Frauengestalten – Gretchen bei Goethe und Hermine bei Hesse – wie anderen Mitschülern gelegen kam und besonders ergiebig erschien. „Darüber kann man gut schreiben.“ Ganz frei zu schreiben, bevorzugte Marc Sozorkic, der ein Essay zur Frage „Was darf Satire?“ verfasste.

So lief es in Schorndorf

134 Schülerinnen und Schüler aus insgesamt fünf Klassen sind in Schorndorf mit dem Fach Deutsch in die Abschlussprüfung gestartet, die in der MPG-Sporthalle am Freitag mit dem Fach Mathematik und mit Englisch am Dienstag weitergeht. Es folgen die mündlichen Prüfungen sowie die fächerübergreifende Kompetenzprüfung. Die Kommunikationsprüfung im Fach Englisch hat bereits stattgefunden.

Die Abiturienten in Schorndorf machen in diesem Jahr erstmals nach vier Jahren wieder getrennt ihre Prüfungen: die MPG-ler in der Philipp-Palm-Halle, die Burg-Gymnasiasten in zwei großen Klassenzimmern im dritten Obergeschoss des Neubaus. Und dort sind am Dienstagnachmittag um 14.15 Uhr auch die letzten Abiturienten aus den beiden Prüfungszimmern gekommen. Einigermaßen erleichtert: Die erste Prüfung ist geschafft und eigentlich auch ganz gut verlaufen. Jan und Maxim haben sich beide mit dem Gedichtvergleich und damit mit Naturlyrik von Georg Trakl und Joachim Ringelnatz beschäftigt und in fast fünfeinhalb Stunden Prüfungszeit viele Seiten gefüllt. Die Nervosität hielt sich bei den beiden in Grenzen: „Die Führerscheinprüfung“, sagt Maxim, „war schlimmer.“

Gut gelaufen ist es auch für Isabella und Katrin, die sich beide für den Werkvergleich entschieden haben. Wie vermutlich die meisten Abiturienten: Mit Hermann Hesses „Steppenwolf“ und Goethes „Faust I“ haben sie sich im Unterricht schließlich am ausführlichsten beschäftigt. Um kurz vor 14 Uhr hat auch Kerstin das Prüfungszimmer verlasen: Sie hat sich für die Interpretation eines Kurzprosatextes von Brigitte Kronauer entschieden – und ist nach der Abgabe ihres Textes gedanklich schon bei der Vorbereitung für die nächste Prüfung: Am Freitag ist Mathe-Abitur.


Themen und Termine

Mit dem Fach Deutsch hat das Abitur an den allgemeinbildenden Gymnasien am Dienstag, 30. April, begonnen. Weiter geht’s am Donnerstag, 2. Mai, mit Spanisch, am Freitag, 3. Mai, mit Mathematik. Am Montag, 6. Mai, sind die Neigungsfächer dran, und am Mittwoch, 8. Mai, das Fach Englisch, tags drauf folgt Russisch und die Französisch-Prüfung ist am Freitag, 10. Mai.

Eines dieser fünf Themen mussten die Abiturienten im Fach Deutsch bearbeiten. Thema 1: Interpretation einer Textstelle aus Hermann Hesses Roman „Der Steppenwolf“ und vergleichende Betrachtung mit Johann Wolfgang von Goethes „Faust“. Untersucht werden soll die Bedeutung, die Hermine für Harry Haller und Gretchen für Faust hat. Dabei soll eine These von Antje Pedde überprüft werden: „Die zentrale Figur […] ist der männliche Held, der auf seinem Weg der Selbstfindung Frauenfiguren als Stationen seiner Vervollkommnung passiert.“ Thema 2: Eine vergleichende Interpretation zu den Gedichten „Sommersonate“ von Georg Trakl (1887-1914) und „Sommerfrische“ von Joachim Ringelnatz (1883-1934). Thema 3: Interpretation der Erzählung „Der Störenfried“ von Brigitte Kronauer (*1940). Thema 4: Verfassen eines Essays auf der Grundlage eines vorgelegten Dossiers mit verschiedenen Texten zum Thema „Was darf Satire? Alles?“. Thema 5: Analyse und Erörterung des Textes „Wer streiten will, muss sich auch schmutzig machen“ von Hilmar Klute, der am 5. November 2017 in der Süddeutschen Zeitung erschienen ist.

Angelaufen ist am Dienstag, 30. April, mit dem Fach Deutsch auch die Abschlussprüfung an den Realschulen, die Mathe-Prüfung folgt am Freitag, 3. Mai, und die Englisch-Prüfung am Dienstag, 7. Mai. Bei der Deutschprüfung hatten die Schülerinnen und Schülern vier Themen zur Auswahl. In Aufgabe 1 sollte Alew Tekinays Gedicht „Dazwischen“ beschrieben werden. In Aufgabe 2 ging es um die Beschreibung der Kurzgeschichte „Geburtstag“ von Mahmoud Falaki. „Produktiver Umgang mit Texten“ war bei Aufgabe 3 gefragt, die sich dieses Jahr auf die Bücher „Mano – Der Junge, der nicht wusste, wo er war“ von Anja Tuckermann oder „Fahrenheit 451“ von Ray Bradbury bezogen hat. Für Aufgabe 4 – „Texte lesen, auswerten und schreiben“ – sollte über das Rahmenthema „Umgangsformen – nur Relikte aus früheren Zeiten?“ ein Beitrag fürs Schulmagazin verfasst werden.

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