Waiblingen/Schorndorf Weitere Bahn-Erfahrungen

Archivbild. Foto: Habermann / ZVW

Waiblingen/Schorndorf.
„Häufig wird von Lesern über Zugverspätungen berichtet im Zusammenhang mit S-21-Bauarbeiten oder auch ohne diese. Das ist aber ungerecht. Denn es gibt bei DB und VVS nun sogar Züge, die nicht verspätet fahren, sondern verfrüht“, schreibt ins Reinhard Neudorfer aus Waiblingen. Dies führe zu „lustigen“ Situationen.

„Man kommt am Bahnhof an, liest die – für aktuell gehaltene – Anzeigetafel (den ausgedruckten Fahrplan nimmt ja niemand mehr ernst) und glaubt, noch etwas Zeit zu haben für Brezelkauf oder Kaffee. Und dann kommt der Zug plötzlich früher angefahren. Mit Glück und einem Sprint kommt man noch rein.“

Von Bahnmitarbeitern (die seien in Waiblingen „sehr nett und engagiert“) habe Neudorfer erfahren, dass diese Anzeigen von Karlsruhe aus gesteuert werden, was dann halt in Waiblingen nicht immer stimme. Es könne (müsse nicht) aber auch so laufen, dass der verfrüht eingefahrene Zug gar nicht gleich weiterfährt, sondern erst mal wartet; „dann war der Sprint und die Aufregung ein Irrtum. Aber dann stimmt immerhin der Fahrplan wieder . . . vielleicht.“

Das Ganze sei zwar nur eine Kleinigkeit, „aber es verstärken sich eben Zweifel, wie die DB-Führung unter Herrn Grube eine ungleich schwierigere Aufgabe wie S 21 bewältigen kann, diese Frage müssten sich doch selbst S-21-Befürworter stellen.“

Lisa Pilz wollte am 9. Mai mit dem RE von Schorndorf nach Stuttgart fahren. „Ich war da zum Wandern mit Freunden verabredet. Mein Mann konnte nicht. Ich war somit alleine mit meiner 5 Monate alten Tochter im Kinderwagen unterwegs.“ Bislang fuhr sie lieber mit der S-Bahn, da sie da selbstständig ohne fremde Hilfe mit dem Kinderwagen meistens ebenerdig rein- und rauskomme. Für jenen Tag hatte sie sich aufgrund der besseren und schnelleren Verbindung überlegt, mit der DB zu fahren, da sie vorab auch von deren „Mobilitätsservice/Kids on Tour“ gehört hatte. Am Tag vor der Abreise habe sie dort angerufen, im Anschluss eine Bestätigungsmail bekommen, mit einem Dokument mit allen besprochenen Punkten (Art der Mobilitätseinschränkung, Treffpunkt, Reisestationen …)

Am darauffolgenden Tag stand Lisa Pilz mit Kinderwagen am Gleis wartend auf den Zug. Als er anhielt, reagierte der Zugbegleiter erst auf ihre Aufforderung, beim Einstieg zu helfen. „Nach erstem Versuch, völlige Schräglage des Kinderwagens mit Baby drin (woraufhin ich ihm fast hysterisch sagen musste: Vorsicht, da liegt ein Kind drin!) wollte der Zugbegleiter den Kinderwagen wieder am Bahnsteig abstellen mit dem Hinweis, ein Mitfahren wäre wohl nicht möglich, der Kinderwagen sei zu groß für die Türen. Ich habe darauf hingewiesen, dass es gehen würde, da wir das bereits gemacht haben, und auch einfach gehen müsse, da ich ja mit dem Zug fahren muss.“

Lisa Pilz stand dann in „einem normalen Türenbereich zwischen zwei Waggons und musste während der Fahrt durchlaufenden Mitreisenden Platz machen, soweit es möglich war. Aber gut, es sind alte Wagen, die nicht barrierefrei sind ... Ich habe mich dann beim Zugbegleiter bedankt und ihn daran erinnert, er möge mir dann bitte beim Ausstieg in Bad Cannstatt helfen, so wie mir zugesichert wurde. Daraufhin meinte er, er wisse von nichts. Ich habe ihm gesagt, dass ich über die Hotline angemeldet sei und ihm gerne auch auf meinem Smartphone das Dokument der Anmeldung zeigen kann, wobei das ja auch ziemlich unwesentlich sei, denn ich stehe ja nun mal vor ihm und brauche offensichtlich Hilfe (kann ja nicht sein, dass man diese nur mit schriftlichem Dokument bekommt …). Die Antwort des Zugbegleiters war: Das kann ich Ihnen nicht versprechen. Und ist einfach weggegangen.“

Ab Kurve Nürnbergerstraße hielt Lisa Pilz nach helfenden Mitreisenden im Waggon Ausschau. „Da waren ein paar ältere Damen, die vermutlich selbst beim Ausstieg aus der Bahn Hilfe benötigt hätten. Und dann saßen da ein paar Jugendliche mit Bierflaschen in der Hand. Und dann saß da ein Mann mit vielen Gepäckstücken, der auf meine Aufforderung gerne reagiert hat und dann auch kurz seine eigenen Gepäckstücke außer Acht lassen musste. Kurzum: Er half mir aus dem Wagen und ich habe mich dort dann noch mal umgeschaut und weit und breit keinen Zugbegleiter gesehen, der sich wenigstens auf Sicht vergewissert hätte, dass mir auch tatsächlich jemand anderes hilft.“

Wenn Thomas Müller aus Weinstadt sein Job als Citymanager in Mühlacker nicht so viel Spaß machen würde, dann müsste er sich „wirklich fragen, warum ich mir den Stress antue, mit S-Bahn von Beutelsbach nach Stuttgart und dann mit IC, IRE oder RE nach Mühlacker zu fahren (und wieder zurück)“. Im Juni und Juli habe er selbst alle Verspätungen und Zugausfälle dokumentiert und sei an den circa 40 Arbeitstagen auf 40 verspätete oder ausgefallene Züge gekommen. „Das entspricht mindestens einer von vier täglichen Zugfahrten. An einer Verspätung hängt dann auch meist immer ein verpasster Anschluss, so dass ich dadurch meist 30 Minuten Zeit verliere (bei 40 Verspätungen sind das annähernd 20 Stunden Zeitverlust).“

Auf seine intensiven Beschwerden (direkt bei der Bahn und über Umwege über Verbände) meldete sich ein Teilnetzmanager der Bahn telefonisch bei ihm: „Seine Hinweise auf wetterbedingte Störungen oder auf Probleme durch ‘Personen auf dem Gleis’ akzeptiere ich. Die Verspätungen, die durch technische oder personelle Mängel zustande kommen, kann ich viel weniger akzeptieren.“

Seine „deutlichste Kritik“ gehe jedoch an das Kommunikationsverhalten der Bahn. Seit Wochen funktioniere zum Beispiel die Anzeige am Haltepunkt S 2 in Beutelsbach (Richtung Stuttgart) nicht. Eine Ansage in einem verspäteten Zug sei jüngst gewesen: „Grund der Verspätung ist …“. Dann sei nur noch heiße Luft gekommen. „Das Personal auf den Bahnhöfen (insbesondere in Stuttgart) unterhält sich lieber untereinander, anstatt offensiv die irritierten Zugfahrgäste anzusprechen und Hilfe anzubieten.“

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