Waiblingen Schwabe schwört auf Thüringer Würste

Der schwäbische Wurstverkäufer Heinrich Hirsch. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen.
„Ich brauche einfach den Kontakt zu den Menschen und den Austausch – das ist mein Lebenselixier“, sagt Marktbeschicker Heinrich Hirsch. Obwohl der 61-Jährige aus Hohengehren bei Baltmannsweiler gelernter Flaschner ist, hat es ihn immer wieder in andere Bereiche gezogen, sagt er. Zunächst in die Gastronomie, dann auf den Wochenmarkt. Nun ist er seit 20 Jahren Marktbeschicker. „Ich kenne den Waiblinger Wochenmarkt schon sehr lange“, sagt er. Auch früher hat er zusammen mit einem Kollegen Wurst verkauft – und zwar ungarische Wurst. Mittlerweile ist Heinrich Hirsch alleine auf dem Markt. Nur bei größeren Veranstaltungen wird er unterstützt. Als sein Kollege aus beruflichen Gründen das Geschäft aufgeben musste, hat der 61-Jährige es übernommen. „Das Geschäft ist einfach mein Hobby, das brauche ich“, sagt er.

Seit Dezember vergangenen Jahres steht er auch wieder auf dem Waiblinger Wochenmarkt, jeden Mittwoch von 7 bis 13 Uhr. Und verkauft Würstchen jeglicher Art. Dienstags ist er auf dem Wochenmarkt in Schorndorf.

Was ist das Besondere an der Thüringer Bratwurst?

„Wir haben kein Riesenangebot“, sagt der 61-jährige Marktbeschicker bescheiden. Im Vordergrund steht hauptsächlich die Thüringer Bratwurst. Das Besondere an der Thüringer? Die Gewürze sind hier nämlich Kümmel sowie „Naturgewürze“, erklärt Heinrich Hirsch. „Die Marke der Thüringer Wurst allgemein ist, dass sie sehr würzig ist“, sagt er. Das mache sich im Vergleich zur schwäbischen Wurst bemerkbar: „Die Schwaben würzen sehr fad“, sagt Hirsch über seine Landsleute.

Doch nicht nur Thüringer gibt es bei Heinrich Hirsch zu kaufen: Von Leberwurst über Blutwurst bis zur luftgetrockneten Wurst bietet er viele verschiedene Sorten an. Vieles zum Mitnehmen, aber auch einiges für den kleinen Hunger auf dem Markt. „Es gibt frische Bratwurst mit frisch gebackenen Brötchen“, sagt der 61-Jährige. „Nach Bedarf werden die Brötchen im kleinen Ofen aufgebacken.“ Zu seinen Spezialitäten zählt der Marktbeschicker auch seine selbst gemachte Soße, die er zur Currywurst serviert. Ein geheimes Rezept, das er seit zehn Jahren hütet. Auch Skeptiker überzeuge die Kombination immer wieder. Damit kein Kunde leer ausgeht, gibt es auch Rindsbratwurst: „Für die, die kein Schweinefleisch essen.“

Hirsch steht zu dem Sortiment, das er anbietet. „Du kannst nur so verkaufen, wie du es selbst gern hättest“, betont er. Deshalb ist es ihm wichtig, in regelmäßigen Abständen seine Würste selbst zu probieren. Die Ware bekommt Heinrich Hirsch von einem Hof aus Bischofferode im thüringischen Landkreis Eichsfeld. Die Tiere werden dort mit eigens angebautem Futter gefüttert und auf dem Hof geschlachtet. „Es ist eine super Sache“, findet Hirsch. „Da kann ich mit gutem Gewissen dahinterstehen.“ Die Würste werden in Kühltransporter verladen und zu Heinrich Hirsch nach Hause geliefert. Auch im Verkaufswagen wird die Ware ständig gekühlt. „Die Kühlkette ist gewährleistet.“ Am frühen Morgen der Markttage lädt er die Ware in seinen Verkaufswagen ein. „Ich versuche, nicht zu viel mitzunehmen, damit die Ware nicht nur spaziert.“

„Auf dem Markt ist mir das persönliche Gespräch wichtig“

Sehr oft möchten seine Kunden am Stand wissen, wie die Tiere gehalten wurden, ob sie Auslauf hatten und womit sie gefüttert wurden, sagt er. „Ich nehme mir die Zeit, um die Kunden zu beraten. Auf dem Markt ist mir das persönliche Gespräch wichtig“, betont Heinrich Hirsch.

Besonders viele ältere Leute würden das Gespräch suchen. „Es entstehen gewisse Freundschaften“, sagt der 61-Jährige. „Bei manchen Kunden schaut man auf die Uhr und fragt sich, wo der bleibt.“

Heinrich Hirsch besucht nicht nur die üblichen Wochenmärkte, sondern auch Veranstaltungen wie „Waiblingen leuchtet“, den Martinimarkt oder verkaufsoffene Sonntage. In den 20 Jahren hat sich aus seiner Sicht auf dem Markt einiges geändert. „Früher als ich angefangen habe, haben die Leute an die Tür geklopft“, sagt er. Und heute? „Heute geht’s los, wenn die Geschäfte aufhaben.“ Aus diesem Grund hält er es für sinnvoll, wenn der Wochenmarkt etwas später öffnen, dafür aber etwas länger dauern würde. Damit alle Besucher noch ihre Thüringer kriegen.

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