Waiblingen Sind Burkinis im Waiblinger Freibad erlaubt?

Das Symbolbild veranschaulicht, wie der muslimische Badeanzug „Burkini“ aussehen kann. Das Wort setzt sich aus Burka und Bikini zusammen. Foto: Kzenon (stock.adobe.com)

Waiblingen. Bikini, Tankini oder der klassische Badeanzug – die Bademode ist breit gefächert. Aber nicht alle Varianten treffen auf Zustimmung – besonders der Burkini nicht. Nachdem der muslimische Badeanzug Anfang Juni im Backnanger Freibad für großen Wirbel gesorgt hat, haben wir uns mit der Frage in Waiblingen beschäftigt: Sind Burkinis im Waiblinger Freibad erlaubt?

Ein Burkini ist in der Regel wie ein Neoprenanzug. Er ist lang und verdeckt alle Körperteile. Allerdings wird der muslimische Badeanzug für Frauen meist so geschnitten, dass die weiblichen Konturen kaschiert werden. Er besteht wie herkömmliche Bademode aus einem elastischen, fürs Baden geeigneten Stoff. In der Regel handelt es sich um Zweiteiler – bestehend aus Ober- und Unterteil. Mal ist das Oberteil knielang, wie eine längere Tunika, oder fersenlang. Darunter gehört eine lange, etwas locker anliegende Badehose. Dazu wird eine Kopfbedeckung aus demselben Stoff getragen. Schließlich sind bei der Burkini-Trägerin nur das Gesicht, die Hände und die Füße zu sehen.

Die entscheidende Rolle spiele das Material

Zum Problem hat im Backnanger Freibad nicht der Burkini an sich, sondern der Gesichtsschleier geführt. Einen komplett verschleierten Badegast hatte das Waiblinger Freibad bis jetzt nicht, sagt der Schwimmmeister Lars Thies. Das Freibad werde durchaus von Damen in Burkinis besucht - aber auch das halte sich in Grenzen. Dass eine Vollverschleierung im Freibad etwas Aufsehenerregendes ist, kann Lars Thies nachvollziehen. Bereits bei Burka-Trägerinnen werde das Personal manchmal darauf angesprochen.

„Ist das denn erlaubt?“, lautet des Öfteren die Frage anderer Badegäste, sagt Michael Keppler, stellvertretender Schwimmmeister. Ja, es ist erlaubt: Denn die entscheidende Rolle spiele das Material des Stoffes, sagt Lars Thies. „Ich mache das vom Stoff abhängig.“ Es muss fürs Wasser geeignet sein. Ein Burkini-Verbot findet er nicht zeitgemäß. Der Bademeister betont, dass mittlerweile auch namhafte Marken das muslimische Badeoutfit in ihr Sortiment aufgenommen haben. Für diejenigen, die den Burkini nicht als typische Badebekleidung sehen, sagt er: „Ein Neopren-Anzug ist auch nicht die typische Badebekleidung, ist aber bei uns gestattet.“

„Baden mit Burkini ist grundsätzlich erlaubt.“

Wie sie sich verhalten würden, wenn eine Muslimin mit Gesichtsschleier kommt? Sie würde nicht des Bades verwiesen werden. Erst wenn ein Badegast Straßenkleidung trägt, muss er das Becken verlassen. René Schmidt, Leiter der Bäderbetriebe der Stadtwerke, bestätigt: „Baden mit Burkini, solange es sich dabei um einen Badeanzugstoff handelt, ist grundsätzlich erlaubt.“

Auch im Schwimmunterricht werde darauf Wert gelegt, dass die Kleidervorschrift eingehalten werde. „Einer Schülerin, die in längeren Sachen am Unterricht teilnehmen möchte, raten wir dann, sich einen Burkini zu kaufen“, sagt Michael Keppler.

Vom Waiblinger Ableger der türkischen staatstreuen Ditib-Gemeinde war ohne Rückversicherung des Bundesverbandes keine Stellungnahme zu bekommen. Jedoch von Kadir Avci (29), dem Waiblinger Imam der vom baden-württembergischen Verfassungsschutz als islamistisch eingestuften „Milli Görüs“-Bewegung. „Es ist schön, wir leben ja alle zusammen, wenn das alles wirklich so ist, dass es in Waiblingen so harmonisch verläuft, das begrüße ich.“ Ungeachtet der freundlichen Worte macht er klar, dass er vom gemischtgeschlechtlichen Badevergnügen nach europäischer Art nichts hält: „Empfehlen“ würde er einer Muslimin den Besuch im Freibad nicht.

Imam: Frauen und Männer dürfen nicht gemischt baden

Für Kadir Avci beginnt das Problem schon dann, wenn sich eine Muslimin mit Männern in einem Freibad aufhält. Auch wenn sie sich selbst bedeckt, seien dort immer noch Männer, bei denen sie einige Körperteile sehen würde, die sie nach seiner religiösen Auffassung nicht sehen dürfte. Deswegen rät der Imam Musliminnen, sich nicht in Bädern aufzuhalten, wo Männer und Frauen gemischt baden.

„Solange es getrennt ist, können sich die Damen auch freizügiger aufhalten“, sagt Avci. Von daher sei es eigentlich auch kein Thema, ob jetzt eine Frau mit ihrem Burkini im Freibad sein dürfe oder nicht. „Wir stehen einfach dagegen und sagen: Sie sollte gar nicht dieses Freibad betreten“, sagt der Imam hart.

Frauen hätten andere Möglichkeiten zu schwimmen

Muslimin Fatma, die wir beim Freitagsgebet in der Moschee antreffen, sieht es wie die geistliche Obrigkeit. Sie plädiert dafür, dass die Frauen den Frauenschwimmtag nutzen. Sie selber mache es genauso. Frauen hätten andere Möglichkeiten zu schwimmen, meint Avci – er verweist auf Frauenschwimmtage und islamische Hotels, die in der Türkei eher von Wohlhabenden und Türken aus Deutschland besucht werden. Keinen Unterschied macht nach Meinung Avcis, ob die Muslimin mit Christinnen oder anderen Musliminnen badet. Wenn sich dort nur Frauen aufhalten, dürfen Frauen voneinander die Bereiche sehen, die ein Mann von einem anderen Mann sehen darf: Von Bauchnabel bis zur Kniescheibe muss der Körper bedeckt sein.


Hygiene-Frage:

Die Behauptung vieler Burkini-Gegner, dass Burkinis aus hygienischen Gründen verboten werden sollten, weist Thies zurück. „Wir haben eine kontinuierliche Desinfektion im Wasser, wir chloren es.“

Darüber hinaus sagt Michael Keppler, dass auch unter einem Badeanzug ein Ausschlag sein kann. Thies fügt hinzu: „Man weiß nie, was sich unter den Shorts der Leuten befindet.“

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