Waiblingen Skihüttengaudi & Weihnachtsmarkt

, aktualisiert am 04.12.2017 - 10:49 Uhr

Waiblingen. Nicht jeder Weihnachtsmarkt hat so viel Programm, so viel Drumherum mit Kultur und Kunst. Weshalb ein Rundgang zwischen Marktplatz und Rathaus durchaus auch für jene, die weder auf Glühwein noch auf Flammkuchen spekulieren, von Interesse sein kann. Viel Gutes auch für den Kopf gibt es, mit Stil und Stimmung. So wie jetzt am Samstag.

Auf der zentralen Marktplatzbühne, einer adventlich geschmückten Halbkugel, tritt gerade das Saxofonensemble des Städtischen Orchesters (und später eine Juniorband der Musikschule) auf, dass es einem in den Ohren klingelt, während es in den Augen funkelt angesichts all der lecker verputzten Animierstände für den originellen Weihnachtsgeschenke-Kauf oder den leckeren Adventssnack.

Aber alles wird übertönt von schrillen Schreien der Verzückung aus begeistertem Kindermund: Unter den Arkaden ist das Wonnegauer Puppentheater zugange, das fiese, aber kreuzdoofe Krokodil hat soeben den zerfranst-zerzottelten Kopf der alten Hexe Sauerkraut im aufgerissenen Rachen – und eine Art Sirenenton, so laut wie bei einem Feueralarm, nimmt unter den Marktbesuchern alle Aufmerksamkeit in Beschlag.

Adventskalender-Ausstellung im Kameralamt

Für nicht ganz so massiven, aber doch erheblichen Kulturgenuss haben die Erwachsenen mehrere Anlaufstellen. Zunächst etwa die Adventskalender-Ausstellung im Kameralamt, wo Ilse Erfurth 420 Exponate unterschiedlicher Natur zeigt. Dicht gedrängt im Keller hängen sie und sogar seitlich der Treppen, wo sich die Kalender nicht so leicht an den steinigen Wänden befestigen ließen, aber nun, nach allen Schwierigkeiten des Aufhängens, ihren vollen Reiz entfalten. Aus einer Zeit, besser: einer Epoche, „als es noch einen Markt für die Kalender gab, nämlich im Buchladen, und sie noch keine Wegwerf-Artikel waren“, so die Sammlerin. Sie bedauert, dass Kinder heute eher auf die Schokolade hinter den Fenstern (und die Eltern auf das Parfüm, den Ring oder was sonst noch an Gutem zu finden ist) scharf seien, als auf ihren ästhetischen Reiz.

Ein 3-D-Adventskalender aus dem Jahr 1946

Was wohl jeder bedauert, der sich etwa die „Kleine Stadt im Mondschein“ anguckt, eine dreidimensionale Adventskalender-Anordnung von 1946, das älteste Exponat und ein Original neben vielen wieder aufgelegten. Laut Erfurth gebe es noch einen Verlag in Meißen, der die schönen Teile weiterhin ausliefert.

Aus der DDR stammen ohnehin interessante Stücke, etwa mit Motiven des „Alt-Berliner Weihnachtsmarktes“. Den hat Dieter Krämer, seit 40 Jahren in Waiblingen zu Hause und einer von vielen interessierten Ausstellungsbesuchern, noch selber kennengelernt. „Da gab es Dinge zu kaufen, die sonst nirgendwo zu haben waren“, erinnert er sich. Und dass Christliches in der DDR, wie auf den Kalendern ersichtlich, zwar nicht in den Mittelpunkt gerückt (bei Motiven wie „Zirkus“ oder „Bauerhof“), aber zumindest toleriert wurde.

50 Aussteller beim Kunsthandwerkermarkt

Anders das Ambiente beim Kunsthandwerkermarkt Art-verwandt im Schlosskeller, die Aussteller wollen auch verkaufen, wollen für ihre so hübschen wie originellen und oft auch nützlichen Unikate einen Markt schaffen. Aber das stehe laut Organisatorin Daniela d’Ambrosio, die mit Ulrike Göritz „seit vielen Jahren“, wie sie sagt, die Aussteller aussucht und persönlich betreut, nicht im Mittelpunkt.

50 sind es insgesamt, heute sind 27 im Keller, am 2. Advent wird gewechselt. Und „nichts ist doppelt“, betont d’Ambrosio, alles mit persönlichem Geschmack ausgesucht. Dieser Kunsthandwerkermarkt sei keine lieblose „Abzocke“, sondern vermittele persönliche Handschriften, Liebe zum Detail, Sorgfalt fürs kunstvolle Handwerk. In einem Keller „klein genug und groß genug“, so d’Ambrosio, sprich: einerseits gemütlich, andererseits ausreichend im Platzangebot.

Täglich wechselndes Live-Programm

Sonja Fritz aus Schwäbisch Hall jedenfalls ist voll des Lobes für die beiden Organisatoren und den Markt, an dem sie zum zweiten Male teilnimmt. Ihren handgefertigten Schmuck und die nützlichen Accessoires aus Filz (darunter Wärmflaschen, die sich bestimmt so geschmeidig ans Bauchfell schmiegen wie Katzenfell) kann sie die Woche über in Kommission den verlässlichen Händen der Organisatorinnen überlassen. „Ein sehr gemütlicher Markt, gut organisiert“, so ihr profundes Urteil.

Wem all das immer noch nicht genug Kultur im weitesten Sinne ist, der hat täglich die Auswahl. Am Montag zum Beispiel nimmt das Contemp Dance Center die Marktbühne in Beschlag, und danach gibt’s noch Weihnachtsjazz mit Peter Bühr und seinen Flat Foot Stompers. Mehr kann selbst der Weihnachtsmann nicht verlangen.

Skihüttengaudi ist zurück

Nach einjähriger Pause steigt heuer auch wieder die Skihüttengaudi, laut vielen Waiblingern längst „Kult“ und zuletzt schwer vermisst. Vor allem deshalb hat sich der Motorsportclub erstmals bereiterklärt, die viele ehrenamtliche Arbeit zu übernehmen.

Laut Vorstand Andreas Becker „ein großes finanzielles Risiko“, das aber gemeinsam mit den Veranstaltungsprofis um Jeli und Atze Bross, Betreiber des „Bobby’s“ und des Fellbacher „d’r Knaudl“, zu stemmen sei.

Die haben zugestimmt, weil, laut Atze Bross, „so viele nachgefragt haben“. Am frühen Samstagabend ist zwar noch nicht soooo viel los, aber am Tag zuvor sei der Punk abgegangen, DJ Harry mit seiner Mischung aus Pop, Charts und der speziellen Apres-Ski-Dröhnung („Anton aus Tirol“) habe die Skihasen und -lehrer in Fahrt gebracht, die Szenerie „wie im Skigebiet“ mit der entsprechenden Hütten-Ästhetik wurde mal wieder allgemein goutiert.

Damit nicht wieder die Anwohner (besser: einer, wie es vereinzelt hieß) sich dran stören, habe man zunächst mal, in Absprache mit der Stadt, am Freitag eine Stunde früher dichtgemacht.

Außerdem wurden in der Nachbarschaft extra Verzehrgutscheine in die Briefkästen geworfen. Wofür sich eine Anwohnerin vor dem Berichterstatter als Augenzeugen persönlich bei Becker und Bross bedankt.

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