Waiblingen Stadt soll Teststrecke für fahrerlose Busse werden

Der selbst fahrende Bus auf dem Foto ist auf einer Testfahrt in Zug (Schweiz) unterwegs. Foto: picture alliance/ Urs Flueeler

Waiblingen. „Aufregend, gigantisch, bestechend, super, genial“: Selten sind im Gemeinderat derartige Begeisterungsstürme zu hören, doch am Donnerstagabend zog sich die Euphorie durch alle Fraktionen. Der Grund: Waiblingen soll Teststrecke für fahrerlose Busse werden. „Als Stadt haben Sie damit eine enorme Chance“, warb der Esslinger Professor Ralf Wörner für die Teilnahme der Stadt am Projekt des Bundesforschungsministeriums.

Verstopfte Straßen, genervte Menschen, Verkehrslärm, Feinstaub und Abgase: Neue Mobilitätsformen braucht das Land – darüber besteht inzwischen große Einigkeit. Eine Lösung für die Mobilitätswende könnte der Ausbau der Elektromobilität und das autonome Fahren werden, verbunden mit neuen Möglichkeiten für den Busverkehr. Im Zuge der Daimler-Ansiedlung auf dem Hess-Areal sollen nun auch in Waiblingen neue Mobilitätskonzepte erarbeitet werden. Teil davon sind die auf dem Hess-Areal geplanten Wasserstofftankstellen, dazu gehören aber auch die fahrerlosen Busse, die in ein bis zwei Jahren testweise in der Waiblinger Innenstadt verkehren könnten.

Wird der Bus von den Fahrgästen akzeptiert?

„In Waiblingen soll autonomes Busfahren erprobt werden“, erklärte Oberbürgermeister Andreas Hesky im Gemeinderat. Untersucht werden soll unter realen Bedingungen, ob der Bus von den Fahrgästen akzeptiert wird und ob er wirtschaftlich fahren kann. Das Fahrzeug selbst soll eine offene Plattform für verschiedene Unternehmen sein, um damit Erkenntnisse zu gewinnen.

Ob Waiblingen tatsächlich Teststrecke wird, soll bis Ende des Jahres im Bundesforschungsministerium entschieden werden. Der nächste Schritt ist nun eine Projektskizze, die der Esslinger Professor Ralf Wörner entwickeln wird. Unterschiedliche Streckenprofile in der Innenstadt sollen Rückschlüsse für den automatisierten, leistungsfähigen und emissionsfreien Verkehrsbetrieb erlauben, sagte er im Gemeinderat. Waiblingen stehe im Wettbewerb mit 50 anderen Kommunen, habe aber den entscheidenden Vorteil eines Rechenzentrums, das sich auf dem Hess-Areal niederlassen will.

Die Stadt muss für den Versuch 15 000 Euro bereitstellen, kann Wörner zufolge dafür aber mit 100 000 Euro Zuschuss vom Bund rechnen. Falls die Stadt den Zuschlag für das Förderprogramm des Forschungsministeriums bekommt, könnten bereits in ein bis zwei Jahren die fahrerlosen Busse durch die Innenstadt gleiten. Bei einer Bürgerbeteiligung sollen nach Angaben von Stadtchef Hesky dann auch die Fahrgäste nach ihrer Meinung gefragt werden.

Der Gemeinderat hat die Ankündigung mit großer Begeisterung zur Kenntnis genommen. „Aufregend“ fand ALi-Chef Alfonso Fazio das Projekt, als „gigantisch“ bezeichnete Peter Abele (CDU) die Möglichkeiten, an der Zukunft der Mobilität mitzuarbeiten. „Das bringt uns eine Bekanntheit über die Grenzen hinaus“, sagte er. Auch CDU-Chef Siegfried Kasper fand den Gedanken bestechend, das Unterfangen aber hoch komplex. Wolfgang Bechtle, Roland Wied und Daniel Bok warben ebenfalls dafür, die Chance zu ergreifen.

Oberbürgermeister Andreas Hesky warnte allerdings vor allzu großer Euphorie. Er betrachte das Vorhaben als Projektskizze, vieles sei noch in der Schwebe. Großartig sei aber die Möglichkeit, aufzuzeigen, was machbar ist. Im Übrigen, sagte Hesky, sei das Projekt genau das, was er sich von der Daimler-Ansiedlung auf dem Hess-Areal versprochen und erhofft habe.


Mit Wasserstoff

Als Signal für eine neue, ressourcenschonende Mobilität hat die Stadt seit vergangenen Dezember ihr erstes Wasserstoff-Fahrzeug im Einsatz: Statt Kohlendioxid und Stickoxid stößt der Toyota Mirai nichts als Wasser aus.

Gefahren wird es nicht etwa von Oberbürgermeister Andreas Hesky, sondern von Betriebshofleiter Achim Wieler. Und der muss zum Tanken derzeit noch nach Fellbach. Anders als in Waiblingen gibt es dort eine Wasserstoff-Tankstelle bei der „Total“– eine von rund 50 Stationen deutschlandweit. Betrieben wird sie vom „H2 Mobility“-Firmenkonsortium, das der Bund fördert. Freuen wird sich Wieler, dass auch auf dem Hess-Areal eine Tankstelle eingerichtet wird.

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