Waiblingen Städtische Wohnungen: Drei bis fünf Jahre Wartezeit

Gebäude mit städtischen Wohnungen in der Badstraße. Foto: ZVW/Gaby Schneider (Archiv)

Waiblingen. In der Region Stuttgart und damit auch in Waiblingen grassiert die Wohnungsnot. Besonders Alleinerziehende, Senioren mit schmaler Rente und generell Menschen mit geringem Einkommen haben es schwer, auf dem freien Markt eine Bleibe zu finden. Die städtische Wohnungsvermittlung kann nur den Mangel verwalten.

Wie andere Städte auch, verfügt Waiblingen auch über einen Bestand eigener Wohnungen. Dieser reicht allerdings nur aus, um den größten Mangel abzufedern. Leerstände, freie Kapazitäten gibt es nicht. Wird ein Objekt frei, ist im Handumdrehen ein Nachmieter gefunden. Etwa 1500 Menschen leben in den – inklusive Ortschaften – 464 städtischen Wohnungen. Das sind rund 2,5 Personen pro Haushalt. Gleichzeitig stehen 289 Haushalte auf der Warteliste. Außer im akuten Notfall ist Geduld gefragt: Mit Wartezeiten von drei bis fünf Jahren müssen die Interessenten dabei rechnen.

Soziale Kriterien spielen bei Vergabe entscheidende Rolle

Wer sich für eine städtische Wohnung bewerben will, braucht als zwingende Voraussetzung einen Wohnberechtigungsschein. Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass diesen nur Menschen mit besonders schwachem Einkommen erhalten können. Eine vierköpfige Familie kann schon bei einem Einkommen von weniger als 64 000 Euro (Neubau) beziehungsweise 45 000 Euro (Altbau) dieses Dokument bei der städtischen Wohnungsvermittlung beantragen. Leistungsberechtigte sind also mitnichten wohlhabend, von einer prekären Situation muss aber nicht automatisch die Rede sein. Soziale Kriterien spielen bei der Vergabe freilich eine entscheidende Rolle, sie verläuft nicht streng nach Wartezeit. Wer an den oberen Einkommensgrenzen kratzt, muss sich tendenziell hinten anstellen.

Über die Vergabe beraten und entscheiden zwischen acht und zehn Beteiligte am Runden Tisch, die in der Regel alle zwei Wochen zusammentreffen. Vertreten sind dort neben der Stadt mit ihren Ämtern auch soziale Einrichtungen wie die Caritas. Entschieden wird nach klaren Kriterien wie Einkommen und Kinderzahl - aber nicht nur. Besondere Umstände und Härten werden nach Möglichkeit berücksichtigt, wie Erste Bürgermeisterin Christiane Dürr versichert: „Wir prüfen jeden Einzelfall.“ Eine Rolle kann zum Beispiel spielen, wo die Arbeitsstelle der Verdiener liegt oder wo sich der Kindergarten befindet. Alleinerziehende, denen womöglich gar eine Räumungsklage vorliegt, stehen laut Werner Nußbaum, Leiter des Fachbereichs Bürgerdienste, auf der Prioritätenliste „ganz weit oben“. Keine Chancen haben Auswärtige. Die städtische Wohnungsvermittlung vermittelt aus ihrem auf Kante genähten Bestand ausschließlich an Waiblinger.

Flüchtlingsunterbringung keine Aufgabe der Wohnungsvermittler

In der Vergangenheit viel diskutiert wurde das Problem, dass Menschen in einer öffentlich geförderten Wohnung leben, mit den Jahren aber der Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein entfallen ist – etwa durch ein gestiegenes Einkommen. Sie dürfen in der Wohnung bleiben, kündigen kann die Stadt nicht. Allerdings müssen sie marktübliche Mieten bezahlen. Die Förderung durch die L-Bank entfällt dann. Dazu wird regelmäßig geprüft, ob die Voraussetzungen für eine Förderung noch bestehen.

Die Anschlussunterbringung von Flüchtlingen gehört nicht zu den Aufgaben der städtischen Wohnungsvermittlung. Dazu dient in Waiblingen vor allem die ehemalige Sammelunterkunft des Rems-Murr-Kreises im Marienheim am Kätzenbach. Außerdem wurde von privat ein Gebäude in der Max-Eyth-Straße angemietet, vom Landkreis einige Plätze in einem Container am Inneren Weidach.


Wohnungsbau

Die Stadt Waiblingen beziehungsweise die städtische Wohnbau besitzt Wohnungen und hat sich Belegungsrechte an Wohnungen gesichert. Durch intensive Flächensuche und Neubaugebiete ergab sich ein Programm mit 115 neuen Wohnungen. 45 davon sind umgesetzt.

Belegungsrechte hat die Stadt in Wohnungen auf dem ehemaligen Krankenhaus-Areal und auf dem Hahn-Areal an der Schorndorfer Straße, die von privat gebaut werden.

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