Waiblingen Streit über Sexvideos landet vor Gericht

Symbolbild. Foto: Mogck / ZVW

Waiblingen. Nur ein Teenagerstreit? Weil er seiner Ex-Freundin ihr Smartphone gewaltsam abgenommen haben soll, musste sich ein 20-Jähriger vor dem Amtsgericht verantworten. Der Sache vorausgegangen war offenbar ein Streit über pikante Videos, die der Angeklagte beim Sex von der jungen Frau aufgenommen haben soll.

War es nur ein heißblütig geführter Streit unter Teenagern oder steckt doch mehr dahinter? Diese Frage gilt es am Ende der Verhandlung vor dem Amtsgericht zu beantworten. Einem 20-Jährigen aus Korb wird vorgeworfen, seine Ex-Freundin in seinem Auto festgehalten, ihr ihr Smartphone abgenommen und sie am Ende auf einem Feldweg stehengelassen zu haben. Der junge Mann muss sich deshalb nun wegen Raubes und vorsätzlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten. Zunächst bestreitet er die Vorwürfe.

Zu der Tat selber will der Angeklagte, der sich im gebügelten rosa Hemd vor Gericht als Musterschüler präsentiert, nicht äußern. Er macht aber Angaben zu seinem Werdegang: Mit drei Jahren sei er nach Deutschland gekommen, nach der Kindheit im Hallschlag mit seinen Eltern nach Korb umgezogen. Zweimal hat er eine Klasse wiederholt, ansonsten ist sein Lebenslauf über den Realschulabschluss und die technische Fachhochschulreife bis zur Kfz-Ausbildung glatt. Alkohol, Drogen? Nie probiert.

Wie aus einem Ghetto-Film

Seine Ex-Freundin hingegen wirkt mit den tätowierten Armen, den seitlich ausrasierten Haaren und dem schwarz-weiß gemusterten Bandana-Tuch, das sie um ihren Kopf geschlungen hat, eher wie einem amerikanischen Ghetto-Film entsprungen. Verstärkt wird dieses Bild durch den Umstand, dass die junge Frau in Handschellen vorgeführt wird – die 18-jährige Ludwigsburgerin sitzt wegen Raubes in Jugendhaft. Die Tatsache, dass „die Geschädigte selbst kein Kind von Traurigkeit ist“, betont der Vorsitzende Richter Martin Luippold mehrfach, dürfe allerdings die Entscheidung im vorliegenden Fall nicht beeinflussen.

Mit Sexvideos erpresst

Im April des vergangenen Jahres, so schildert es die Geschädigte, habe der Angeklagte sie unter dem Vorwand Shisha rauchen gehen zu wollen, mit dem Auto abgeholt. „Gib mir dein Handy“, habe er gesagt, sie habe gehorcht. Statt in Richtung der Shisha-Bar sei er dann aber aus der Stadt heraus und auf die Felder gefahren. Dort sei er ausgerastet, habe ihren Kopf gepackt und gegen das Auto gedrückt. Nach einem missglückten Fluchtversuch sei die Fahrt weitergegangen, wieder durch die Stadt, wo das Duo einem Bekannten des Angeklagten begegnete, und wieder hinaus aus der Stadt. Weitere Diskussionen und Gerangel folgten, schlussendlich ließ der Angeklagte die junge Frau auf einem Feldweg stehen – ohne Handy und ohne zu wissen, wo sie war, so ihre Aussage. Ein Passant, den sie schließlich traf, verständigte die Polizei. Schwere Verletzungen erlitt die Geschädigte durch den Vorfall nicht, aber Kratzer und Blutergüsse.

Dem Ganzen vorausgegangen war offenbar ein Streit wegen eines oder mehrerer pikanter Videos, die der Angeklagte von der Geschädigten aufgenommen haben soll: Er soll sie beim Sex gefilmt und gedroht haben, es zu veröffentlichen. Deshalb hatte die junge Frau ihn bereits Anfang 2017 angezeigt – der Kontakt war deshalb aber nicht abgebrochen. Die beiden stritten, beschimpften sich, versöhnten sich, stritten wieder. Für den Verteidiger Jens Rabe „typisches Teenagerverhalten“ und deshalb, so scheint es, die eigentliche Tat auch irgendwie halb so schlimm.

Angeklagter gesteht schließlich

In diese Richtung geht auch die Aussage der Kriminalkommissarin, die den Fall behandelt hat. Sie äußert sich skeptisch gegenüber der Aussage der Geschädigten, da diese bereits polizeibekannt sei. Allerdings bestätigt sie, dass es tatsächlich die Begegnung mit dem Bekannten des Angeklagten gegeben habe. Der will sich vor Gericht aber an nichts Ungewöhnliches erinnern. Erst als Richter Luippold ihm seine polizeiliche Aussage vorhält, räumt er ein, dass es möglicherweise zu Handgreiflichkeiten im Auto gekommen sei. Der Passant, der damals die Polizei gerufen hatte, schließlich, schildert den Zustand der Geschädigten an jenem Tag als: „hilflos, ängstlich, vielleicht ein bisschen verwirrt“.

Am Ende wird das Verfahren unter Auflage einer Geldstrafe eingestellt – allerdings erst, nachdem der Angeklagte auf Verlangen des Staatsanwaltes sein Schweigen gebrochen hat. Entgegen seiner ersten Aussage bei der Polizei gibt er nun zu, seine Ex-Freundin mit dem Auto abgeholt und ihr das Handy abgenommen zu haben, aus Angst sie könnte kompromittierende Fotos von ihnen beiden seinen Eltern zeigen.

„Die sind da sehr streng“, so der junge Mann. Das Handy habe er „versteckt“ und dazu an Freunde weitergegeben. 700 Euro muss der Korber nun an den Verein SOS Kinderdorf zahlen, außerdem 250 Euro zur Schadenswiedergutmachung an seine Ex-Freundin. So wie geschehen dürfe man mit niemandem umgehen, betont der Richter erneut. Und das müsse der junge Mann auch wirklich kapieren.

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