Waiblingen Streit um Nordostring: Waiblingen will zweispurige Tangente

Eine Karte des geplanten Nordostrings. Foto: VLP

Waiblingen. Die großen Straßenbauvorhaben in der Region sind nach wie vor umstritten. Das zeigt sich auch bei der Fortschreibung des Regionalverkehrsplans, zu der die Kommunen derzeit Stellung nehmen. Während die Verwaltung, CDU, FDP und Freie Wähler die vierspurige Variante des Nordostrings ablehnen, eine zweispurige und in Teilen dreispurige Straße aber nötig finden, sind ALi und SPD strikt gegen die Straße übers Schmidener Feld.

Ein erklärter Fan einer zweispurigen Nordosttangente mit einer Überholspur an Steigungen ist dagegen Oberbürgermeister Andreas Hesky. Das Ziel, Hegnach vom Verkehr zu entlasten, kann aus seiner Sicht mit einer Verbindung zwischen Waiblingen/Fellbach und Ludwigsburg/Kornwestheim sinnvoll erreicht werden. Gleichzeitig könnten die beiden Wirtschaftsräume miteinander verbunden werden.

Tunnel und Grünbrücken übers Schmidener Feld 

Allerdings will auch der Oberbürgermeister die Straße nicht um jeden Preis und fordert bei der Trassenführung übers ökologisch sensible Schmidener Feld deshalb einen Tunnel und Grünbrücken.

Beim dreispurigen Vorschlag scheiden sich die Geister 

Während im Entwurf der Region eine drei- und eine vierspurige Straßenvariante vorgesehen sind, ist Waiblingen nur für den zweispurigen Ausbau zu haben. Die vierspurige Variante lehnen Verwaltung und Gemeinderat unisono ab. An der Stellungnahme zum dreispurigen Vorschlag haben sich im Planungsausschuss indes die Geister geschieden. Während Hesky vor einem endgültigen Votum dafür oder dagegen vertiefende Betrachtungen, Pläne und Gutachten forderte, um mehr über die konkrete Trassenführung zu erfahren, ist dies nach Ansicht der Alternativen Liste und der SPD gar nicht nötig.

SPD: Zweispurig wird diese Straße nie gebaut

Beide lehnen die Straße kategorisch ab, was die SPD auch in einem Antrag formuliert hat. Da der Nordostring als Bundesfernstraße geplant sei und eine Straße für den überregionalen Fernverkehr werden soll, wird ein zwei- oder dreistreifiger Ausbau ohnehin nicht kommen, so SPD-Frau Sabine Wörner.

„Wenn der Bund baut, baut der vierspurig“

Unabhängig von der Zahl der Fahrspuren werde der Nordostring auch nachts zu einer starken Verkehrszunahme führen, weil der Fernverkehr rund um die Uhr unterwegs sei. Zudem greife die Straße bei allen Ausbaustufen in Natur und Landschaft ein. „Wenn der Bund baut, baut der vierspurig“, sagte Sabine Wörner im Planungsausschuss. Und das mit beträchtlichen Auswirkungen für Waiblingen.

Auch ALi-Chef zeigt sich misstrauisch 

Misstrauisch zeigte sich ALi-Chef Alfonso Fazio angesichts der Sitzungsvorlage der Stadtverwaltung. Man könne einer dreispurigen Straße doch nicht zustimmen und sagen, dass man sich eigentlich eine zweispurige wünsche, wunderte er sich. Ins selbe Horn stieß Urs Abelein (SPD): Eine zweispurige Straße wollen und einer dreispurigen zustimmen, das passte für ihn nicht zusammen. Ohnehin würde der Ausbau des ÖPNV viel mehr Menschen zugutekommen als der Straßenbau, sagte er und schlussfolgerte: „Man kann dem Nordostring keinesfalls zustimmen.“

CDU stellte sich hinter die Stadtverwaltung 

Das sehen andere im Gemeinderat grundsätzlich anders. „Der Verkehr ist da, und er wird nicht weniger“, befand Matthias Kuhnle für die DFB. Auch die CDU hält eine Straßenverbindung als Fortführung der zweispurigen Westumfahrung für notwendig. Klar stellten sich CDU-Sprecher Siegfried Kasper und Ingo von Pollern hinter die Stadtverwaltung. Man wolle eine zweispurige Verbindung, wobei in Abschnitten auch ein dreispuriger Ausbau nicht auszuschließen sei, sagte Kasper. In jedem Fall müsse es aber eine verträgliche Lösung mit einem Tunnel werden.

Hesky: Jede Lösung müsse ins Verkehrsnetz eingebunden werden

Während Alfonso Fazio vor dem Verkehrskollaps warnte, der seiner Ansicht nach zwingend die Folge eines Nordostrings wäre, warnte Christel Unger (SPD) aus ökologischen Gründen davor, das Schmidener Feld zu überbauen: „Was bleibt nachher davon übrig? Da wird ein Naturschutzgebiet zerstört.“ Auch bei ihm schlagen da zwei Herzen in seiner Brust, räumte Hesky ein. Er sei kein Befürworter eines vierspurigen Rings, wohl aber einer dreispurigen Nordosttangente. Hesky warnte aber vor singulären Maßnahmen, die am Ende nichts bringen würden: Jede Lösung müsse ins Verkehrsnetz eingebunden werden.

„In fünf Jahren wäre diese Straße schon überlastet“

Bernd Mergenthaler (FDP) verwies auf Abgase und Feinstaub, die seiner Ansicht nach vor allem auf ständige Staus zurückzuführen sind. Peter Abele (CDU) warnte davor, alle Maßnahmen abzulehnen und damit erst recht eine Lösung zu verhindern. Eine Lösung freilich, die nach Meinung von Urs Abelein schon bald keine mehr wäre: „In fünf Jahren wäre eine zweispurige Straße wieder überlastet, weil sie mehr Verkehr anziehen wird.“ Genau das sei auch beim Kappelbergtunnel geschehen. Ebenso wie Frieder Bayer (ALi) forderte er eine Umorientierung Richtung ÖPNV. Das sei aber nicht von heute auf morgen zu haben, konterte Hesky. Und auch die Schiene werde das Schmidener Feld zerschneiden.

Weitere Vorhaben

Einer zweispurigen Neckarbrücke bei Remseck hat der Planungsausschuss mehrheitlich grünes Licht gegeben. Abgelehnt wird dagegen die dreispurige Andriof-Brücke südlich von Remseck-Aldingen, die aus Waiblinger Sicht zu mehr Verkehr in Hegnach führen würde. Die Schwaikheimer Südumfahrung wird abgelehnt, da die ökologischen Eingriffe in keinem Verhältnis zur Auswirkung stehen würden.

Zustimmung fanden der Bau einer Stadtbahn im Raum Ludwigsburg, einer Stadtbahn von Ludwigsburg nach Waiblingen und der partielle Ausbau der Remsbahn zwischen Waiblingen und Schorndorf.

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