Waiblingen Stress mit Verkehrslärm vor der Haustür

Mit den Ergebnissen der Verkehrszählung wurde auch die Lärmaktionsplanung aktualisiert. Foto: Büttner / ZVW

Waiblingen. Der Krach von Autos und Lastwagen stresst viele – Anlass für die Stadt, auf Antrag der CDU-Fraktion eine neue Verkehrszählung und Lärmberechnung in Auftrag zu geben. Das Ergebnis: Seit 2009 ist die Zahl der Autos zurückgegangen, die der Lastwagen aber gestiegen. Weitere Lärmbrennpunkte sind seit der Erhebung vor vier Jahren nicht dazugekommen. Noch immer sind die Anwohner in Teilen der Bahnhofstraße und in der Neustädter Straße am meisten belastet.

Was als Hotspot gilt, ist nicht nur eine Frage des Lärmpegels, sondern auch der Besiedelungsdichte. Sprich: Je mehr Menschen an einer lärmbelasteten Straße wohnen, desto eher muss mit Lärmschutzmaßnahmen darauf reagiert werden. Als Hotspots gelten nach den Richtlinien des Umweltministeriums Lärmschwerpunkte, bei denen der Schwellenwert von 70 Dezibel tagsüber und 60 Dezibel nachts überschritten werden und die Einwohnerdichte in einem Radius von 100 Metern hochgerechnet bei mehr als 1000 Menschen pro Quadratkilometer liegt. In den Ortschaften gibt es aufgrund der geringen Einwohnerdichte derzeit keine Hotspots – der in der Neckarstraße wurde mit Hilfe des Tempolimits auf 30 Stundenkilometer mittlerweile beseitigt.

Weniger Autos, aber mehr Lastwagen

Tempo-30-Bereiche sind das eine, umgestaltete Straßenräume, leisere Straßenbeläge, Lärmschutzwände und -fenster sowie Maßnahmen, die Bus und Bahn und Radfahren fördern, weitere Möglichkeiten, um den Lärm zu mindern. Die Förderung des ÖPNV und des Radverkehrs haben die Stadtverwaltung denn auch dazu geführt, dass die Zahl der Autos in den vergangenen Jahren zurückgegangen ist. Dafür rollen mehr Lastwagen durch die Stadt, wie sich bei der jüngsten Verkehrszählung gezeigt hat: Trauriger Spitzenreiter ist die Neckarstraße in Hegnach, an der knapp elf Prozent weniger Autos, aber 12,2 Prozent mehr Lastwagen gezählt wurden.

Trotz deutlich höherer Lasterzahlen ist die Hegnacher Straße kein Lärm-Hotspot mehr: Dafür hat nach Angaben der Verwaltung die Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 Stundenkilometer gesorgt. An der Winnender Straße sank die Zahl der Autos auch um elf Prozent, die der Lastwagen stieg um 9,4 Prozent. 11,8 Prozent weniger Autos waren es in der Talstraße, aber 7,2 Prozent mehr Lkw. Demgegenüber können die Anwohner an der Ludwigsburger Straße aufatmen: Hier wurden 19,5 Prozent weniger Autos und 5,9 Prozent weniger Brummis gezählt.

Geplante 30er-Zonen

Mit den Ergebnissen der Verkehrszählung wurde auch die Lärmaktionsplanung aktualisiert. Diese Planung beruht auf einer von der EU erlassenen Richtlinie, mit der die Bevölkerung vor allzu großer Lärmbelastung geschützt werden soll. Gemessen wird der Lärm nicht: Die Ermittlung der Lärmbelastung basiert auf einem einheitlichen Berechnungsverfahren, bei dem die Zahl der gezählten Autos und die Umgebungsbebauung berücksichtigt werden.

Als Maßnahmen für den Hotspot an der Neustädter Straße zwischen den Gebäuden 69 und 97 schlägt die Verwaltung Tempo 30 und die Neuordnung der parkenden Autos vor. Tempo 30 soll auch am Hotspot Bahnhofstraße zwischen Oppenländer- und Weidachstraße gelten. Langfristig plädiert die Stadtverwaltung an dieser Stelle auch für eine Umgestaltung der Straße. Nur zwei Hotspots in der Kernstadt und in den Ortschaften keine: Die Stadt könnte zufrieden sein – stünde der Lärmaktionsplan nicht nur auf dem Papier. Für Baubürgermeisterin Birgit Priebe bleibt er unbefriedigend, weil die Anlieger keinen Anspruch auf Maßnahmen haben. Eine Verpflichtung zur Umsetzung von Maßnahmen besteht nicht.


Im Sommer ist die Bevölkerung gefragt

In der ersten Stufe des Lärmaktionsplans wurden die Hauptverkehrsstraßen und großen Bahnstrecken untersucht. Wie berichtet, hatte sich der mittlere Bereich der Hegnacher Neckarstraße als einziger sogenannter „Hotspot“ herausgestellt. Nun geht es wieder um den EU-Plan, dieses Mal um die zweite Stufe, bei der Hauptverkehrsachsen ab einer Verkehrsmenge von 8200 Autos und 80 Zügen untersucht werden. Die zweite Stufe des Plans wird im Juni den Ortschaftsräten vorgestellt. Danach wird der Plan öffentlich ausgelegt. Die Bevölkerung kann sich dann zur Planung äußern. Nach der Sommerpause soll die zweite Stufe beschlossen werden.

Der Lärmaktionsplan wird alle fünf Jahre fortgeschrieben.

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