Waiblingen Tänzer verlassen VfL Waiblingen

Wilfried Börner und Peter Bartl. Foto: Palmizi / ZVW

Waiblingen. Feuer unterm Dach des VfL Waiblingen: Zum 31. Dezember hat die gesamte Tanzsportabteilung den VfL verlassen und einen neuen Verein gegründet. Grund für das Zerwürfnis ist die Einführung einer neuen Gebührenordnung: Bei dieser werden die real anfallenden Hallenkosten direkt auf die Abteilungen umgelegt. Für die Tänzer wäre es teuer geworden: „Wir hätten unsere Abteilungsbeiträge von 140 Euro auf 240 Euro erhöhen müssen“, klagt Ex- Abteilungsleiter Peter Bartl.

Elegant und harmonisch übers Parkett schweben: So stellt man sich Tanzsport normalerweise vor. Von Harmonie war zwischen der Tanzsportabteilung und ihrem Hauptverein indes schon lang nichts mehr zu spüren. Seit 2015 die neue Gebührenordnung beschlossen wurde, schwelte es. Die Hallenkosten sollten nach dem Verursacherprinzip bezahlt werden, erklärt Peter Bartl, die Kosten für die Sportstättennutzung also den Abteilungen direkt zugeordnet werden. Die Tanzsportabteilung, die große Sporthallen teils mit nur vier Paaren belegte, kam das besonders teuer zu stehen. Fatal war das, weil nicht nur die Benutzung der Hallen zu Buche schlug: Auch die hauptamtlichen Tanzlehrer, die viel teurer sind als etwa ehrenamtliche Übungsleiter beim Turnen, mussten finanziert werden.

Die höchsten Abteilungsbeiträge, doch gereicht haben sie nicht

„Die Tanzsportler haben die höchsten Abteilungsbeiträge bezahlt“, sagt Wilfried Börner, der im neuen Vorstand für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Zuletzt hätten sie trotzdem nicht mehr gereicht: Zu 126 Euro VfL-Jahresbeitrag wären nach Rechnung der Tanzsportler jährlich statt bisher 144 Euro satte 240 Euro Abteilungsbeitrag nötig gewesen. 366 Euro, sagt Bartl, das habe er seinen Mitglidern nicht zumuten können. Bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung hätten sich 90 Prozent für einen Austritt ausgesprochen. Es folgten Kooperationsgespräche mit einem anderen großen Sportverein. Und nachdem sich diese zerschlugen, die Gründung des neuen Vereins.

„Dem VfL haben wir gekündigt, die Mitglieder sind ausgetreten“, sagt Bartl. Der Jahresbeitrag des neuen Vereins beträgt laut Bartl nun 220 Euro, 90 Prozent der Trainingsgruppen hat er in Hallen in Waiblingen und seinen Ortschaften untergebracht. Ärger gibt’s indes mit dem Bürgerhaus in Hohenacker, in dem die Tänzer schon unter VfL-Ägide trainiert haben. Obwohl die Tanzsportabteilung im VfL nur noch auf dem Papier existiere, werde die Hohenacker Halle blockiert, ärgert sich Börner.

Zudem kursierten über den Austritt böse Gerüchte im Verein: „Wir wollen Gehör in der Öffentlichkeit und nicht vom VfL erschlagen werden.“

Neue Kostenregelung sorgte für Unstimmigkeiten

Letzteres weist VfL-Geschäftsführer Jochen Griesmeier klar zurück. Nein, sagt er. Die VfL-Vereinsführung wolle ihre ehemaligen Tänzer weder diskreditieren noch behindern. Die Trainingszeiten in der Rinnenäckerschule und in Hohenacker werde man allerdings keinesfalls aufgeben: „Unsere Tanzsportabteilung gibt es ja noch“, erinnert Griesmeier. „Man kann nicht erwarten, dass der VfL seine Infrastruktur aufgibt.“ Dass die neue Gebührenstruktur ein Problem für die Tänzer war, weiß Griesmeier wohl. Notwendig war sie indes angesichts der fortgesetzten finanziellen Schieflage des Vereins: „Der Verein hat von seinen Ersparnissen runtergelebt“, so Griesmeier. Die Sportstätten seien in die Jahre gekommen und müssten renoviert werden, während Pachteinnahmen und Gewinne bei Veranstaltungen zurückgegangen seien. Bei der neuen Gebührenordnung würden den Abteilungen nur die Kosten berechnet, die tatsächlich anfallen. Hart getroffen habe das vor allem die Tanzsport-, die Basketball- und die Schwimmabteilung, weiß er. Während die Tanzabteilung gegen die Gebührenordnung stimmte, hätten die Basketballer und die Schwimmer sie allerdings mitgetragen. Den Abteilungsbeitrag bestimme jede Abteilung selbst. Klar sagt Griesmeier aber auch: „Tanzen ist ein teurer Sport.“ Tanzgruppen mit zum Teil drei, vier Paaren, die eine große Halle und einen teuren Trainer beanspruchten, hätten die hohen Kosten verursacht. Dass sie dies mitfinanzieren sollen, sei den anderen Sportlern schwer zu vermitteln.

Ärger auch wegen des Altstadtfests

Ärger mit den anderen Abteilungen hatte die Tanzsportabteilung auch wegen ihres Engagements beim Altstadtfest. Während der überwiegende Teil des VfL zusammen die Bewirtung auf dem Marktplatz stemmte, schenkten die Tänzer beim Sektbrunnen Sekt aus und nahmen laut Börner ordentlich Geld ein. „Damit haben wir unser Trainingslager finanziert“, sagt er. Damit war Schluss, seit der Hauptausschuss beschloss, dass alle Einnahmen und Kosten in die Gemeinschaftskasse fließen sollen.

Dieses Problem werden die nun unabhängigen Tänzer im neuen Verein nicht mehr haben. Derweil versucht der VfL, wieder eine Tanzsportabteilung aufzubauen. Einen Trainer für drei Paare wird es wohl aber nicht mehr geben, meint Griesmeier: „So einen Luxus können wir uns nicht leisten.“


„Wir betrachten uns auch als Seniorensportler“

„Wir haben Leute ab 40 aufwärts bis 80 und betrachten uns auch als Seniorensportler“, sagte Wilfried Börner. Weil Tanzen Körper und Geist fit halte, werde versucht, dafür ein Konzept zu finden. „Wenn Senioren fit bleiben wollen, bleiben nicht viele Sportarten übrig, aber das wird nicht honoriert.“

Nach der Neugründung wolle man nun nach vorne blicken, sagt Bartl. Allerdings kursierten im VfL noch immer Gerüchte um den Austritt. Dass sich die Gemüter noch nicht alle beruhigt haben, sagt auch Jochen Griesmeier. „Es belastet uns alle, aber es macht keinen Sinn zu hadern.“ Der Verein müsse den Schritt nun akzeptieren.

Natürlich habe es Kritik im Verein am Austritt der Abteilung gegeben. Der Vorstand und er als Geschäftsführer hätten sich aber nie negativ geäußert.

Der VfL ist mit rund 3500 Mitgliedern der größte Verein in der Stadt. Aber auch er hat ein Problem, genügend Ehrenamtliche zu finden. Das Amt des ersten Vorsitzenden ist derzeit vakant.

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