Waiblingen Tausende zieht es zum Martinimarkt in die Innenstadt

, aktualisiert am 04.11.2019 - 06:54 Uhr

Waiblingen. Der Regen wird mal stärker, lässt auch wieder nach, richtig weg ist er nie, doch das Tröpfelwetter schreckt die Besucher nicht ab. Mit abwechselnd auf- und zugeklappten Regenschirmen schieben sie sich durch die vollen Gassen, machen halt an Buden und legen Abstecher ins Warme ein - zur Modellausstellung, zum Kunsthandwerksmarkt und in die geöffneten Geschäfte.

Martinimarktbesucher ziehen auch auf regennassen Gassen ihre Runden - sei es, weil sie just an dem Sonntag ein neues Ausstecherleförmchen kaufen möchten, weil es ein bestimmtes Gewürz nur hier gibt oder wegen eines Bratwurst-Weckens im Gehen. „Auf und zu“, so lautet der Status der mitgebrachten Regenschirme. Von den Planen der Stände tropft es mal mehr, mal weniger stark auf die darunter Versammelten, die Schrubber, schwarze Walnüsse und Sockenberge mustern.

Auf ein Treffen mit Herrn Guck und Frau Glotz

Magnetschmuck, Murmeltiersalbe, Mandelgebäck - der „Vielfalt“ stattet Irene aus Stuttgart gerne einen Besuch ab. Ihr gefällt die „schöne Geschichte“ vom heiligen Martin, der seinen Mantel teilt, und sie möchte sich darauf einstimmen. „Trotz Regenwetter hatte ich Lust, rauszugehen, und Waiblingen ist ja bei jedem Wetter schön“, sagt sie. Ihr Blick bleibe insbesondere an Selbstgemachtem und Regionalem hängen. „Und meistens findet man auch was Kleines und Nettes.“ Die „obligatorische Rote“ an ihrem Lieblingsstand ist für Ehepaar Volland aus Waiblingen-Neustadt jedes Jahr ein Etappenziel. Ansonsten lassen sie sich überraschen. „Man muss schauen, was wieder geboten ist“, sagt sie. „Und vielleicht noch Herrn Guck und Frau Glotz irgendwo treffen“, fügt er lachend hinzu.

Jenny und Jasmin aus Fellbach verbinden mit dem Martinimarkt „in erster Linie Regen und kalt“. Aber: „Wir gehen immer in derselben Gruppe, egal bei welchem Schietwetter“, sagen sie und schieben die Kappen ihrer Mäntel tiefer ins Gesicht. Schals hätten sie schon gekauft, auch mal was für den Haushalt. „Wir laufen einmal durch und schauen, wo wir hängenbleiben“, meinen sie.

Warme Duftwolken wabern durch die Gassen

Andocken kann man bei Kuscheligem für die Füße vom Schaf, schicken Pulswärmern aus Merinowolle, Wärme- und Lavendelkissen aus Naturmaterialien. Oder bei sauber und glänzend machendem Lederpflegebalsam, Omas Bio-Putzstein und Bambus-Entkalker. Ein Händler wischt vor einer Menschentraube eine runde Spiegelfläche ab, um zu zeigen, was ein bestimmtes Mikrofasertuch alles kann. An den Essensständen konzentriert sich der Besucherandrang. Wem auf dem kühlen Regenspaziergang etwas Heißes im Magen guttut, kann sich an frittierten Kartoffelschnitzen, Baumkuchen, Crêpes und Feuerwurst gütlich tun. Gebrannte Nüsse, ein Gewürzwagen, Tiroler Spezialitäten und Salamis aus dem Piemont verströmen verheißungsvolle Duftwolken im Nieselregen.

Regenunterbrechung an diesem dröppeligen Tag findet sich auf der „Großbaustelle“ im Schlosskeller: Dort rollen Bagger und Lastzüge der IG Rems-Murr Truckmodellbau über einen 20 Meter langen Parcours. Kinder kriegen die Augen kaum weg von den Baumaschinen, die Erdhaufen versetzen und Löcher buddeln wie die Großen. Auch kindgebliebene Eltern und Großeltern schauen den originalgetreuen Modellen bei der Arbeit an der neuen Umfahrung um Waiblingen und Hegnach zu - zumindest im Miniaturmaßstab ist die Straße bereits Realität. „Wir erledigen hier den Erdaushub, der zur Deponie gefahren wird und von dort aufgearbeitet zurück zum Straßenbau gebracht wird“, erklärt Gründungsmitglied Horst Steidle das Thema der Schau.

Kein Kinderkram, sondern anspruchsvolle Technik

Dass die Kippmulder und Planierraupen so schön leise sind und nicht nach Benzin riechen, ist den Batterieantrieben zu verdanken. Er zeigt Besuchern gern, wie er mit dem linken Knüppel seiner Fernbedienung rangiert und mit dem rechten die Arbeitsbewegungen bewegt. Sieht kinderleicht aus, ist aber „kein Kinderspielzeug“, wie Horst Steidle betont. Unter jedem Karosserie-Mantel stecke ausgefeilte Technik. Wie die „großen“ Vorbilder komme seine Raupe nicht ohne Hydraulik aus. Aluzahnräder treiben die Ketten an.

„Wer sich technisch und elektrisch nicht gut auskennt, bekommt keine Maschine gescheit zusammengebaut“, so Steidle. „Wir nutzen exakt dieselbe Eurosteuerung wie die richtigen Fahrer“, erklärt er. Im Schnitt nur dreimal pro Jahr hätten sie Gelegenheit, ihre 100 Quadratmeter große Piste aufzubauen und zu zeigen, was der Verein, der am Samstag sein 25-jähriges Bestehen gefeiert hat, tut.

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