Waiblingen Tierhof Waldmühle will zur Kita werden

Waiblingen. Schafe, Schweine, Ponys und Alpakas bevölkern den Tierhof Waldmühle. Ein Tierparadies mitten in der Stadt. Nachmittage für Kindergärtengruppen und Schulen bietet Sozialpädagogin Joy Fehm dort schon seit einigen Jahren an. Jetzt plant die 29-Jährige, selbst einen Kindergarten aufzumachen.

Es gibt Montessori-Kindergärten, Betriebskindergärten, einen Wald- und einen Waldorf-Kindergarten, es gibt kirchliche, private und städtische. Wenn der Traum von Joy Fehm wahr wird, bereichert in Zukunft einer mit tiergestützter Arbeit und Erlebnispädagogik das Waiblinger Angebot in Sachen Kinderbetreuung. Ein Konzept mit Seltenheitswert, eine originäre Waldmühle-Idee, die bei Eltern und Erzieherinnen offenbar gut ankommt. Denn obwohl die Betreiberin des Tierhofs kaum dafür geworben hat, stehen schon jetzt 60 Kinder auf der Voranmeldeliste, und mehrere Erzieherinnen haben signalisiert, in Zukunft bei der Waldmühle arbeiten zu wollen. Erste Gespräche mit der Stadt Waiblingen seien gut gelaufen. Derzeit lotet Joy Fehm in einer Umfrage den genauen Bedarf aus.

Alpakas strahlen Ruhe und Gelassenheit aus

Die Tierliebe liegt wohl in den Genen der Familie, vermutet sie. Nachweislich geht die Begeisterung für Pferde, Ponys und Co. mindestens bis auf den Urgroßvater zurück, der sich nach dem Krieg mit seiner Teppichfirma an der Waldmühle niederließ. Über Generationen ist der Tierbestand am Hof gewachsen, die Ponys Jenny und Janosch zählen mit ihren 32 Jahren zu den Senioren. Top-Attraktion sind die Alpakas Pepe, Don Camillo, Bruno und Alfredo, die eine enorme Ruhe ausstrahlen und sich gegen allzu stürmische Streichelversuche dezent verwahren. Womit die Südamerikaner sich bestens eignen, kleinen Tierfans auf sanfte Art Empathie und Rücksichtnahme näherzubringen. Willy und Charlie Schwein grunzen zum Gruß und wühlen nach Fressbarem, wie eigentlich immer. Enten watscheln durchs Gras, Ziegen weiden auf den Wiesen und tragen ihre geschwungenen Hörner spazieren. Die Anhöhe hinauf haben Kinder mit dem Bau eines Tipis begonnen. Zwischen den Streuobstbäumen gibt es einen Barfußpfad und Slackline-Seile zum Balancieren.

Lernen mit Herz und Hand von der Schafschur zur Wollmütze

2011 machte sich Joy Fehm, die zu ihrem Sozialpädagogik-Diplom eine Zusatzausbildung in tiergestützter Arbeit draufsattelte, selbstständig. Schon seit längerem schwebt ihr vor, ihre bisherige Tätigkeit, die Ferienprogramme, Nachmittagsbetreuung, Kindergeburtstage und Eltern-Kind-Kurse umfasst, auszubauen. Zum Beispiel in Schul-AGs mit Fünft- und Sechstklässlern der Salier-Realschule zeige sich der pädagogische Nutzen von längerfristigen Begegnungen von Kindern und Tieren. Es geht um Regelmäßigkeit, Verantwortung übernehmen und Respekt vor den Tieren. Denn die Waldmühle will mehr sein als ein Streichelzoo, es geht um ganzheitliches „Lernen mit Herz und Hand“. Schon jetzt können Kinder etwa den Prozess der Wollverarbeitung von der Schafschur bis zum Filzen von Mützen erleben, auch ein Spinnrad steht zur Verfügung.

Gedacht ist nicht etwa an einen Waldkindergarten, bei dem die Kinder sich immer draußen aufhalten. Vielmehr möchte die Waldmühle nahe dem Eingangsbereich einen Neubau in den Hang setzen, der zwei Gruppen mit maximal 20 Kindern sowie sämtliche Nebenräume wie Küche, Sanitär- und Schlafräume beherbergen soll. Aber natürlich würde die neue Kita die vielfältigen Möglichkeiten des Waldmühle-Areals nutzen. Je nach zu ermittelndem Bedarf könnte sich die Ganztagsbetreuung von 7 bis 17 Uhr erstrecken. Gekocht wird direkt vor Ort durch eine hauswirtschaftliche Kraft, aus pädagogischen Gründen mit Unterstützung der Kinder, die Gemüse und Kräuter in Beeten selbst ziehen können. Joy Fehm würde die Geschäftsleitung übernehmen. Für die Arbeit in den Gruppen würden wohl sechs bis sieben pädagogische Kräfte gebraucht. Größer als die genannten zwei Gruppen soll die Einrichtung Stand heute nicht werden. Gemäß der Überzeugung, dass Kinder Überschaubarkeit und familiären Rahmen brauchen. Aufgenommen würden Kinder ab drei Jahren, wenn die Kita realisiert wird. Die Eröffnung wäre frühestens 2018 möglich.

Elternumfrage

Mehr Informationen gibt’s auf der Webseite www.waldmuehle-waiblingen.de, dort läuft eine Elternumfrage, um den Bedarf zu ermitteln.

Für Sonntag, 5. Juni, ist ein Tag der offenen Tür geplant.

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