Waiblingen Überstehen Reisebüros die Corona-Krise?

Die heiß begehrten und häufig mit Handtüchern reservierten Strandliegen bleiben vielerorts leer – die Frage, die sich viele stellen: Wann normalisiert sich die Lage? Foto: Pixabay License

Waiblingen.
Kunden beruhigen, Buchungen stornieren und Lösungen für gestrandete Urlauber suchen - so sieht der Alltag derzeit in einigen Waiblinger Reisebüros seit den Einschränkungen durch das Coronavirus aus. „Wir sind gerade dabei, alle unsere Kunden zu informieren, die davon betroffen sind“, sagt die Reiseverkehrskauffrau Urania Zaharaki.

Zwar sei das Reisebüro für den Publikumsverkehr geschlossen, aber dennoch sitze sie hinter verschlossenen Türen und informiere die Betroffenen. Auch bearbeiten die Mitarbeiter in dem Waiblinger Reisebüro in der Oberen Sackgasse die Anfragen telefonisch und per E-Mail. Im Moment versucht die Reiseverkehrskauffrau, zwei ihrer Kunden aus Neuseeland und eine weitere Kundin aus Marokko zurückzuholen.

Fest steht, dass die Urlauberin in Marokko bei einer Rückholaktion schlechte Chancen hat, da sie nicht deutsche Staatsbürgerin ist. Doch für die beiden Urlauber in Neuseeland gibt es noch Hoffnung. Das Problem sei allerdings, dass ständig Flüge, die infrage kämen, storniert werden. „Das ist sehr aufwühlend“, sagt Urania Zaharaki. Sie habe sogar an einem Sonntag ihren Arbeitsplatz aufgesucht, um nach passenden Flügen für die Betroffenen zu suchen. „Wir versuchen, uns in die Lage der Kunden hineinzuversetzen“, sagt sie. „Wir tun alles Mögliche, was in unserer Macht steht, und versuchen unser Bestes zu geben.“

Die Menschen sind verunsichert: Sie buchen nicht um, sie stornieren

Wie viele Flüge in den vergangenen Tagen storniert wurden, kann Urania Zaharaki nicht genau sagen. „Der Veranstalter storniert und schickt uns die Informationen, in Zahlen kann ich’s nicht sagen, ist ein ganzer Stapel“, sagt sie. Die Reiseverkehrskauffrau vermutet, dass auch die Pfingstferien von Ausfällen betroffen sein werden.

Die Reisebüros bieten ihren Kunden außer der Stornierung ihrer geplanten Reisen auch an, sie auf einen späteren Zeitraum zu verlegen. Doch von diesem Angebot machten bislang wenige Gebrauch.

„Umbuchungen bieten wir ja aktiv an, auch mit der Begründung, dass es ein Leben nach Corona gibt“, sagt die Reiseverkehrskauffrau, „aber die Kunden sind verunsichert, auch durch die Medien.“ Derzeit hätten viele andere Probleme, als sich mit dem Gedanken zu beschäftigen, ob sie im Sommer oder im Herbst in den Urlaub fliegen.

„Ich mache das als Mensch“

Auch wenn es im Moment die Ausnahme sei, habe am Montag ein Stammkunde eine Reise in den Herbstferien in die Dominikanische Republik gebucht. Umso größer ist die Freude bei Urania Zaharaki. Sie sagt: „Ich hätte niemals gedacht, dass ich mich über eine Buchung so sehr freue.“ Just solche Aufträge sind im Moment ein Hoffnungsschimmer für sie.

Obwohl sie die andauernde Situation als deprimierend empfindet, möchte sie optimistisch bleiben. „Im Freundeskreis sagen alle ‚Such’ dir doch einen neuen Job’, aber das will ich nicht“, sagt sie. Seit 1998 arbeite sie als Reiseverkehrskauffrau und möchte es weiterhin tun. Sie sagt: „Ich mache die Arbeit leidenschaftlich - mit Herz und Blut.“ Auch wisse sie nicht, ob sie diesen Monat ihr Gehalt erhalten wird, aber dennoch möchte sie den Kunden treu bleiben und ihnen in dieser Situation helfen. „Ich mache das als Mensch“, sagt sie.

Urania Zaharaki hofft, dass, wenn sich die Lage wieder beruhigt, viele in den Urlaub fahren möchten. Sie plädiert dafür, dass Reisebüros mehr wertgeschätzt werden sollten. „Ich hoffe einfach, dass die Leute jetzt in sich gehen und nicht nur online buchen, sondern die Reisebüros vor Ort unterstützen, so haben sie auch Ansprechpartner vor Ort.“ Erst so könne die Arbeit in Reisebüros künftig gesichert werden.

„Es geht um die Existenz“

Die Situation in einem anderen Waiblinger Reisebüro ist ähnlich. Der Inhaber, der nicht namentlich genannt werden will, sagt, dass fast alle Reisen, die März und April betreffen, storniert wurden. „Ich hege schon die Hoffnung, dass sich die Lage im Herbst normalisiert“, sagt er.

Zwar erhalte er in letzter Zeit einige Anfragen für den Herbst und Winter, aber es gebe auch vereinzelt Buchungen. So habe ein Kunde eine Reise im August gebucht. „Aber das ist zurzeit die Ausnahme“, sagt der Reisebüro-Inhaber. Er findet die Situation beunruhigend – für die ganze Tourismus-Branche. „Es geht um die Existenz“, sagt er. „Ein halbes Jahr hält das die Wirtschaft nicht aus.“

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