Weinstadt Burgruine: Glockenturm statt Holzturm

Animation: Entwurf für Gedenkstätte mit Glockenturm auf der Burgruine Kappelberg. Foto: Cheret Bozic Architekten BDA DWB Stuttgart

Weinstadt. Ein Glockenturm mit Gedenkstätte: Das plant die Stadt nun für die Burgruine Kappelberg – als Alternative zum umstrittenen Holzturm. Die Verwaltung greift damit Ideen aus der Bürgerschaft auf und hofft auf bis zu 50 Prozent Zuschuss. Denn das Projekt kostet eine Million Euro – und ist damit teurer als der Holzturm.

Die Burgruine Kappelberg ist ein historisch bedeutender Ort für Weinstadt. Gegen den Widerstand des Mesners hat hier der Gaispeter am 2. Mai 1514 die Glocken der Nikolauskapelle geläutet. Er wollte die Remstäler zu den Waffen rufen – damit sie sich gegen Herzog Ulrichs Ungerechtigkeiten wehren. Der Aufstand des Armen Konrads gehört bis heute zu den wichtigsten Ereignissen der Landesgeschichte, er ist ein Beispiel für zivilen Ungehorsam und Auflehnung gegen herrschaftliche Willkür. Gemessen an dieser Geschichte ist die Burgruine heute in einem schlechten Zustand. Seit einem Jahr ist sie abgesperrt, weil die Mauern dringend saniert werden müssen. 190 000 Euro würde das nach Angaben der Stadt kosten, einen Zuschuss gibt es dafür nicht – zumindest nicht, wenn es rein bei der Instandsetzung der Mauer bleibt. Dagegen können sich Fördertöpfe öffnen, wenn die Stadt mehr macht. Das war schon bei dem umstrittenen Holzturm so – und das ist auch bei der neuen Idee zur Aufwertung der Burgruine nicht anders. Geplant sind neben der Sanierung des Mauerwerks (190 000 Euro) neue Freianlagen (301 195 Euro), eine Gedenkstätte innerhalb der Ruine (Kosten: 360 190 Euro) und daneben ein 15 Meter hoher fünfeckiger Glockenturm (170 000 Euro). Das kostet insgesamt eine Million Euro. Bis zu 50 Prozent sollen durch einen Zuschuss des Verbands Region Stuttgart finanziert werden. Am Freitag hat die Stadt nun den Antrag dafür gestellt – zum letztmöglichen Termin für die Förderrunde fürs Jahr 2017. Der Gemeinderat stimmte am Donnerstagabend dafür.

Nach der neusten Kalkulation steigt der Preis auf das Doppelte

15 Stadträte votierten für den Vorentwurf mit dem Glockenturm, sieben dagegen (darunter auch OB-Kandidat Michael Scharmann), außerdem gab es noch eine Enthaltung. Jene, die dagegen stimmten, waren mehrheitlich für den etwas preiswerteren Entwurf ohne Glockenturm, der 851 385 Euro kosten soll. Das ist immer noch teurer als der einst von der Mehrheit des Gemeinderats favorisierte Holzturm, der inklusive Sanierung der Mauer und Terrassierung der Hangfläche 320 000 Euro kosten sollte – zumindest war das die offizielle Zahl der Stadtverwaltung vom Sommer 2015. Inzwischen gibt es eine neue Kostenrechnung für diese alte Variante, die den Stadträten in der jüngsten Sitzung ebenfalls vorgelegt wurde. Demnach würde der Holzturm nach heutigem Stand inklusive der Sanierung des Mauerwerks (aber ohne die Freianlagen) 615 000 Euro kosten – also doppelt so viel wie einst gedacht.

Baubürgermeister Thomas Deißler betonte in der Sitzung mehrfach, dass die Stadtverwaltung mit dem neuen Vorschlag auf Wünsche aus der Weinstädter Bevölkerung eingeht. Im Herbst 2015 gab es schließlich in der Prinz-Eugen-Halle an drei Abenden den sogenannten Ideengarten, bei dem Bürger ihre Visionen für die Projekte zur Gartenschau 2019 einbringen konnten – und die Aufwertung der Burgruine ist Teil davon. „Der Glockenturm kommt von den Bürgern – das war nicht unsere Idee“, sagte Deißler. Für ihn hat der Kappelberg nun höchste Priorität. Die Gestaltungsideen für andere Weinstädter Höhenpunkte wie den Karlstein oder die Drei Riesen, die Architekt Peter Cheret ebenfalls ausgearbeitet hat, werden deshalb erst mal nicht weiter verfolgt. Das ist natürlich den städtischen Finanzen geschuldet: Weinstadt muss immer noch sparen, auch wenn die Lage nicht mehr ganz so prekär ist wie noch vor einem Jahr.

Verwirklicht werden soll das Projekt nur, wenn es die Region fördert

Laut Deißler wird das Projekt nur umgesetzt werden, wenn es die Region fördert. 510 693 Euro muss Weinstadt selbst zahlen, 144 000 Euro davon stammen aus außerplanmäßigen Mehreinnahmen. Woher dieses Geld kommt, wollte der Baubürgermeister auf Nachfrage unserer Zeitung zumindest öffentlich nicht sagen. Der Finanzierungsrest von 366 000 Euro wird laut Pressemitteilung der Stadt teilweise aus bereits seit 2015 für dieses Projekt veranschlagten Mitteln finanziert beziehungsweise in den Haushaltsplan 2017 eingestellt.

SPD-Stadtrat Wolf Dieter Forster warb übrigens noch einmal vergeblich für seinen Traum von einem begehbaren Steinturm, an dessen Bau die Bürger mitwirken sollen. „Ich würde mich selbst natürlich auch einbringen.“

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Mit Beleuchtung

Der Glockenturm soll laut Architekt Peter Cheret an die Architektur der Stauferzeit erinnern, 15 Meter hoch sein und „wie ein Zeichen“ von weitem erkennbar sein. Er soll nicht von außen bestrahlt werden, sondern von innen beleuchtet werden – was Freie-Wähler-Stadtrat Tibor Randler besonders begeistert. „Das gibt dem Ganzen das i-Tüpfele.“

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