Waiblingen und Umgebung Der legendäre Walker-Sound

Wolfgang Walker gestern in Rom: Er stellte nicht nur den Heimatkalender 2011 vor, er plauderte auch aus dem SWR-Nähkästchen. Bild: Bernhardt Foto: ZVW

SWR-Ruheständler Wolfgang Walker präsentierte gestern im Römer Feuerwehrmagazin den Schwäbischen Heimatkalender

Kernen-Rommelshausen. Der graue Janker ist Programm. Wolfgang Walker, der legendäre, schon immer Land und Leuten nahe Radioplauderer, ist im Ruhestand in die Rolle des Heimatbuch-Herausgebers geschlüpft. Der 64-Jährige sitzt im Römer Feuerwehrmagazin. Und die Landfrauen, treue SWR-Hörerinnen, haben den Kaffee schon hinter sich. Jetzt genießen sie den heiteren Walker-Sound.

An den langen Tischreihen im Saal des Feuerwehrgerätehauses lehnen die Landfrauen an die Stuhllehnen. Wenn die Rentnerinnen die Augen kurz schließen und Dampfradioplauderer Wolfgang Walker, dem man das badische Bodagfährtle trotz seiner langen Stuttgarter Jahre immer noch anmerkt, von den prominenten Kollegen Rainer Nitschke, Gisela Böhnke und Michael Branik erzählt, dann schmunzeln die Frauen verzückt und sie fühlen sich ein klein wenig zurückversetzt in allerbeste U.A.w.g.-Zeiten. „Wie alt ist denn der Rainer Nitschke?“, fragt eine. „Der ist in meinem Alter. Der wird Ihnen nicht mehr lange erhalten bleiben. Auch Michael Branik ist schon Ende 50. Aber die Susanne Kurz, die ist ja noch jung!“

„Badenser sagen, das gehört sich nicht“

Grauhaarig sitzt er da. Brille, Janker, schwarzes Hemd. Drei dicke Bücher vor sich, daneben ein mit Notizen gefüllter blauer Ringbuchordner. Natürlich ist auch ein Wolfgang Walker bei den Landfrauen zu Kaffee und Zwetschgenkuchen eingeladen, bevor er das Wort ergreift. Die Radio-Legende live. Bei öffentlichen Sendungen machten die Leute früher große Augen, wenn sich zur vertrauten Stimme ein Körper gesellte: „Mensch, so sieht der aus?“ Und wenn ihn einer dann noch Badenser nannte, wies der Spätzlesfunker das als unanständig zurück. „Machen Sie das mal mit einem Frankfurter“, sagt er heute noch. „Das gehört sich nicht.“ Die Frauen um ihn herum nicken, schmunzeln. Später, als Walker Gedichte und Geschichten vorträgt, brechen sie in helles Gelächter aus.

Früher. „Früher war das Radio noch mehr zum Anfassen als heute“, sagt er. Die Persönlichkeit des Moderators zählte. Heute sei sie austauschbar, glattgebügelt zugunsten eines zielgruppenorientierten Senderprogramms, bei der die Musik den Ton angebe. „Man soll heute ein Programm hören, nicht einen Menschen“, spitzt Walker bei den Landfrauen seine, dem populären Ruheständler durchaus erlaubte medienkritische Sicht der Dinge zu. „U.A.w.g. war ja sehr personenbezogen“, räsoniert er. Das heitere Unterhaltertalent Walker am Mikro stand immer im Zentrum. Die Lust am Umgang mit Menschen, das ehrliche Interesse an ihrem Schicksal war der Antrieb.

Oberschwaben: „Alles lacht in den Kirchen“

45 Jahre stand der Mann in Diensten seiner Hörerschaft. Im Juni 2007 verabschiedete sich der gebürtige Mannheimer, der mit seiner „Funkfahrt ins Blaue“ in den 70ern auf SDR1 bis hin zu „Wolfgang Walker – Hörer fragen Hörer“ am Schluss seiner Moderatorenkarriere immer wieder unüberbietbaren Kultstatus genoss, mit seiner letzten SWR4-Produktion in Hagnau am Bodensee. Mit diesem pittoresken Ferienort könnten wir leicht die Brücke zur jetzigen Tätigkeit des verrenteten Rundfunkprofis als Herausgeber des schwäbischen Heimatkalenders schlagen. Denn die Region, der sich das Heimatbuch 2011 widmet, ist Oberschwaben. Eine Kulturlandschaft, der sich der Katholik Wolfgang Walker schon wegen ihrer heiteren Leichtigkeit verbunden fühlt. „Alles lacht in den Kirchen. So ist auch die Landschaft: liebenswürdig.“ Aber der Rentner sitzt im Kreis treuer SWR4-Hörerinnen im pietistischen Remstal. Und er erzählt von Helene Fischer und Andrea Berg, die mit ihren rockigen, deutschen Schlagern mittlerweile das vierte Programm erobert haben.

In seinem unruhigen Ruhestand, den Walker im Sommer 2007 antrat, hat er drei Jahrgänge des Schwäbischen Heimatkalenders herausgebracht. „Früher war der ja eine Art Hausschatz in jedem Haushalt im ländlichen Raum“, erklärt er, was aber bekannt ist. „Heute ist der redaktionelle Teil wichtiger als das Kalendarium. Das ist ein Kalenderbuch, kein Abreißkalender.“ Bunter, reich bebildert auf Hochglanzpapier bietet der Band das, was Walker im Radio immer gemacht hat: Menschen. 2011 kommt in einem Prominentenporträt Vincenz Klink zu Wort. Und das Thema Oberschwaben werde mit Berichten über Weingarten, den Federsee und das Dornier-Museum abgedeckt. Gerade die Landfrauen, die das Projekt Heimatkalender ja mittragen, bitte er um mehr Beiträge, sagte Walker gestern. „Wir brauchen mehr von der Basis. Zum Beispiel jetzt über das Thema Pflanzen. Ich bin dankbar für jeden Artikel.“

 

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