Weinstadt Gotthilf Fischer: Ein Lied nur für Luther

Martin Luther ist für Chorleiter-Legende Gotthilf Fischer (89, selbst evangelisch) schon lange ein Vorbild. Ihm imponiert an dem Reformator, dass er unbeirrt seinen Weg gegangen ist – und daher bezeichnet er ihn auch gerne als Haudegen. Foto: Bernd Klopfer

Weinstadt. Spott hat ihn stets angespornt: Wenn Gotthilf Fischer zu hören bekam, dass seine Idee zum Scheitern verurteilt ist, hat ihn das erst recht angestachelt. Und genau hier sieht der weltbekannte Chorleiter eine Parallele zum Leben von Martin Luther, den er sehr bewundert. Zu dessen Ehren veröffentlicht der 89-Jährige nun zum Reformationsjubiläum ein Lied – und das heißt einfach nur „Martin Luther“.

An die Kirche, das gibt Gotthilf Fischer ganz offen zu, hat er früher weniger gedacht. Ja, er ging als Kind natürlich in die Kinderkirche, so wie fast alle anderen aus dem Ort, er lauschte gerne den Klängen der Orgel, aber besonders fromm sei seine Familie nun nicht gewesen. „Ein Kind rennt all dem nach, wo die anderen Kinder auch sind“, sagt der 89-Jährige und lächelt. Er sitzt im Büro seiner langjährigen Managerin Esther Müller, hier in Beilstein im Landkreis Heilbronn. Weinstadt ist freilich nach wie vor sein einziger Wohnsitz, auch wenn er sein großes Haus dort längst gegen eine Wohnung eingetauscht hat. Gotthilf Fischer spricht ganz offen über sein Verhältnis zum Glauben, der lange Zeit oberflächlich war. Es ging ihm ja gut, Themen wie Krankheit und Tod waren weit weg. Heute ist für Gotthilf Fischer der Glaube wichtiger – was aber nicht heißt, dass er nun groß andere bekehren will. Zwang hat aus seiner Sicht in der Religion nichts verloren. „Es gibt Pfarrer, die drohen – das ist das Tödlichste, was passieren kann.“ Immer schon beeindruckt hat Gotthilf Fischer dagegen Martin Luther – allerdings nicht aus religiösen Gründen.

Fischer sieht Parallelen zwischen sich und Luther

Am Vater der Reformation bewundert der 89-Jährige dessen Fähigkeit, unbeirrbar, gegen alle Anfeindungen, die eigenen Ziele zu verfolgen. „Er muss unheimlich überzeugt gewesen sein von dem, was er macht“, sagt Gotthilf Fischer. Dieser Mut, diese Sturheit, das gefällt dem Wahl-Weinstädter – und nicht umsonst nennt er Luther liebevoll einen Haudegen. Es sind Szenen wie jene, die sich 1521 auf dem Reichstag zu Worms ereignet haben soll, die Gotthilf Fischer bis heute beeindrucken. Luther soll da folgende Worte gesprochen haben: „Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Amen“. Und genau hier, am Umgang mit Gegenwind, sieht der 89-Jährige Parallelen zwischen Luther und sich. Vorm Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 in München, bei dem er mit seinen Fischerchören auftrat, hat er laut eigenem Bekunden gegen viele Unkenrufe und Widerstände ankämpfen müssen. Letztlich war diese Show ein Höhepunkt in Fischers Leben, ein Erfolg, der seine Popularität nur steigerte.

Entstanden ist das Luther-Lied schon vor einigen Jahren

Dass Gotthilf Fischer nun für den Vater der Reformation ein Lied mit dem Namen „Martin Luther“ geschrieben hat, passt so gesehen ins Bild. Es ist zwar schon vor ein paar Jahren entstanden, aber nun, anlässlich des Reformationsjubiläums, ist für den Chorleiter der richtige Zeitpunkt zur Veröffentlichung gekommen. Geschrieben hat es Gotthilf Fischer laut seiner Managerin anlässlich von Luthers Hochzeit, einem alljährlich stattfindenden Spektakel in Wittenberg, das an jenen 13. Juni 1525 erinnert, an dem der ehemalige Mönch und die einstige Nonne Katharina von Bora heirateten.

Fischers christliches Lieblingslied: "Stille Nacht"

Gotthilf Fischers persönliches christliches Lieblingslied hat allerdings nichts mit Martin Luther zu tun. Es ist „Stille Nacht, heilige Nacht“, das wohl weltweit bekannteste Weihnachtslied. „Es verbindet die Menschheit“, sagt der 89-Jährige. Darum wünscht er sich auch, dass alle Menschen täglich ein Lied singen. Natürlich nicht dauernd „Stille Nacht“, sondern immer ein anderes.

Musik tut immer gut

Und wenn die Medien ihm einen Gefallen tun wollen, dann sollten sie jeden Tag ein Lied des Tages veröffentlichen. Denn egal ob im Kindergarten oder im Pflegeheim: Musik tut aus Fischers Sicht immer gut. „Der Herrgott hat uns die Stimme geschenkt – es ist ein Geschenk des Himmels.“

Was Luther und Fischer auch verbindet, sind zweifelsohne die Lust am Leben sowie der Humor, der auch derb sein darf. Gotthilf Fischer kann zum Beispiel eine ganze Reihe Anekdoten von Beerdigungen erzählen, die unfreiwillig komische Momente hatten – etwa wenn ein Redner plötzlich alles durcheinanderbringt: „Lieber Karl, wir werden dich nie vermissen, schlammere sunft.“

Zum Schluss ein Zitat

Und dann, sagt Gotthilf Fischer, habe er noch etwas für den Schluss. Er ist ja schließlich Chorleiter und weiß, dass der nicht ganz unwichtig ist. Er zitiert einen Vers, der Luther zugeschrieben wird, obwohl er in dessen überlieferten Schriften gar nicht enthalten ist. Sei es drum, der Satz passt einfach zu gut zu Luther – und auch daraus hat Gotthilf Fischer übrigens ein Lied gemacht. Er geht so: „Wer nicht liebt Wein, Weib, Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang.“ Und Gotthilf Fischer findet, dass das stimmt – ohne Wenn und Aber.

Bald erhältlich

Gotthilf Fischers Lied „Martin Luther“ erscheint am Freitag, 29. September – und zwar auf allen bekannten Streaming- und Downloadportalen. Eine Hörprobe des Lieds gibt es unter folgendem Link: player.believe.fr/v2/4260437274245

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