Waiblingen Vereine zwischen Zweifel und Aufbruch

Ein Beispiel für die erfolgreiche Kooperation zwischen Schule und Sportverein: In der Handball-AG am Salier-Schulzentrum trainiert der Handballnachwuchs bereits seit Jahren einmal die Woche mit Spielern des TVB Stuttgart. Im aktuellen Schuljahr war Bundesliga-Profi Felix Lobedank im Einsatz. Foto: Palmizi / ZVW

Waiblingen. Die Sportvereine haben’s nicht leicht: Der demografische Wandel, der Trend zur Ganztagsschule, Konkurrenz durch Fitnessstudios und Volkshochschulen – alles scheint gegen sie zu laufen. Doch es ergeben sich auch neue Chancen – wenn die Vereine bereit sind, sich zu öffnen. Das war eine Erkenntnis am Montagabend bei der Auftaktveranstaltung zur Fortschreibung des Waiblinger Sportleitplans.

Die Veranstaltung im Bürgerzentrum entpuppte sich – anders als von einigen erwartet – nicht vorrangig als die Festlegung neuer Ziele, sondern erst einmal als ein großes Austauschen und Brainstorming der Vereinsfunktionäre und Sportlehrer. Heraus kamen interessante Ideen und die Willensbekundung zu mehr Zusammenarbeit.

Für konkrete Ergebnisse war die Zeit bei der Auftaktveranstaltung allerdings zu knapp bemessen. Im besten Fall wurde am Montagabend also der Grundstein für die gemeinsame Weiterentwicklung der sportlichen Strukturen in Waiblingen gelegt. Einen runden Tisch zum Sportleitplan will die Stadt nun jährlich veranstalten.

Moderiert vom Württembergischen Landessportbund (WLSB) und der Arbeitsgemeinschaft Waiblinger Sportvereine (AWS) machten sich die zahlreichen Teilnehmer Gedanken zu vier Zukunftsthemen: die Kooperation von Vereinen und Schulen; die Zusammenarbeit von Vereinen mit anderen Vereinen bzw. Institutionen, zu Ehren- und Hauptamt im Verein sowie zu den Herausforderungen der Digitalisierung.

Oberbürgermeister Andreas Hesky: „Unglaublich, was bewältigt wurde“

In seiner Einleitung erinnerte Oberbürgermeister Andreas Hesky an das, was die Stadt seit der Geburtsstunde des Sportleitplans im Jahr 2006 umgesetzt hat: zahlreiche Neubauten und Sanierungen von Sportstätten in der Kernstadt und den Ortschaften und den Erhalt aller Schwimmbäder.

„Hand aufs Herz, es ist doch unglaublich, was in den Jahren bewältigt wurde“, sagte der Rathauschef im voll besetzten Welfensaal. Und viele Projekte seien ja im Werden begriffen: die Sanierung der Rundsporthalle, der Anbau an die Bittenfelder Gemeindehalle, der neue Kunstrasen in Neustadt. Auch an Aufgeschobenes erinnerte Hesky und versprach: „Die Salier-Turnhalle ist nicht vergessen.“

Nach einem Impulsreferat des WLSB-Vizepräsidenten Manfred Pawlita (siehe Infobox) ging es in die Dialogrunden. Im Anschluss wurden die Ergebnisse der einstündigen Versammlungen vorgestellt:

Kooperation von Vereinen, Schulen und Kindergärten

Im Zuge der Ganztagsbetreuung wird die Zusammenarbeit von Schulen (und Kindergärten) mit Vereinen immer wichtiger. In der Dialogrunde, an der viele Lehrer teilnahmen, stellte sich heraus: Schulen wünschen sich von den Vereinen dauerhafte, verlässliche Angebote.

Ein Problem: Berufstätige Ehrenamtliche stehen erst am Abend zur Verfügung – nicht zur frühen Nachmittagszeit, um etwa eine Schul-AG zu leiten. „Das können wir nur stemmen, wenn wir uns professionalisieren“, berichtete Gruppensprecher und Vorsitzender des Turnerbunds Beinstein, Ulrich Scheiner.

Was bedeuten würde, dass der Einsatz in den Schulen entlohnt werden müsse. Das wiederum sei der Welt der Märchen zuzuordnen: Schließlich seien Schulsportangebote schon jetzt unterfinanziert. OB Hesky kündigte daraufhin an, der Gemeinderat könne finanzielle Mittel bereitstellen: „Da stehen wir gerne zur Verfügung, auch wir haben gelernt.“ Das Thema soll an Runden Tischen weiterverfolgt werden.

Die Kooperation der Vereine untereinander bzw. mit anderen Institutionen

Ein flammendes Plädoyer an die Vereine, sich einander zu öffnen, hielt der FSV-Vorsitzende Klaus Riedel, der auch im Beirat der AWS tätig ist. In seiner Gruppe war unter anderem über gemeinsame Fortbildungen – etwa zum heißen Thema Datenschutz – diskutiert worden und darüber, wie die Stadt die Vereine dabei unterstützen könnte.

Das Ziel, so Riedel: „Eine Förderrichtlinie, nach der die Stadt uns finanziell unterstützt, wenn wir bereit zur Kooperation sind.“ Schließlich beschäftigten viele Vereine ja ein- und dieselben Themen. Ein weiterer Vorschlag: Vereine könnten einander mit leerstehenden Räumen aushelfen. Riedel: „Beim FSV ist ein Gymnastikraum nicht voll ausgelastet, den können auch andere nutzen.“ Auch eine bessere gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit wünschen sich die Funktionäre. Angebote des WLSB wollen sie stärker nutzen.

Haupt- und Ehrenamt in Vereinen

In dieser Gruppe sei kräftig gestritten worden, teilten Jochen Griesmeier vom VfL Waiblingen und Andy Biesinger vom WLSB mit. Griesmeier hatte dem Verband vorgeworfen, „zwar ein guter Dienstleister, aber ein suboptimaler Lobbyist“ zu sein. Das Ehrenamt, so Griesmeier, falle immer unter den Tisch, die Wertschätzung der großartigen freiwilligen Arbeit sei viel zu gering. „Wir haben das große Problem, dass uns die ganzen Sonntagsreden nicht weiterhelfen“, sagte er an die Politik gerichtet. Das Thema Hauptamt sei in der Gruppe nur am Rande thematisiert worden. Bei der Gewinnung neuer Ehrenamtlicher sollten sich Vereine gegenseitig unterstützen, sich den Rücken stärken und Erfahrungen austauschen.

Digitalisierung

In der Gruppe, die sich mit der Digitalisierung im Vereinsleben beschäftigte, erfuhren die Teilnehmer laut Rainer Weninger vom SV Hegnach, „dass jeder anders unterwegs ist“ – die einen hätten professionelle Homepages, andere informierten ihre Mitglieder per Nachrichtendienst. Eines sei allerdings bei allen gleich: „Es herrscht großer Informationsbedarf.“ Deshalb sollen nun gemeinsame Info-Veranstaltungen die Vereine auf den aktuellen Stand der Technik bringen. „Das hat sehr, sehr viele Aspekte. Mit einem Workshop ist es nicht getan“, so Weninger.


Mutmacher

  • WLSB-Vizepräsident Manfred Pawlita machte den Funktionären in seinem Impulsvortrag Mut: Die Vereine seien bereits in den 1950er Jahren von manchem totgesagt worden: „Wir schreiben jetzt 2018, uns gibt’s immer noch.“
  • Der demografische Wandel zwinge die Verein allerdings zum Umdenken: „Wir können uns nicht mehr erlauben, zu sagen: Lass doch die Jungen ran!“ Angebote für Ältere bergen Potenzial. Manfred Pawlita: „Ich bin fast 60 und treibe dreimal die Woche Sport.“
  • Ein weiterer Tipp: „Vereine dürfen nicht nach jedem Trend hetzen – aber Trendsportarten können unser traditionelles Angebot super ergänzen.“
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